Der Weg zum flüssigen Deutsch

Menschen mit Migrationshintergrund lernen in Kursen an der FernUniversität Deutsch, im Herbst stehen die Prüfungen an. Alle Lehrkräfte sind Beschäftigte der Hochschule.


Gruppenfoto Foto: FernUniversität
Die Teilnehmenden des B1-Sprachkurses bereiten sich gemeinsam mit ihren Lehrkräften von der FernUniversität Anna Appelhagen und Holger Raeder (li. u. re. außen) auf die im Herbst anstehenden Prüfungen vor.

Anna Appelhagen ist eigentlich Expertin für betriebliche Sozialberatung, doch einmal wöchentlich wird sie zur Deutschlehrerin und unterrichtet eine Klasse von Personen mit Migrationshintergrund. Rund ein Dutzend Beschäftigte der FernUniversität in Hagen tun es ihr gleich und arbeiten zusammen mit Sprachschülerinnen und -schülern aus Afrika, Europa, Asien und Amerika an deren Integration. Bereits seit 2016 bietet die FernUniversität die Kurse gemeinsam mit der Hagener Volkshochschule an, sie stellt für die Zeit des Unterrichts Lehrkräfte aus dem Beschäftigtenkreis frei. Menschen, die aus dem Ausland nach Hagen gekommen sind, lernen hier die Landessprache „von der Pike auf“ – angefangen beim Einstiegsniveau A1 bis zu fließenden Sprachkenntnissen der Stufe B1.

Anna Appelhagens Kurs ist inhaltlich schon sehr weit: Bei den im Herbst anstehenden Prüfungen geht es bereits um das B1-Zertifkat. Die Lernfortschritte der Klasse können sich durchaus sehen lassen – vor allem mit Blick auf die sehr unterschiedlichen Migrationserfahrungen der Sprachschülerinnen und -schüler. „Ich bin stolz darauf, dass die Teilnehmenden hier so gut lernen, denn in ihren Heimatländern konnten sie teilweise keine Schulen besuchen“, betont Appelhagen. Manche Einsteigerinnen und Einsteiger im A1-Kurs können nur unzureichend schreiben. Zudem sind ihre Herkunftsländer und Sprachkenntnisse so vielfältig, dass die Kommunikation untereinander anfänglich oft nur „mit Händen und Füßen“ funktioniert.

„Weiter in Deutschland leben“

Einfach ist das Deutschlernen also nicht, zudem ist der Stoff auf dem Lehrplan sehr verdichtet. Ohne eine ordentliche Portion von Eigeninitiative und Fleiß geht es nicht. Doch die Teilnehmenden stellen sich der Herausforderung mit großer Bereitschaft – ihre persönlichen Ziele fest im Blick. „Ich möchte weiter in Deutschland leben“, sagt Jenny Fernanda Hernandez Sanchez. „Die deutsche Sprache ist aber nicht so leicht. Deshalb besuche ich den Sprachkurs.“ Einige haben konkrete Pläne für die Zukunft. So sagt Tohirjon Shomatov: „Ich besuche den Sprachkurs, weil ich in Deutschland IT-Technik studieren möchte.“ Seine Mitschülerin Romana Makhdum strebt in ihrer neuen Heimat ein Medizinstudium an. Manche der ehemaligen Teilnehmenden haben einen wichtigen Schritt der Integration bereits geschafft und mithilfe der Sprachkenntnisse beruflichen Anschluss gefunden – zum Beispiel in Form eines Ausbildungsplatzes.

Integrationspreis der Stadt Hagen

Anfang des Jahres 2018 würdigte der Hagener Integrationsrat das Engagement der Sprachlehrerinnen und Sprachlehrer der FernUniversität mit dem 3. Integrationspreis. Der damit verbundene Geldbetrag kam der weiteren Unterrichtsarbeit zugute.

Benedikt Reuse | 11.09.2018