„Mein Laden 55 plus" öffnet seine Türen

Die FernUni baut eine interdisziplinäre Forschungsgruppe auf, um IT-Unterstützung für ältere Menschen im Alltag zu entwickeln. Jetzt startet das Projekt „Mein Laden 55 plus“.


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Projektstart mit Seniorinnen und Senioren: Prof. Jörg M. Haake (2.v.r., vorne) hatte zum Praxistest der App "Mein Laden 55 plus" eingeladen.

Die roten Äpfel aus Südtirol oder die grünen aus Deutschland? An der Fleischtheke den Schweinebraten per Zoom anschauen oder lieber die Rinderrouladen im Sonderangebot? Von zu Hause aus den Einkauf miterleben: In teilnehmenden Supermärkten machen Einkaufswagen mit digitalen Video-Technologien das Einkaufserlebnis für zu Hause gebliebene Seniorinnen und Senioren erlebbar. Die FernUniversität in Hagen baut eine neue, interdisziplinäre Forschungsgruppe auf, um IT-Unterstützung für ältere Menschen im Alltag zu entwickeln. Im Projekt „Mein Laden 55 plus“ wird die Interaktion beim Einkaufen mit Hilfe digitaler Technik erprobt.

Soziale Interaktion beim Online-Einkauf

„Unsere Forschung ist nah dran an den Menschen und wird im Zuge des demografischen Wandels an Relevanz gewinnen“, stellen Prof. Jörg M. Haake (Lehrgebiet Kooperative Systeme) und Projektleiter Dr. Dirk Veiel heraus. „Wir entwickeln Ideen, wie das Online-Einkaufserlebnis für Seniorinnen und Senioren attraktiv gestaltet werden kann und dabei gleichzeitig die soziale Interaktion gestärkt wird.“ Derzeit wird an der FernUniversität ein Labor für das Projekt „Mein Laden 55 plus“ eingerichtet, um die App für Tablets zu erproben.

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Prof. Jörg M. Haake (r.) und Projektleiter Dirk Veiel starten jetzt das Projekt "Mein Laden 55 plus".

Eine Seniorin hat ein Paket Kaffee im Einkaufswagen liegen. Jetzt möchte sie noch Bananen kaufen. „Wie gehe ich vor, wenn das Obst nicht abgepackt ist?“, erkundigt sie sich. Praxistest auf dem Campus in Hagen: Zum Ende des Wintersemesters 2017/2018 waren Seniorinnen und Senioren aus Schwerte sowie dem Rhein-Lahn-Kreis an der FernUniversität zu Gast, um das Einkaufen mit der App zu testen. Dabei tauschten sie sich mit Informatikstudierenden aus, die im Fachpraktikum die Software mitentwickelt haben.

Interdisziplinäre Forschungsgruppe

Ziel der Forschenden aus Informatik, Psychologie und Geragogik ist die Entwicklung kooperativer Assistenzsysteme für mobilitätseingeschränkte Seniorinnen und Senioren. Dabei arbeiten die Lehrgebiete Kooperative Systeme (Prof. Jörg M. Haake), Lebenslanges Lernen (Prof. Uwe Elsholz) und Sozialpsychologie (Prof. Stefan Stürmer) zusammen. Ihre Ergebnisse fließen auch in den neuen Forschungsschwerpunkt „Digitalisierung, Diversität, Lebenslanges Lernen“ der FernUniversität ein.

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Das Projekt „Mein Dorf 55 plus" ist mittlerweile preisgekrönt. Mit „Mein Laden 55 plus" kommt nun eine Erweiterung hinzu.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zahlt sich aus und bringt neue Impulse für „Mein Laden 55 plus“. Denkbar ist etwa der Einsatz des erfolgreichen Study-Buddy-Programms aus der Sozialpsychologie. Im Bachelor-Studiengang Psychologie unterstützen sich Studierende unterschiedlichen Alters, Geschlechts und sozialen Hintergrunds zu Studienbeginn in Arbeitsteams wechselseitig. „Wir würden das Study-Buddy-Programm gern auf unser Projekt übertragen“, erklärt Projektleiter Dirk Veiel. „Das bedeutet: Seniorinnen und Senioren, Einkaufshelferinnen und Einkaufshelfer sowie Studierende könnten sich in einem Dreigestirn unterstützen.“

Erweiterung von „Mein Dorf 55 plus"

„Mein Laden 55 plus“ knüpft an erworbene Kompetenzen im Projekt „Mein Dorf 55 plus“ an. Hier erforscht das Informatikteam um Prof. Haake, wie sich mit Hilfe einer App für Tablets die soziale Vernetzung und gegenseitige Fürsorge von älteren Menschen in dörflichen Regionen verbessern lassen.

Das hat sich bis nach Berlin herumgesprochen. Im November 2017 erhielt „Mein Dorf 55 plus“ den Goldenen Internetpreis „Digital aktiv im Alter“ unter Schirmherrschaft des Innenministeriums. Die „Initiative 55 plus-minus“ im evangelischen Dekanat Nassauer Land war von Beginn an als Partnerin dabei und will auch das Projekt „Mein Laden 55 plus“ unterstützen. Für ihren Sprecher Dieter Zorbach steht beim Campusbesuch in Hagen im Vordergrund: „Die an der FernUni entwickelte Software bringt Seniorinnen und Senioren in Kontakt mit anderen Menschen. Aus Distanz wird Nähe, das ist ein wichtiger Gegenimpuls.“

Carolin Annemüller | 05.03.2018