Internationale Wochen gegen Rassismus

100 % Menschenwürde – Zusammen gegen Rassismus – »Misch Dich ein«

Plakat Internationale Wochen gegen Rassismus in Hagen Abbildung: Stadt Hagen

Das ist das Motto der diesjährigen Inter­na­tio­na­len Wochen gegen Rassismus.
Seit vielen Jahren bieten die von den Verein­ten Nationen initiierten »Interna­tionalen Wochen gegen Rassismus« eine Ge­le­gen­heit, das viel­fäl­tige Enga­gement gegen Ras­sis­mus und jede Form gruppen­be­zo­ge­ner Menschen­feind­lich­keit öffent­lich­keits­wirksam sichtbar zu machen und damit ein deutliches Zeichen gegen Ausgrenzung, Dis­kri­mi­nie­rung und Hass zu setzen.

Die FernUniversität beteiligt sich an dem Programm der Stadt Hagen bei den Internationalen Wochen gegen Ras­sis­mus mit Ausstellung "Fernes Hagen", einem Interview zu "Rassismus und Hochschule" und einem Politischen Salon.
Die Internationalen Wochen gegen Rassismus finden vom 20. März bis zum 02. April statt.

Zur Webseite der Stadt Hagen und dem Programm

Zum Interview "Rassismus und Hochschule"

  • Anlass für die Aktionswoche ist der 21. März, den die Vereinten Nationen im Jahre 1966 zum alljährlichen "Internationalen Tag zur Überwindung von Rassendiskriminierung" ausriefen. Erinnert wird an diesem Tag an das blutige »Massaker von Sharpeville« in Südafrika. Am 21. März 1960 waren dort tausende Menschen zusammen gekommen, um gegen das Apartheidregime, die ungerechten Passgesetze und für gleiche Rechte zu demonstrieren. Die Polizei schoss in die wehrlose Menge; 69 Menschen, darunter acht Frauen und zehn Kinder, fanden den Tod. Unzählige wurden verwundet, teilweise schwer.
    Fast dreißig Jahre nach dem »Massaker von Sharpeville« war der Kampf gegen das Apartheidregime in Südafrika gewonnen. Die einstigen Revolutionäre des African National Congress (ANC) lösten das Unrechtsregime ab. Nelson Mandela, der ehemalige Staatsfeind Nr. 1, wurde Staatspräsident.

Angebote der FernUniversität

Ausstellungsführung

Kolonialismus vor Ort - Führung in der Universitätsbibliothek der FernUniversität
Die Ausstellung „Fernes Hagen. Kolonialismus und wir“ in der Universitätsbibliothek der FernUniversität in Hagen macht das koloniale Erbe und deren Verflechtungen sichtbar, anhand damaliger Fotos, Bildern, Biografien, Büchern, Wandkarten und vielem mehr.
Zudem wird den Fragen nachgegangen: Was bedeutet überhaupt Kolonialismus? Wer waren die damaligen Akteure? Welche Rolle spielte dabei die Konfisseriekette Husserl, die in Hagen ihren Hauptsitz hat?
Spannende und überraschende Fakten und noch heute sichtbare Spuren des Kolonialismus in der Öffentlichkeit, wie z.B. Straßennamen, werden aufgezeigt und diskutiert.

Dr. Fabian Fechner, der durch die Ausstellung führen wird, und Barbara Schneider aus dem Lehrgebiet Geschichte Europas in der Welt an der FernUniversität, haben die Ausstellung wissenschaftlich konzipiert und gemeinsam mit Dr. Jeanine Tuschling-Langewand von der UB Hagen umgesetzt.
Weitere Informationen zur Ausstellung.

Die Veranstaltung richtet sich an alle Beschäftigten und Studierenden der FernUniversität sowie die interessierte Öffentlichkeit.

Maximal 15 Teilnehmende je Führung; Anmeldung erforderlich!

Nach Anmeldung erhalten Sie eine Bestätigungsmail mit dem jeweiligen Treffpunkt.
(FernUniversitätsangehörige werden gebeten sich mit ihrer FernUnimailadresse anzumelden)

Datum:

21.03.2023 I 11.15 -12.15 Uhr I Universitätsbibliothek der FernUniversität

23.03.2023 I 18.30 -19.30 Uhr I Universitätsbibliothek der FernUniversität

Hinweis zur Barrierefreiheit: es handelt sich um eine ca. einstündige Führung, ohne Sitzgelegenheiten.


