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From Vision to Impact: Abschied für Prof. Dr. Dr. Friedrich W. Hesse

[09.10.2026]

Mit einem Symposium verabschiedete das Forschungszentrum CATALPA seinen Gründungsdirektor und blickte in die Zukunft.


Podiumsdiskussion mit Manfred Bayer, Friedrich Hesse und Marcus Specht Foto: CATALPA
Intensive Diskussion auf dem Podium: Prof. Dr. Manfred Bayer (Rektor TU Dortmund), Prof. Dr. Dr. Friedrich W. Hesse (Gründungsdirektor CATALPA) und Prof. Dr. Marcus Specht (Wissenschaftlicher Direktor CATALPA), v.l.

Dabei nahm das CATALPA-Team die Festgäste mit auf eine Zeitreise: Angefangen von der ersten Idee zu einem interdisziplinären Forschungsschwerpunkt, der sich mit Digitalisierung, Diversität und lebenslangem Lernen befassen sollte. Bis hin zum Heute, mit einem klar umrissenen Ziel: „CATALPA erforscht und gestaltet Bildungstechnologiefür besseres Lehren und Lernen an Hochschulen“, fasste der Wissenschaftliche Direktor Prof. Dr. Marcus Specht Mission und Vision der Einrichtung zusammen. „Wir sind überzeugt, dass Technologien in der Hochschulbildung Menschen beim vollen Entfalten ihrer Möglichkeiten und ihres Potenzials helfen können. Aber nur, wenn sie wirkungsvoll gestaltet und sinnvoll eingesetzt werden.“

Ina Brandes bescheinigt beeindruckende Entwicklung

Fokus und Forschungsleistung von CATALPA kommen gut an: „Eine beeindruckende Entwicklung“, bescheinigte die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Ina Brandes dem Zentrum in ihrer Videobotschaft. Eine Entwicklung, die Friedrich W. Hesse als langjähriger Wissenschaftlicher Direktor von CATALPA mit Weitsicht und Zielstrebigkeit ganz entscheidend geprägt habe, so FernUni-Rektor Prof. Dr. Stefan Stürmer.

Schon in der Gründungsphase habe er klare Vorstellungen für die Einrichtung gehabt, erzählte Hesse. Geprägt von früheren Erfahrungen an der Carnegie Mellon University habe er Forschende mit Informatik-Expertise mit Psycholog*innen zum Thema Bildungstechnologien zusammenbringen wollen. „Dabei wollte ich Forschung auf allerhöchstem Niveau mit der konkreten Anwendung verbinden.“

Von Anbeginn dabei: CATALPA-Geschäftsführerin Dr. Stephanie Steimann. „Es gab gleich die Vision, dass daraus eine für ganz Deutschland relevante Forschungseinrichtung werden könnte“, erzählte sie. „Denn es war klar, dass es hier an der FernUni beste Bedingungen für die Forschung gibt.“ Digitale Formate in der Lehre, sehr diverse Studierende, große Gruppen in einzelnen Lehrveranstaltungen – und das klare Bekenntnis der Hochschule, sich für eine Forschung im Reallabor-Setting zu öffnen, mit Forschung im echten Lehr-Lern-Betrieb.

Pionierarbeit für das Reallabor

Um das jedoch möglich zu machen, galt es zunächst, technische Rahmenbedingungen zu schaffen, und zwar innerhalb des Learning-Management-Systems Moodle: „Aus informatischer Perspektive war das Pionierarbeit“, berichteten Prof. Dr. Jörg Haake und Dr. Niels Seidel, die zwei der ersten Projekte betreuten. Projekte, die inzwischen bereits 30.000 Studierende durchlaufen haben. Haake und Seidel bauten beispielsweise eine Infrastruktur auf, in der Studierende gemeinsam an Texten arbeiten können. Bei der Zusammenarbeit hinterlassen sie Datenspuren, die Forschenden Rückschlüsse zur verschiedenen Forschungsfragen ermöglichen. „Dadurch lässt sich zum Beispiel die Kooperation der Studierenden analysieren“, erläuterte Sozialpsychologin PD Dr. Laura Froehlich.

