Bundesregierung fördert an der FernUniversität mitentwickelte App für ältere Menschen

Das Leben auf dem Land wird für ältere Menschen mit Hilfe der an der FernUniversität in Hagen mitentwickelten App „Mein Dorf 55 plus“ einfacher. Das hat sich bis nach Berlin rumgesprochen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert die Weiterentwicklung der App in den nächsten zwei Jahren mit 200.000 Euro.


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Gemeinsam erfüllte Lebenszeit gestalten: Das wird mit Hilfe der App „Mein Dorf 55 plus" für ältere Menschen in ländlichen Regionen einfacher.

Die Nachbarn per App um Hilfe beim Einkaufen bitten und das Dorffest mit Hilfe des Tablets planen: Das Leben auf dem Land wird für ältere Menschen mit Hilfe der an der FernUniversität in Hagen mitentwickelten App „Mein Dorf 55 plus“ einfacher. Das hat sich bis nach Berlin rumgesprochen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert die Weiterentwicklung der App in den nächsten zwei Jahren mit 200.000 Euro.

Mit der Initiative „Land-Digital“ unterstützt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Projekte wie „Mein Dorf 55 plus“, die dem Ehrenamt auf dem Land neue Möglichkeiten eröffnen. „Klar ist, dass die Digitalisierung freiwilliges Engagement nicht ersetzen soll. Aber sie kann es – das zeigt die App – sinnvoll begleiten und erleichtern“, sagt Ministerin Julia Klöckner (CDU). „Weite Wege werden überbrückt, Abstimmungen vereinfacht, Akteure miteinander vernetzt.“

Land.Digital

Land.Digital ist ein Modell- und Demonstrationsvorhaben des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung. Mit ihm fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft innovative Projekte: von der ärztlichen Versorgung über Mobilität bis hin zum sozialen Zusammenleben.

Soziale Vernetzung und gegenseitige Fürsorge

Diesen Beitrag der Technologie hat das Lehrgebiet Kooperative Systeme der FernUniversität von Prof. Dr. Jörg M. Haake im Projekt „Mein Dorf 55 plus“ zwei Jahre lang in der Pilot-Region im Rhein-Lahn-Kreis erforscht. Dabei haben die Forschenden gemeinsam mit dem Softwarepartner Patongo, evangelischen Dekanat Nassauer Land und der Initiative 55 plus-minus die Weichen gestellt für eine Verbesserung der sozialen Vernetzung und der gegenseitigen Fürsorge von älteren Menschen.

„Unser Projekt trägt dazu bei, dass Seniorinnen und Senioren gemeinsam erfüllte Lebenszeit gestalten“, erklärt Informatiker und Projektleiter Dr. Dirk Veiel. „In den nächsten zwei Jahren entwickeln wir mit Hilfe der App das soziale und kulturelle Netzwerk für ältere Menschen und die Dorfgemeinschaft weiter.“ Dafür stellen die FernUniversität und die evangelische Kirche zusätzlich zu den Bundesmitteln weitere 100.000 Euro bereit.

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Projektstart mit allen Partnern: Dieter Zorbach (Initiative 55 plus-minus), Uschi Rustler (Seniorenbüro „Die Brücke“), Ulrike Steinsberger-Henkel (Evangelisches Dekanat Nassauer Land), Dr.-Ing. Dirk Veiel (Lehrgebiet Kooperative Systeme, FernUniversität) und Dr.-Ing. Martin Mühlpfordt (Patongo UG (haftungsbeschränkt)).

Räumliche und inhaltliche Ausweitung

Aus „Mein Dorf 55 plus“ wird jetzt „Mein-Rhein-Lahn-Kreis 55 plus“: Neben der räumlichen Ausweitung auf alle rund 60 Dörfer im Kreisgebiet werden die Inhalte vielfältiger, etwa durch die Zusammenarbeit mit dem Seniorenbüro „Die Brücke“ des Rhein-Lahn-Kreises. Eine weitere Herausforderung betrifft rechtliche Fragen, zum Beispiel im Hinblick auf Datenschutz und Providerhaftung. Neben der eigentlichen App wird auch ein Konzept für Bedienung, Schulung und Support erarbeitet. „Alle Aktivitäten sollen zu einer Verstetigung der App im Rhein-Lahn-Kreis führen. Nach und nach möchten wir es auch anderen Regionen in Deutschland ermöglichen, die App einzuführen“, sagt Dr. Dirk Veiel.

Das Interesse ist schon jetzt groß. Das liegt auch daran, dass anders als bei sozialen Netzwerken wie Facebook im Projekt die Bedürfnisse der älteren Menschen im Mittelpunkt stehen. Und die sind völlig anders. Einfache Bedienbarkeit, große und übersichtliche Bedienelemente und eine genaue Kontrolle, mit wem Informationen geteilt werden, sind wichtige Kriterien. „Es geht darum, mit möglichst einfachen Mitteln auf einen engen Kreis von Vertrauten zurückzugreifen“, betont Veiel.

IT-Unterstützung für ältere Menschen im Alltag

An die erworbenen Kompetenzen im Projekt „Mein Dorf 55 plus“ knüpft die FernUniversität mit einer interdisziplinären Forschungsgruppe an. Ziel der Forschenden aus Informatik, Psychologie und Geragogik ist die Entwicklung von IT-Unterstützung für ältere Menschen im Alltag, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Als erstes Einsatzfeld wird im Projekt „Mein Laden 55 plus“ in Kooperation mit Supermärkten die soziale Interaktion beim Einkaufen erprobt. In teilnehmenden Supermärkten soll mit digitalen Video-Technologien das Einkaufserlebnis für zu Hause gebliebene Seniorinnen und Senioren erlebbar werden.

Carolin Annemüller | 02.10.2018