Veranstaltung: Politischer Salon Hagen

Neuer Antisemitismus?
Ein Beitrag zu den internationalen Wochen gegen Rassismus

Podiumsteilnehmer/-innen:
PD Dr. Kristin Platt (Forschungsverbund CoVio – Kollektive Gewalt, Ruhr-Universität Bochum & FernUniversität in Hagen)
Hagay Feldheim (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hagen)
Gandhi Chahine (Regisseur, Autor, Sänger und Musiker aus Hagen)
Kerstin Cegledi-Renard (Lehrerin für Deutsch, Geschichte und Religion am Fichte-Gymnasium Hagen)

Moderation:
Jens Helmecke (Journalist)

Datum: 30.03.2023 I 18:00-20:00 Uhr I Theater Hagen

Mehr zur Veranstaltung und Anmeldung

Der Politische Salon Hagen ist eine Veranstaltung der FernUniversität in Hagen in Kooperation mit dem Theater Hagen und dem Emil Schumacher Museum Hagen.


Interview: Rassismus und Hochschule

Ein Interview mit Karima Popal-Akhzarati

Karima Popal-Akhzarati, die an der FernUniversität Hagen unter anderem zum Thema Rassismus forscht, erläutert in dem Interview, warum Rassismus ein Thema an Hochschulen ist, wie der Umgang damit aussehen kann und wo dabei die Herausforderungen liegen.

Frau Popal-Akhzarati, Sie befassen sich mit dem Thema Rassismus und Hochschule. Warum ist es aus ihrer Sicht ein Thema, mit dem sich jede Hochschule befassen sollte bzw. muss?

Hochschulen gehören zu den zentralen Institutionen einer Gesellschaft und spielen eine bedeutsame Rolle, wenn es um gesellschaftliche Transformation geht. Hier entsteht beispielsweise (anerkanntes) Wissen, das auf zahlreichen Ebenen soziale Verhältnisse prägt. Hochschulen sind somit wichtige politische Räume. Sie entscheiden über Zugänge zu hochqualifizierten Arbeitsmärkten und folglich zu gesellschaftlichen Ressourcen. Als Arbeitgeberin beschäftigen deutsche Hochschulen fast 800.000 Personen und bilden jährlich zahlreiche weitere aus. Somit haben Hochschulen eine große Reichweite und damit Verantwortung für die Gestaltung des Zusammenlebens in der Gesellschaft. Um ihrer Verantwortung nachkommen zu können, ist es unabdingbar sich mit Rassismus in den eigenen Strukturen zu befassen und Rassismuskritik in der Gesellschaft zu fördern. Ansonsten laufen sie Gefahr, trotz ihrer Ansprüche von Weltoffenheit, Chancengleichheit und Vielfalt, rassistische Verhältnisse zu (re­)produzieren.

Können Sie uns bitte kurz erläutern: Was ist Rassismus?

Eine wichtige Frage. Denn die Auseinandersetzung mit Rassismus beginnt genau hier. Im Laufe unseres Bildungsweges haben wir keine Räume, in denen wir aktiv lernen, was Rassismus ist und welche Bedeutung und Auswirkungen es auf das eigene Leben hat. So lernen Menschen mit Rassismuserfahrungen „intuitiv“ die Bedeutung von Rassismus. Den meisten Menschen fehlt schlichtweg das Wissen über Rassismus. Da es in Deutschland bislang keine aktive Ausein- andersetzung mit dem Thema gab, existiert ein diffuses „Wissen“ über Rassismus.

Wenn ich Rassismus in einem Satz erklären müsste, würde ich sagen: Rassismus ist ein historisch gewachsenes Machtverhältnis, das die heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse strukturiert.

