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Aktuelles - Juli 2017

„Digital Humanities“ ein weites Forschungsfeld

„Unsere Fachtagung mit dem Fokus auf biografische Forschung konnte den ein wenig wolkigen, allumfassenden Begriff der ‚Digital Humanities‘ mit interessanten Beispielen aus der Praxis verdeutlichen.“ Das ist für die Historikerin Dr. Eva Ochs eines der positiven Ergebnisse der von ihr organisierten Veranstaltung, die 35 Teilnehmende an die FernUniversität in Hagen führte. Unter dem Titel „Digital Humanities und biographische Forschung“ wurde die Interdisziplinarität der „digitalen Geisteswissenschaften“ ebenso deutlich wie erste Ansätze zu einer weiteren Vernetzung von biografischen Forschungseinrichtungen, die auf verschiedenste Weise vom „Digital Turn“ profitieren. Veranstalter war das Hagener Institut für Geschichte und Biografie.

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Prodekan Prof. Jürgen G. Nagel (2.v.li.), Institutsdirektor Prof. Arthur Schlegelmilch (li.) und Organisatorin Eva Ochs begrüßten die Teilnehmenden. (Foto: FernUniversität, Pressestelle)

Mit seinem Archiv „Deutsches Gedächtnis“ verfügt es über eine bedeutende Sammlung an biografischen Quellen, die demnächst in einem Online-Archiv zugänglich gemacht werden. Von großer Bedeutung ist dabei eine beträchtliche Anzahl von audio-visuellen Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen. Über verschiedene Forschungsprojekte ist das Archiv unter der Leitung von Dr. Almut Leh mit anderen Institutionen verbunden, die eine digitale Bereitstellung und Erfassung der Interviews erarbeiten. Auch hier waren die „Digital Humanities“ bereits ganz konkret geworden.

Bei der Tagung konnten nun Vertreterinnen und Vertreter der Geschichtswissenschaft, der Soziologie, der Medien- und Bildungswissenschaft und der Informatik verschiedene zentrale Fragen anhand konkreter Beispiele aus der Praxis erörtern: Welche Bedeutung hat der „Digital Turn“ in den Geistes- und Kulturwissenschaften konkret für die historische Forschungspraxis? Revolutionieren die Methoden der Digital Humanities den Umgang mit zentralen lebensgeschichtlichen Quellen wie Interviews oder auch handschriftlich verfassten Tagebüchern oder Briefen? Wie sehr vereinfachen die Möglichkeiten der computergestützten Sprach- und Texterkennung die Quellenarbeit wirklich? Kann die Visualisierung komplexer Datenstrukturen tatsächlich neue erkenntnisleitende Ziele und Fragen im Bereich der lebensgeschichtlichen Forschung generieren? In Zeiten eines rapiden technischen Wandels der Formate wirft die Digitalisierung der Quellen auch neue Fragen für die Langzeitarchivierung von biografischen Ton- und Filmdokumenten auf. Eva Ochs: „Das weite Feld der Digital Humanities mit einem Fokus auf die biografische Forschung wurde wirklich konkret gemacht. Deutlich wurde auch, wie gewinnbringend der interdisziplinäre Zugang ist.“

Ein Gewinn war zudem, die Archive, Dokumentationsstellen, Forschungseinrichtungen und andere Einrichtungen, die sich mit einem Feld der digitalen Biografieforschung beschäftigen, zu einem konkreten Austausch zusammenzubringen. So verstand sich die Tagung auch als Bestandsaufnahme – insbesondere vor dem Hintergrund, dass die audio-visuellen Quellen der biografischen Forschung wie gefilmte Interviews von Zeitzeugen und Zeitzeuginnen von zentralen Institutionen der Digital Humanities im deutschsprachigen Raum bislang noch kaum einbezogen werden. Die Ergebnisse sollen publiziert werden, voraussichtlich in BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen.

Eva Ochs weiter: „Wir sind zuversichtlich, dass die Tagung Auftakt zu einer weiteren Vernetzung der vielfältigen Aktivitäten im Bereich digitaler biografischer Forschung ist, zu der das Institut für Geschichte und Biografie der FernUniversität einen zentralen Beitrag leisten will.“ Diese Hoffnung teilt auch Institutsleiter Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, der die Bedeutung der Digital Humanities in der biografischen Forschung auch in der Lehre weitergeben will: „Wir werden die Ergebnisse der Tagung auch für unsere Präsenzveranstaltungen nutzen.“ Und auch für den Bachelorstudiengang ist ein Kurs in Vorbereitung.

Archiv „Deutsches Gedächtnis“

Gerd Dapprich | 26.07.2017
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