„Nummer 8“ ausgezeichnet

Am 16. Oktober wurde das AVZ-Gebäude der FernUniversität von der Landesinitiative StadtBauKultur NRW 2020 und der TU Dortmund als „Big Beautiful Building“ ausgezeichnet.


Ein großes Gebäude mit einem Baum davor Foto: FernUniversität
"Big" und "beautiful": das AVZ-"Building" der FernUniversität

Gebäude 8, Universitätsstr. 21, 58097 Hagen: Das ist die Adresse des ersten „Big Beautiful Buildings“ der FernUniversität. Am 16. Oktober wurde ihr Allgemeines Verfügungszentrum (AVZ) von der Landesinitiative StadtBauKultur NRW 2020 und der Technischen Universität Dortmund mit diesem Label ausgezeichnet.

Die Jahre von 1950 bis etwa 1975 waren im Ruhrgebiet, aber auch in vielen anderen Städten und Regionen Europas eine Zeit des Aufschwungs, geprägt durch Innovationsgeist und Experimentierfreude. Überall entstanden moderne Schulen, Universitäten und Rathäuser, Kirchen, Kaufhäuser und Wohnsiedlungen. Das Projekt „Big Beautiful Buildings – Als die Zukunft gebaut wurde“ (BBB) lädt dazu ein, diese Bauwerke wiederzuentdecken. Es wurde von der Initiative Stadtbaukultur mit verschiedenen Sponsoren zum Kulturerbejahr 2018 ins Leben gerufen und würdigt Gebäude aus der Zeit des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders. Auswahlkriterien sind Bauweise und Ästhetik, aber auch Ideen und Innovationen, für die sie stehen.

Drei Frauen und ein Mann stehen nebeneinander und halten gemeinsam eine gelbe Skulptur in den Händen. Foto: FernUniversität
FernUni-Kanzlerin Regina Zdebel (li.) freute sich mit BLB-NRW-Geschäftsführerin Gabriele Willems (2.v.li.) und Helmut Heitkamp (Niederlassungsleiter BLB Dortmund) über die Auszeichnung, die von Prof. Christa Reicher übergeben wurde.

Symbol für eine Idee

Dies trifft auf das AVZ in besonderem Maß zu: Mit ihm begann 1980 die Bebauung einer grünen Wiese, die heute der Campus der FernUniversität ist. Das AVZ ist damit ein Symbol für die Idee vom universitären Fernstudium in Deutschland. Als einzige deutsche Fernuniversität vertritt die Hagener Hochschule diese Idee. Und das mit großem Erfolg, denn sie ist heute die mit Abstand größte Universität in der Bundesrepublik.

Insofern wurde die „Nummer 8“ auch stellvertretend für die „Nummer 1“ ausgezeichnet.

„Das AVZ steht exemplarisch für den Beginn der FernUniversität, als Keimzelle für das Lebenslange Lernen, das für die FernUni von Anfang an als zentrale Mission gilt“, stellte FernUni-Kanzlerin Regina Zdebel bei der Begrüßung der Teilnehmenden bei der Preisübergabe fest, „deshalb fügt sich die Auszeichnung wunderbar ein in die Initiative ‚Big Beautiful Buildings‘, die wegweisende Pionierbauten würdigt.“ In der damaligen Zeit waren Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft unvergleichlich innovativ. Politischer Wandel, soziale Utopien und Experimentierfreude kennzeichneten sie, erläuterte die Kanzlerin den Vertreterinnen und Vertretern des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW (BLB NRW) und der Kampagne „Big Beautiful Buildings“. Auch die Rechtswissenschaftliche Fakultät, das Zentrum für Medien und IT, die Universitätsbibliothek und die beiden Personalräte der FernUniversität waren vertreten.

Eine Luftaufnahme zeigt ein großes Gebäude alleinestehend auf einer unbeabauten Fläche. Foto: FernUniversität-Archiv
Das AVZ als Baustelle im Jahr 1979

Entscheidender Schritt

War die junge FernUniversität zunächst (und noch viele Jahre) auf mehr als 20 Standorte in Hagen und darüber hinaus verteilt, so fiel am 10. September 1976 mit dem ersten Spatenstich der Startschuss für die Konzentration auf dem Campus: Das AVZ mit seinen 6.000 Quadratmetern wurde 1980 von NRW-Ministerpräsident Johannes Rau eingeweiht. Für die FernUniversität war dies ein entscheidender Schritt nach vorn. Wissenschaft, Rechenzentrum (heute ZMI) und Universitätsbibliothek fanden hier Räume und technische Ausstattung. Im Lauf der Zeit entstanden weitere Gebäude, die unterschiedliche Baustil-Epochen widerspiegeln.

Neuer Aufbruch, neuer Wandel

Gabriele Willems, die Geschäftsführerin des BLB NRW, ging zunächst auf die Architektur des AVZ ein, das nunmehr ein weiteres „Big Beautiful Building“ im BLB-Portfolio ist: „Trotz seiner Größe kommt es in einer unglaublichen Leichtigkeit daher. Es wirkt eher transparent und weltoffen und es ist zeitlos modern.“ Auch wenn die ursprünglich geplante Erweiterung nicht realisiert wurde, throne es „stolz wie eine Krone“ über den anderen FernUni-Gebäuden: „Und daher erhält es heute den wohlverdienten Ritterschlag.“

Eine Skultur, die dreimal den Buchstaben B in verschiedenen Schreibweisen zeigt. Foto: FernUniversität
Der Preis

Prof. Dr. Christa Reicher (RWTH Aachen) war bis vor kurzem an der TU Dortmund tätig, wo sie zusammen mit der Landesinitiative StadtBauKultur das Projekt initiierte. Viele Gebäude, die für die Jahre 1950 bis 1975 stehen, sind in die Jahre gekommen. Es stellte sich die Frage: „Wie geht man eigentlich um mit den ‚hässlichen Entlein‘ dieser Architekturepoche?“ Bei den Recherchen stellte sich heraus, dass diese Gebäude sehr viel bauliche, aber auch gesellschaftliche Innovation zutage gefördert haben: „Deshalb war es uns sehr wichtig, uns mit den Errungenschaften dieser Epoche auseinanderzusetzen.“ Und es stellte sich heraus, dass viele Institutionen – nicht zuletzt Hochschulen – heute wieder vor Aufbruch und Wandel stehen, so wie damals. „Bei dem ‚Big‘ geht es nicht um physische Größe, sondern um etwas Besonderes – und in diesem Sinn geht es beim Gebäude 8 der FernUniversität ebenfalls um etwas Besonderes!“

Gerd Dapprich | 16.10.2018