Mark Terkessidis schreibt über „die Banalität des Rassismus“(2004), weil Rassismus einerseits tatsächlich banal ist: Menschen werden entlang rassistischer Merkmale wie (vermeintlicher) Herkunft, religiöser Zugehörigkeit, Hautfarbe, Migrationsgeschichte, Name und Sprache in ein "Wir" und die "Anderen" eingeteilt. Andererseits ist Rassismus auch komplex, weil er zeitlich und räumlich dynamisch und flexibel ist. So hat sich der biologistische Rassismus des neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahr- hunderts hat sich heute durch neoliberale Tendenzen stark verändert und ist folglich an vielen Stellen subtiler geworden. Auch zeigt sich Rassismus im Fußballstadium in einer anderen Art und Weise als bei der Polizei oder an der Hochschule.

Und wie zeigt sich Rassismus an der Hochschule?

Eine ausführliche Antwort würde unseren Rahmen weitaus überschreiten, aber glücklicherweise gibt mittlerweile einige sehr gute Publikationen dazu, wie z.B. Rassismus an Hochschulen - herausgegeben von Daniela Heitzmann und Kathrin Houda (2019). Darin ist auch ein Beitrag von mir erschienen.
Aber um kurz auf die Frage einzugehen: Rassismus an der Hochschule kann aus vielen unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden, je nachdem, aus welchem Blickwinkel die Hochschule analysiert wird. Zum Beispiel kann sich Rassismus in der Personalpolitik zeigen: Wie werden Professuren und wie Qualifizierungsstellen besetzt? Wie viele Personen of Color sind als Lehrende tätig? Wer arbeitet in welchen weiteren Hochschulbereichen und übernimmt welche Arbeit (beispielsweise in der Mensa oder als Reinigungskraft)? Oder wir schauen uns Bedingungen der Wissensproduktion aus rassismuskritischer Perspektive an: Welches Wissen ist warum anerkannt und welches nicht? Wer spricht, wer lehrt bzw. forscht – über wen, mit wem? Welche Inhalte werden vermittelt und sind Gegenstand von Forschung und welche nicht? Es bestehen beispielsweise bis heute keine institutionalisierten Formen der Wissensproduktion oder -vermittlung über Rassismus oder andere gesellschaftliche Machtverhältnisse.
Und nach diesem Prinzip müssten m.E. alle Bereiche der Hochschule rassismuskritisch reflektiert werden.

Was sind die größten Herausforderungen und Mythen, denen Sie in der rassismuskritischen Arbeit an Universitäten begegnen?

Die größte Herausforderung ist meiner Meinung nach das Sprechen über und von Rassismus an Hochschulen. Das Thema Rassismus an Hochschulen findet erst seit Neuestem Eingang an Hochschulen und dabei mahlen die Mühlen langsam (wie der Titel eines TAZ Artikels [1] zum Thema lautet). Rassismus ist ein Thema, über das nicht gerne gesprochen wird – auch nicht an der Hochschule, obwohl Rassismus eine Normalität ist. Dies gilt es im ersten Schritt zu verstehen und anzuerkennen: wir leben in rassistischen Verhältnissen und wir müssen anfangen das Problem beim Namen zu nennen.
Stattdessen existieren an Hochschulen viele „Umwege“, um nicht von Rassismus zu sprechen. Und hier spielen die Narrative von Diversität, Weltoffenheit, Chancengleichheit und Vielfalt eine zentrale Rolle, die es kritisch zu reflektieren gilt.

Auf der einen Seite sind Hochschulen bestrebt, Chancengleichheit, Weltoffenheit und Anerkennung von Vielfalt herzustellen. Andererseits scheint die Thematisierung von Rassismus an Hochschulen also ein Blinder Fleck zu sein?

