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Wie verändert Künstliche Intelligenz die Hochschule als Organisation?
[02.07.2026]Generative KI hat in kürzester Zeit Hörsäle, Seminare und Verwaltungsbüros erreicht – doch was macht das eigentlich mit der Hochschule als Ganzes? Genau dieser Frage geht das CATALPA-Forschungsprojekt AIM-HE nach. Dr. Len-Ole Schäfer und Tiana Tschache geben Einblicke ins Projekt.
Foto: Hardy Welsch
Im Zentrum von AIM-HE (Künstliche Intelligenz: Mehrebenen-Untersuchungen in der Hochschule) steht nicht die einzelne KI-Anwendung, sondern das Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen einer Hochschule: von der einzelnen Lehrperson bis zur Hochschulleitung.
Soziologische Fragen zu KI
„Mit AIM-HE widmen wir uns dem Einsatz von KI-Technologien an Hochschulen aus organisationssoziologischer Sicht", erklärt Projektleiter Dr. Len Ole Schäfer. Die zentrale Frage: Wie hängen die einzelnen Ebenen einer Hochschule beim Einsatz von KI zusammen? Welche Rolle spielen Leitungsebenen, Führung sowie formelle und informelle Strukturen – und welchen Einfluss haben Motivationen, Kooperationen mit anderen Hochschulen oder die Eigenschaften der KI-Technologien selbst?
Die Wurzeln des Projekts liegen in einer Grundsatzfrage der Soziologie: dem Verhältnis der Mikro- und Makroebene, also von Individuum und Struktur. „AIM-HE fragt danach, wie diese zusammenhängen. Hierbei nimmt die Hochschule als Organisation eine zentrale Rolle ein", so Schäfer. KI-Technologien eröffnen dabei neue Perspektiven auf diese Fragen – und stellen das Forschungsteam zugleich vor besondere methodische Herausforderungen.
Mehr Soziologie: Gestärkt auf Krisen hervorgehen
Wie schaffen es Hochschulen in Krisenzeiten resilient zu bleiben? Schlüssel ist vor allem die Reflexion. Das geht aus der Forschung aus dem abgeschlossenen Projekt "ORC" von Dr. Len-Ole Schäfer zusammen mit dem Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft hervor. Das Hochschulforum Digitalisierung zeigt aktuell die Erkenntnisse in einem Blog-Beitrag. Mit dem praktischen Learn-and-Do-Kit können Hochschulen sich hier besser aufstellen.
Zum HFD-Beitrag
Literaturarbeit, Konzepte und ein Blick auf KI-Governance
Derzeit befindet sich das Projekt in einer konzeptionellen Phase: Das Team führt Literaturstudien durch und arbeitet an theoretischen Grundlagen zur Governance von Künstlicher Intelligenz an Hochschulen. Ausgangspunkt bleibt, wie der einzelne Mensch und Strukturen miteinander verbunden sind. Erweitert wird dies um die Perspektive der KI – sowohl konzeptionell als auch empirisch.
Das Neue an diesem Ansatz: AIM-HE verknüpft organisationssoziologische Fragestellungen mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz. „Neu ist auch, dass wir KI nicht nur als innovatives Objekt betrachten, welches vor allem in der Lehre eingesetzt wird, sondern auch, wie KI grundlegende organisationale Strukturen auf mehreren Ebenen der Hochschule verändert beziehungsweise verändern kann", betont Schäfer.
Zur Motivation und ethischer Reflexion
Die klassischen soziologischen Fragestellungen, etwa zur Entstehung sozialer Ordnung, zu Stabilität und Emergenz (Auftauchen neuer Eigenschaften), den Ursachen von gesellschaftlicher Ungleichheit, sowie die Frage, wie Normen, Werte und Institutionen menschliches Handeln und damit auch Strukturen prägen, gewinnen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz neue Brisanz. Genau in diesem Spannungsfeld liegt für Len Ole Schäfer und sein Team auch die Motivation für das Projekt. Dabei geht es nicht nur darum, das Potenzial von KI im Hochschulkontext auszuloten, sondern auch darum, die Reflexion über den ethischen Umgang mit der Technologie anzuregen.
Für die Praxis erhoffen sich die Forschenden konkrete Impulse: Hochschulen sollen den Einsatz von KI-Technologien und deren Wechselwirkungen bewusster reflektieren können. Eine zentrale Rolle spielen dabei Planung, Kontrolle, aber auch die Freiräume, die man KI-Technologien einräumt.
Von der Hilfskraft zur Doktorandin: Tiana Tschaches Weg zu CATALPA
Mit im Team ist Tiana Tschache, als Doktorandin bei AIM-HE. Sie kennt CATALPA schon länger und arbeitete bereits als Studentin im Vorgängerprojekt ORC. „Ich habe mich seit dem Beginn meiner Hilfskraftstelle sehr wohl bei CATALPA gefühlt. Die Arbeit in den Projekten OrA und ORC hat mich als junge Wissenschaftlerin sehr geformt und inspiriert." Besonders das wertschätzende Arbeitsklima im Forschungsteam habe ihr von Anfang an gefallen – und letztlich nicht nur das Thema ihrer Masterarbeit inspiriert, sondern auch ihren Entschluss, zu promovieren. „Da stand CATALPA natürlich ganz oben auf meiner Liste."
An AIM-HE reizt sie besonders die thematische Vielseitigkeit und der Fokus auf ein hochaktuelles Thema. „Ich finde es spannend, die Wechselwirkungen zwischen individuellen Einstellungen, organisationalen Strukturen und technologischen Innovationen zu erforschen und zu verstehen, wie Hochschulen als Organisation mit diesen Veränderungen umgehen." Besonders interessiert sie, wie Hochschulen mit Unsicherheit und Wandel umgehen, wie Innovationsprozesse gestaltet werden und welche Rolle unterschiedliche Akteurinnen und Akteure bei der Gestaltung digitaler Transformationen spielen.
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