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Positionspapier: KI als soziotechnisches System – CATALPA-Forscherin Laura Froehlich ist Mitautorin
[26.10.2026]Die Fachgruppe Sozialpsychologie der DGPs hat ein Positionspapier zu den gesellschaftlichen Folgen Künstlicher Intelligenz veröffentlicht. PD Dr. Laura Froehlich vom Forschungszentrum CATALPA hat daran mitgewirkt. Sie bringt ihre Forschung zu Stereotypisierung und deren Folgen ein.
KI-Anwendungen wie große Sprachmodelle sind längst Teil unseres Alltags: Wir nutzen sie zum Schreiben, zum Recherchieren, bei Entscheidungen und zunehmend auch als Gesprächspartner. Doch welche Folgen hat das für unser soziales Miteinander? Diese Frage untersucht das Positionspapier „Künstliche Intelligenz als soziotechnisches System. Eine Perspektive der Fachgruppe Sozialpsychologie“, das in der Psychologischen Rundschau (Heft 4/2026) erschienen ist. Es ist Teil eines Themenhefts, in dem verschiedene Fachgruppen der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) ihre Perspektive auf KI darstellen.
Unter Koordination von Prof. Dr. Andreas Glöckner (Universität zu Köln) und Prof. Dr. Selma C. Rudert (RPTU Kaiserslautern-Landau) haben 13 Wissenschaftler*innen aus Deutschland und Österreich den aktuellen Forschungsstand zusammengetragen. Von der FernUniversität in Hagen ist Dr. Laura Froehlich beteiligt, Wissenschaftlerin an der Fakultät für Psychologie und am Forschungszentrum CATALPA.
KI ist kein neutraler Akteur
Die Autor*innen betrachten drei Bereiche: wie Menschen KI wahrnehmen, wie sie mit KI urteilen und entscheiden und wie KI Gruppenprozesse und gesellschaftlichen Zusammenhalt beeinflusst. Ihr Fazit: KI wirkt sozial. Wie sie wirkt, hängt jedoch davon ab, wie sie gestaltet, trainiert und eingesetzt wird.
Stereotype im Fokus
Ein Schwerpunkt das Papiers liegt auf Stereotypen und Diskriminierung. Große Sprachmodelle werden mit von Menschen verfassten Texten trainiert, wodurch sie ohne gezielte Gegenmaßnahmen gesellschaftliche Stereotype und Verzerrungen übernehmen. Dabei geht es zum einen darum, wie Gruppen dargestellt werden und zum anderen, ob sie überhaupt ausreichend vorkommen. Gegenmaßnahmen der Anbieter können wiederum neue Verzerrungen erzeugen. Es kommt also auf die richtigen Maßnahmen an. Das Papier zeigt aber auch Chancen, beispielsweise durch KI-gestützte Kontaktinterventionen, die dabei helfen können, Vorurteile zwischen Gruppen abzubauen.
Hier knüpft die Forschung von Laura Froehlich an. Sie untersucht, wie Stereotype entstehen und wirken und welche Folgen sie für Gesellschaft und Lernen haben. Wenn KI zunehmend in Lern- und Bildungskontexten eingesetzt wird, gewinnen diese Fragen an Bedeutung: Welche Bilder von sozialen Gruppen vermitteln KI-Systeme, und wie wirken sie sich auf Lernende aus?
Foto: Hardy Welsch
In der Forschung über Stereotypenbedrohung werden wir KI zukünftig nutzen, um Vorurteile abzubauen und Zusammenarbeit zu stärken. Bei kollaborativen Schreibaufgaben beispielsweise kann KI Probleme in der Zusammenarbeit detektieren. Wir untersuchen, wie das zuverlässig funktioniert, und welche Maßnahmen durch die KI Gruppen am besten Unterstützen können.
PD Dr. Laura Froehlich
Empfehlungen und offene Fragen
Aus den Befunden leiten die Autor*innen konkrete Empfehlungen ab. KI soll menschliche Beziehungen nicht ersetzen, sondern ergänzen und Entscheidungen unterstützen, die am Ende aber immer vom Mensch getroffen werden sollten. Vor ihrem Einsatz sollte sie außerdem auf Verzerrungen und Diskriminierung geprüft werden und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Die Autor*innen fordern zudem, sozialpsychologische Expertise stärker in Gremien zur Regulierung und Gestaltung von KI einzubeziehen.
Gleichzeitig sehen sie großen Forschungsbedarf, vor allem bei den psychologischen Mechanismen und der Theoriebildung. Diese sechs Fragen halten sie für zentral:
- Welche Mechanismen führen dazu, dass Menschen sich von anderen Menschen ab- und KI zuwenden?
- Unter welchen Bedingungen wirkt sich KI förderlich auf menschliche Interaktionen aus, und unter welchen ist sie schädlich?
- Welche Mechanismen beeinflussen, wie sehr Menschen KI vertrauen, und inwieweit stimmen diese mit den tatsächlich relevanten Faktoren überein?
- Unter welchen Bedingungen kann KI Stereotype und gruppenbezogene Diskriminierung abschwächen?
- Unter welchen Bedingungen stärkt oder schwächt KI das Vertrauen in Institutionen, das soziale Kapital und die kollektive Selbstwirksamkeit?
- Wie wirken KI-bezogene psychologische Bedrohungsprozesse auf soziale Interaktion und soziales Kapital, und wie lassen sich diese Dynamiken so lenken, dass sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken?
Um diese Fragen zu beantworten, sollte die Sozialpsychologie nach Ansicht der Autor*innen über kleinteilige Analysen in engen Paradigmen hinausgehen und größere gesellschaftliche Zusammenhänge untersuchen. Dafür empfehlen sie die Zusammenarbeit mit Soziologie, Rechtswissenschaft, Informatik, Kommunikationswissenschaft und Ökonomie sowie mit anderen Fachgruppen der Psychologie.
Zur Publikation
- Glöckner, A., Diller, S. J., Froehlich, L., Kinskofer, F., Knab, N., Köbis, N., Lermer, E., Oeberst, A., Siem, B., Ventura, A., Watermann, L., Yarza Navarro-Schär, V. G. & Rudert, S. C. (2026). Künstliche Intelligenz als soziotechnisches System. Eine Perspektive der Fachgruppe Sozialpsychologie. Psychologische Rundschau, 77(4), 216–224. https://doi.org/10.1026/0033-3042/a000780
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