Barrierefreie Köpfe – barrierefreie Hochschule

Ein Abbau von Hindernissen für gesundheitlich Eingeschränkte fängt mit der richtigen Haltung an. Der Global Accessibility Awareness Day an der FernUniversität sensibilisierte für das Thema.


Wiebke Müller beim Vortragen
Wiebke Müller war eigens aus Berlin angereist, um von ihrer früheren Arbeit als Web Accesibility Consultant an der San Francisco State University zu berichten. (Foto: FernUniversität, Pressestelle)

„Wir haben uns bemüht, nicht den Menschen mit Behinderung als Problem zu sehen, sondern die Umwelt“, urteilt Wiebke Müller im Rückblick. Die ehemalige Mitarbeiterin an der kalifornischen San Francisco State University war eine der Vortragenden auf dem Global Accessibility Awareness Day 2017 an der FernUniversität in Hagen. Die Hochschule beteiligte sich wie im Vorjahr mit einem eigenen Programm am weltweiten Aktionstag zum Thema „Digitale Barrierefreiheit“ für Menschen mit gesundheitlicher Einschränkung.

Land unbegrenzter Möglichkeiten?

Wiebke Müller war acht Jahre lang als Web Accessibility Consultant in Kalifornien tätig. Zeitweise arbeitete sie in ihrer Abteilung gemeinsam mit drei Mitarbeitenden und bis zu zwölf studentischen Hilfskräften am Angebot für gesundheitlich Eingeschränkte. Das sogenannte Disability Programs and Resource Center kümmerte sich dabei nicht nur um Web-Fragen, sondern versuchte, die Zugänglichkeit in allen Bereichen des universitären Lebens zu gewährleisten: angefangen bei barrierefreien Wohnungen auf dem Campus über spezielle „Service-Dogs“ für Sehbeeinträchtigte bis hin zu duftstofffreien Büros für Allergiekranke.

Müller betonte jedoch auch, dass die konsequente Umsetzung von Barrierefreiheit in den USA mit der ungleich höheren Bereitschaft von Betroffenen zusammenhänge, gerichtlich gegen Benachteiligungen vorzugehen. Wer klage, habe gute Erfolgsaussichten: Die rechtliche Lage erlaube keinerlei Art von Diskriminierung. Infolge von Prozessen entstünden so teils enorme Kosten für die amerikanischen Universitäten, erklärte die Expertin.

Prorektor Prof. Kubis am Rednerpult
Prorektor Prof. Kubis richtete ein Grußwort an die Gäste des Aktionstags. (Foto: FernUniversität, Pressestelle)

Künftige Herausforderungen

Zuvor hatte der Prorektor für Studium und Diversität Prof. Dr. Sebastian Kubis die zwei Schwerpunkte des Entwicklungsfelds „Inklusion“ an der FernUniversität benannt: Die Nutzung von Nachteilsausgleichen und die institutionelle Verankerung von Barrierefreiheit. Künftig müsse noch stärker auf bestehende Angebote hingewiesen werden, sagte der Jurist: „Wir sind als Hochschule in der Gesamtheit gefordert, Studierende besser über ihre Möglichkeiten zu Nachteilsausgleichen zu informieren.“

„Auch auf der rechtlichen Seite kommen neue Herausforderungen auf die FernUni zu“, reflektierte Prof. Kubis die Lage. Angesichts einer bald in Kraft tretenden EU-Richtlinie, die den barrierefreien Webauftritt vorschreibt, sollte man Inklusionspläne möglichst zeitnah in die Tat umsetzen. Der Prorektor erinnerte die Gäste in diesem Zusammenhang auch an das 2015 gestartete Diversitätsaudit, das sich mittlerweile seinem Ende zuneigt. Jetzt gehe es darum, die dort erarbeiteten Ideen wirksam zu realisieren – ohne jedoch die Beschäftigten der Hochschule mit dem Thema alleine zu lassen.

Weitere Anregungen brachte der Vortrag von Dr. Maike Gattermann-Kasper, die die Belange von Studierenden mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten an der Universität Hamburg koordiniert. Außerdem informierte ein Stand des „kombabb“-Kompetenzzentrums NRW über Fragen rund um das Studium mit gesundheitlicher Einschränkung.

Benedikt Reuse | 26.05.2017