„Die Kommunikation über Barrierefreiheit ist gestartet!“

Claudia Imhoff kümmert sich um die Belange von Fernstudierenden mit gesundheitlicher Beeinträchtigung. Im Interview spricht sie über den Abbau von Barrieren an der FernUniversität.


Porträtbild von Claudia Imhoff Foto: FernUniversität
Claudia Imhoff

Die Diversität ihrer Studierenden und Beschäftigten ist ein wesentliches Merkmal der FernUniversität in Hagen. Um diese Vielfalt weiterhin zu fördern, baut die Hochschule zusehends Barrieren für Menschen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung ab. Jüngst verabschiedete das Rektorat ein Inklusionskonzept der FernUniversität, das aus dem Diversitäts-Audit „Vielfalt gestalten“ des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft hervorgegangen ist. Im Interview reflektiert Claudia Imhoff als Hochschulbeauftragte für Studierende mit Behinderung und/ oder chronischer Erkrankung die neusten Entwicklungen an der Hochschule. Zuletzt zählte der FernUni-Beitrag zum weltweiten Aktionstag Global Accessibility Awareness Day (GAAD) zu den wichtigen Projekten, an denen Imhoff federführend beteiligt war.


FernUniversität: Im Mai hat sich die FernUniversität wieder mit Vorträgen und Workshops am GAAD beteiligt. Was waren die wesentlichen Erkenntnisse beim Aktionstag?

Claudia Imhoff: Durch den GAAD ist ins Bewusstsein gerückt, dass es in Sachen Barrierefreiheit auch weiterhin viel zu tun gibt. Die Veranstaltung hatte zwei Schwerpunkte: Erstens ging es um Wissenschaftliche Beschäftigte mit gesundheitlicher Beeinträchtigung. Gerade schwerstbehinderte Menschen stoßen während ihrer akademischen Laufbahn noch immer an Grenzen – auch finanzieller Art. Zum Beispiel hört nach der Promotion in der Regel die öffentliche Förderung auf. Wer danach weitermachen möchte, steht ziemlich im Regen. Zudem bestehen oft Ängste bei den Arbeitgebenden. Da sind auch noch Barrieren in den Köpfen! Zweitens habe wir als FernUni-Beschäftigte gesehen, dass die Barrierefreiheit im Web ein ‚Riesenpaket‘ ist, und wir auch da weiter voneinander lernen müssen. Es ist ein langer Weg, auf dem die Hochschule aber schon ein gutes Stück vorangekommen ist.

Was hat sich denn im Sinne der Barrierefreiheit an der FernUniversität bereits verbessert?

Der Web-Relaunch im vergangenen Jahr war ein Anfang, unser Online-Angebot barriereärmer zu gestalten. Dabei liegen viele Verbesserungen in der tieferen Struktur: Zum Beispiel können ‚Screenreader‘ für Sehbehinderte die Seiten nun leichter lesen. Gehörlose Studierende profitieren mittlerweile davon, dass Video-Vorlesungen untertitelt werden. Lehrende können ihre PDFs inzwischen auf Barrierefreiheit hin prüfen lassen. Bei Bedarf organisieren wir auch Gebärden-Dolmetschende für Pflichtveranstaltungen. Mit dem neuen Campus-Leitsystem sind wir weitere Schritte gegangen, um bauliche Hindernisse auf dem FernUni-Gelände zu beseitigen. Außerdem ist aus dem Diversitäts-Audit an der Hochschule ein Inklusionskonzept hervorgegangen. Das ist zunächst nur ein Stück Papier, das noch umgesetzt werden muss. Allerdings haben dafür viele Leute aus verschiedenen Bereichen der Hochschule zusammengesessen und zum ersten Mal gemeinsam über Barrierefreiheit diskutiert. Durch das Audit und den GAAD ist die Kommunikation wirklich gestartet! Das finde ich sehr positiv. Lehrende kommen jetzt vermehrt auf mich zu und stellen Fragen oder benennen offen ihre Ängste, die dann gemeinsam abgebaut werden.

Kontakt

Sie erreichen Claudia Imhoff per Mail oder telefonisch unter der +49 2331 987 1527.

Welche Hilfen gibt es für Fernstudierende mit gesundheitlicher Beeinträchtigung?

Unser Hauptinstrument ist der Nachteilsausgleich, der dafür sorgt, dass behinderte Studierende gleichberechtigt an Prüfungen teilnehmen können. Zum Beispiel werden diese an gesonderten Klausurorten in der Nähe abgehalten, wenn jemand in seiner Mobilität eingeschränkt ist. Oder die Prüfungsunterlagen werden für Blinde angepasst. Gesundheitlich beeinträchtigte Studierende können sich mit ihren Problemen immer gerne an mich oder direkt an die Prüfungsämter der Fakultäten wenden.

Benedikt Reuse | 05.06.2018