Klimaexpertin las Politik die Leviten

Mit einer Vortragsveranstaltung stellte sich der neue FernUni-Forschungsschwerpunkt „Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit“ der Öffentlichkeit vor. Referentin war Prof. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.


Das Sondergutachten des Weltklimarats mit dem dringenden Appell, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, die Braunkohle-Diskussion, der Wirtschaftsnobelpreis 2018 für zwei US-Ökonomen, die unter anderem die Folgen von Wirtschaftswachstum für die Umwelt erforschen: Als hätten „Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit“ Regie geführt, passte zu den aktuellen Meldungen die Vortragsveranstaltung, mit der sich der neue gleichnamige Forschungsschwerpunkt der FernUniversität in Hagen der Öffentlichkeit vorstellte.

Ein Frau spricht stehend zu einem Publikum Foto: FernUniversität
Prof. Claudia Kemfert bei ihrem Vortrag vor 80 Zuhörerinnen und Zuhörern

In der Auftaktveranstaltung am 10. Oktober befasste sich Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) mit den „Wirtschaftlichen Chancen einer klugen Energiewende“. Die Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance leitet die DIW-Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt. Zu ihrem Vortrag kamen 80 Zuhörerinnen und Zuhörer.

Bezugnehmend auf die Mahnung des Weltklimarats unterstrich Prof. Dr. Claudia Kemfert: „Wir haben keine Zeit, höchstens zehn Jahre, dann ist unser CO2-Budget aufgebraucht! Wir müssen den Ausstoß bis 2050 um mindestens 80 Prozent mindern.“ Doch die Emissionen steigen, statt zu sinken.

In vielen Bereichen viel zu tun

Dagegen gibt es, so Kemfert, in ganz vielen Bereichen sehr viel zu tun. Vordringlich sei zum einen ein schneller Ausstieg aus der Braun- und Steinkohleverstromung. Dabei komme NRW eine Schlüsselstellung zu. Die erneuerbaren Energien müssten ausgebaut werden.

„Die Gesellschaft – und nicht die Politik – bringt die Energiewende!“

Prof. Claudia Kemfert

Höchste Priorität habe auch die Verkehrswende: Verkehr müsse verringert, gebündelt und verlagert, die Energieeffizienz gesteigert und regenerative Kraftstoffe entwickelt werden. Am effektivsten sei der batterieelektrische Antrieb. 2050 ist, so die Energieökonomin, ein Treibhausgas-neutraler Verkehr möglich. Doch sei „sauberer“ Strom am höchsten mit Abgaben belastet, die umweltschädlichen Benzin und Diesel viel zu gering. Und: „Viele Vorschriften passen nicht zur Energiewende!“

Durch die Digitalisierung können erneuerbare Energien gefördert werden: „Echtzeitpreise“ fördern versorgungssicheren umweltfreundlichen Strom, eine kluge Steuerung von Angebot und Nachfrage wird möglich, Dezentralität und Intelligenz steigen. Kemfert: „Die Energiewende schafft enorme wirtschaftliche Chancen!“

Zwei Frauen und ein Mann stehen nebeneinander. Foto: FernUniversität
FernUni-Rektorin Prof. Ada Pellert (re.) und Prof. Alfred Endres (Koordinator des Forschungsschwerpunktes) freuten sich, dass Prof. Claudia Kemfert zur FernUniversität gekommen war. Die renommierte Energieökonomin lobte deren Engagement bei der Forschung zu Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit sehr.

Weil in vielen Bereichen noch viel mehr Forschung nötig sei, freut sie sich über den neuen FernUni-Forschungsschwerpunkt. Kemfert ist überzeugt: „Die Gesellschaft – und nicht die Politik – bringt die Energiewende!“

Vor, während und nach der Veranstaltung wurden die am Forschungsschwerpunkt beteiligten 28 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen fünf Fakultäten der FernUniversität im Umfeld des Veranstaltungsortes auf einem Monitor mit Fotos und Statements vorgestellt: „Damit bekommen Sie einen Eindruck davon, wie wir uns diesem Thema nähern“, erläuterte die Rektorin der FernUniversität, Prof. Dr. Ada Pellert, in ihrer Begrüßung. Die gesamte Hochschule will die Herausforderungen in diesem gesellschaftlichen Bereich interdisziplinär und engagiert annehmen. „Wir können fast alles“, betonte Prof. Pellert. Es gibt sogar schon zwei Kooperationsprojekte: „Ich bin zuversichtlich, dass es noch viel mehr werden!“

Renommierte Fachleute referieren

Konzeption und Organisation des Forschungsschwerpunktes liegen bei Prof. Dr. Alfred Endres. Er initiierte auch die Ringvorlesung. Die Vortragenden aus der Wissenschaft sind anerkannte Fachleute, die mit dem Publikum nach ihren Referaten ins Gespräch kommen werden.

Auch zu den beiden nächsten Veranstaltungen sind alle Interessierten willkommen, der Eintritt ist frei.

Am Mittwoch, 5.Dezember, referiert Prof. Dr. Michael Schreckenberg (Universität Duisburg-Essen) über „Die Zukunft der Mobilität – wie wir uns bewegen werden“. In seinem Vortrag „Mehr Bürgerbeteiligung = mehr Ökologie?“ präsentiert Prof. Dr. Jens Newig (Leuphana Universität Lüneburg) am Mittwoch, 16. Januar 2019, „Ergebnisse der Lüneburger Partizipations-Studie“.

Gerd Dapprich | 16.10.2018