Friedrich HesseFoto: Henrik Schipper

Zur Person

Von 2020 bis 2025 war Prof. Dr. Dr. Friedrich W. Hesse Wissenschaftlicher Direktor des Forschungszentrums CATALPA, davor und danach stand er dem Zentrum als Gründungsdirektor beratend zur Seite. Beim Aufbau der Einrichtung orientierte sich Hesse an Leibniz-Strukturen. Bereits 2001 hatte er das Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) gegründet, außerdem war er von 2010 bis 2018 Wissenschaftlicher Vizepräsident der Leibniz-Gemeinschaft.

Interdisziplinäre Forschung als Pluspunkt

Durchgängig wird bei CATALPA interdisziplinär geforscht. Ein großer Pluspunkt, erklärten die drei CATALPA-Forschungsprofessor*innen Prof. Dr. Torsten Zesch, Jun.-Prof. Dr. Ioana Jivet und Prof. Dr. Marcus Specht einmütig. „Selbst ich als Informatiker und Computerlinguist habe irgendwann erkannt: Technologie allein reicht nicht, um die Welt zu verändern“, erklärte Zesch augenzwinkernd. Dank der Rahmenbedingungen bei CATALPA „können wir wissenschaftlichen Output transformieren in praktischen Impact.“

Zu diesen Rahmenbedingungen leiste auch die FernUni als Institution einen entscheidenden Beitrag, etwa mit ihrer Learning-Analytics-Ordnung, merkte CATALPA-Beiratsmitglied Prof. Dr. Tamara van Gog von der Universität Utrecht an. Dies schaffe für die Forschenden ein auch aus internationaler Perspektive einzigartiges Ökosystem, Herausforderungen rund um Bildungstechnologien zu begegnen.

KI in der Bildung bleibt herausfordernd

Gerade zum Thema Lehren und Lernen mit KI gebe es noch zu wenig aussagekräftige, theoriebildende Forschung, so Prof. Dr. Katharina Scheiter (Universität Potsdam) in der Podiumsdiskussion: „Hier kann CATALPA einen wichtigen Beitrag leisten.“ Denn das Thema bleibe im universitären Alltag herausfordernd, schilderte Prof. Dr. Manfred Bayer, Vorstandsvorsitzender Digitale Hochschule NRW und Rektor der TU Dortmund. Auch die Auswirkungen von KI auf Gesellschaft und soziale Gefüge seien noch bei weitem nicht ausreichend erforscht, betonte CAIS-Forscherin Prof. Dr. Nikol Rummel.

Neuland statt ausgetretener Pfade

Prof. Dr. Dr. Friedrich W. Hesse habe bei seiner Gründung des Forschungszentrums in jedem Fall Weitblick bewiesen, so Katharina Scheiter und Tamara van Gog in ihrer Laudatio.

Tamara van Gog beim VortragFoto: CATALPA
Prof. Dr. Tamara van Gog

„Er gibt sich nicht damit zufrieden, bewährte Muster zu kopieren – er betritt lieber Neuland und hinterlässt eigene Spuren, als ausgetretene Pfade zu gehen“, meinte Scheiter. Aber, ergänzte van Gog, „er weiß auch immer, wann man den Staffelstab weitergeben sollte.“

Das habe auch die Nachfolge-Regelung bei CATALPA gezeigt: Bereits langfristig hatte Hesse geplant, das frühere Beiratsmitglied Marcus Specht zunächst für eine Forschungsprofessur, dann ab 2026 für seine Nachfolge als Wissenschaftlicher Direktor zu gewinnen. Den Übergang gestalteten Hesse und Specht bis zum Abschiedssymposium Hand in Hand.

„Gute weitere Entwicklung“

„Jetzt bleibt mir nur noch, CATALPA eine gute weitere Entwicklung zu wünschen“, meinte Hesse abschließend. „Aber dafür stehen die Chancen wirklich gut.“

 
Christina Lüdeke | 09.10.2026