Spannend ist die Frage nach dem Zusammenhang dieser beiden Aspekte: Wie können die Bestrebungen nach Diversität und Co. dazu führen, dass Rassismus an Hochschulen ein „Blinder Fleck“ wird?
Hier kommen wir wieder auf die (strukturelle) Dethematisierung von Rassismus zurück. Chancengleichheit, Vielfalt und Weltoffenheit sind positive Attribute, mit denen Hochschulen assoziiert werden möchten. Rassismus hingegen ist insbesondere in Deutschland historisch belastet, weshalb er konsequent umgangen wird und stattdessen „Ersatzdiskussionen“ geführt werden. Astrid Messerschmidt arbeitet sogenannte „Distanzierungsmuster“
[2] in der deutschen Gesellschaft heraus, mithilfe derer die Realität von Rassismus negiert oder relativiert wird. Diese Umgangsweisen können auf den universitären Kontext übertragen werden. Auch hier wird anstelle einer proaktiven Auseinandersetzung mit Rassismus als institutionelles und gesamt- gesellschaftliches Problem, mithilfe der o.g. Narrative Ersatzdiskussionen geführt. Auf diese Weise können Ansätze zu Internationalität, Diversität, Vielfalt usw. – ohne kritische Reflexion - zum Teil des Problems werden, indem sie dazu beitragen, Rassismus in Institutionen zu verschleiern und Debatten zu verschieben.
Zur Problematik der Dethematisierung von Rassismus an Hochschulen erscheint demnächst ein Artikel von mir, in dem ich mehr ins Detail gehe [3].

Welche Handlungsansätze haben Sie zur Etablierung von Rassismuskritik an Hochschulen?

Zum einen arbeite ich thematisch in meiner Doktorarbeit (Arbeitstitel: „Hochschulen in der Migrationsgesellschaft“), da es m.E. wichtig ist, die Nuancen von Rassismus zu verstehen und herauszuarbeiten. Diese zeigen sich an Hochschulen auf besonderer Weise, weil sie als Orte der Aufklärung und Offenheit gelten und es deshalb auf den ersten Blick wie ein Paradox wirkt. Zum anderen versuche ich über verschiedene Möglichkeiten das Wissen und die Erkenntnisse meiner Arbeit zu teilen: ich halte Vorträge, mache Workshops und Coachings mit Diversity- und Gleichstellungsbüros zu Rassismuskritik und schreibe Artikel. Viele Personen mit meiner Arbeit zu erreichen, sehe ich als eine Möglichkeit, um eine nachhaltige Veränderung unserer gesellschaftlichen Verhältnisse herbeizuführen.

Literatur:

[1] https://taz.de/Rassismus-an-Hochschulen/!5735538/

[2] Messerschmidt, Astrid (2010): Distanzierungsmuster. Vier Praktiken im Umgang mit Rassismus. In: Broden, Anne/ Mecheril, Paul (Hg.): Rassismus bildet: Bildungswissenschaftliche Beiträge zu Normalisierung und Subjektivierung in der Migrationsgesellschaft. Bielefeld, S. 41–57.

[3] Popal-Akhzarati, Karima (voraus. 2023): Zur Thematisierung von (institutionellem) Rassismus im Hochschulsystem. In: Leinfellner, S., Thole, F., Simon, S. & Sehmer, J. (Hrsg.): Bedingungen der Wissensproduktion zwischen Qualifizierung, Selbstoptimierung und Prekarisierung. Opladen: Barbara Budrich.

Zur Person

Foto von Karima Popal-Akhzarati Foto: Hardy Welsch

Karima Popal-Akhzarati promoviert derzeit zu "Hochschulen in der Migrationsgesellschaft" an der FernUniversität in Hagen. Zu ihren politischen und wissenschaftlichen Schwerpunkten gehören Rassismustheorie und -forschung, Kritische Migrationsforschung, Kritisches Weißsein und intersektionale Ungleichheitsverhältnisse.
Zur Personenseite von Karima Popal-Akhzarati


Unterstützung an der FernUniversität

Information und Beratung der Antidiskriminierungsbeauftragten der FernUniversität
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Seit dem 01.März 23 hat die FernUniversität eine Richtlinie zum Schutz vor Diskriminierung und sexualisierter Gewalt
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Literaturliste zum Thema Rassismus (in der UB verfügbar)
zur Liste (PDF 415 KB)


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Hochschulen verstehen sich als Ort der Wissensvermittlung, des Lernens und Forschens. Hier sollte kein Platz für Diskriminierung und Rassismus sein. Doch der Alltagsrassismus in allen Teilen der Gesellschaft findet sich auch an den Hochschulen wieder.
Ebenso sind Rassismus und Diskriminierung fächerübergreifende Forschungsfelder und aktueller denn je.
Gute Gründe, um sich mit den Themen näher zu beschäftigen.

Chancengerechtigkeit | 14.11.2023