Potenzial der Digitalisierung für die Lehre ausloten

Als Fachmediendidaktiker erprobt Björn Fisseler neue digitale Lehr- und Lernszenarien im Pilotstudiengang B.Sc. Psychologie. Erfolge seiner Arbeit sind bereits vielfach sichtbar.


Portrait Foto: FernUniversität
Björn Fisseler ist Fachmediendidaktiker für den Pilotstudiengang Psychologie.

Die FernUniversität in Hagen erlebt derzeit einen großen Wandel. Auslöserin ist – wie in vielen anderen Bereichen der Gesellschaft – die Digitalisierung. Mit ihr kommen teils einschneidende Veränderungen. Gleichzeitig bringt sie aber auch viele frische Chancen. Diese zum Vorteil der Studierenden zu nutzen, hat sich Dr. Björn Fisseler zum Ziel gesetzt. Als Fachmediendidaktiker arbeitet er an der noch jungen Fakultät für Psychologie, die im Herbst 2018 gegründet wurde. Zuvor war er am Institut für Psychologie tätig.

Den Rahmen seiner Arbeit bildet der Pilotstudiengang B.Sc. Psychologie, in dem Fisseler neue didaktische Ideen erprobt. „Meine Aufgabe ist es, die Lehrenden bei der Umsetzung ihrer eigenen Vorstellungen so gut wie möglich zu unterstützen“, erklärt er. Bei der Umsetzung der Lehr- und Lernszenarien spielt die Kommunikation eine wichtige Rolle: „Ich sehe mich als Vermittlungsinstanz zwischen der Fakultät und dem Zentrum für Medien und IT der FernUniversität.“

Neben Fisseler gibt es an der FernUniversität noch drei weitere Fachmediendidaktiker, die jeweils eigene Pilotstudiengänge betreuen. Als Experten sind sie Teil des Projekts Lehrbetrieb, dessen Team hochschulweit Innovationsprozesse anstößt, um das Lehrangebot Schritt für Schritt zu digitalisieren.

Angebotsvielfalt schaffen

Aus Fisselers Sicht bedingt diese Entwicklung eine Hinwendung zu zeitgemäßen Formaten: „In einigen Modulen löst bereits ‚Moodle-Books‘ den klassischen Studienbrief ab.“ Die Materialien werden also nicht vorrangig als Printprodukte konzipiert, sondern in erster Linie webbasiert aufbereitet. Ein weiterer Digitalisierungsschub in Richtung e-Books ist bereits in Planung. Die Option, die Inhalte als PDF zum Ausdrucken zu erhalten, soll den Lernenden aber erhalten bleiben. „Wir wollen den Studierenden verschiedene Möglichkeiten bieten.“ Das gilt nicht nur für Texte, sondern crossmedial: So ergänzen etwa regelmäßige Vodcast-Formate und gut strukturierte Lehrfilme mit Kapitelmarkern das Lehrmaterial an den richtigen Stellen.

„Ich erlebe die Lehrenden in der Psychologie als sehr offen. Sie haben Interesse daran, ihre Lehre weiterzuentwickeln und neue Dinge auszuprobieren.“

Dr. Björn Fisseler, Fachmediendidaktiker

Dauerhaft aktiveren

Trotz der Angebotsvielfalt bleibt es für die Studierenden fordernd, einen guten Lernrhythmus zu finden. Im Pilotstudiengang Psychologie gibt es daher sogenannte „Prüfungsvorleistungen“: Auf der Lernplattform Moodle fassen die Lernenden unter anderem Fachartikel zusammen, diskutieren miteinander oder nutzen interaktive Elemente. Die Zwischenleistungen bringen sie schon während des Semesters dazu, sich mit dem Stoff auseinanderzusetzen. Somit bleiben sie kontinuierlich dabei und können etwaige Rückstände rechtzeitig aufholen, noch bevor es in die finale Prüfungsphase geht. „In der Vergangenheit hat sich das sehr bewährt!“, verweist der Fachmediendidaktiker auf das positive Feedback aus den Lehrgebieten.

Auch außerhalb von Moodle profitieren die Lernenden vom Zuwachs an Interaktivität: So dient zum Beispiel ein spezieller Server als Umfeld für wissenschaftliche Simulationen. „Einerseits wollen wir die Studierenden dazu aktiveren, stärker untereinander zusammenzuarbeiten. Andererseits möchten wir aber auch eine möglichst gute Betreuung durch die Lehrenden realisieren“, erklärt Fisseler die Idee hinter den digitalen Angeboten.

Hürden abbauen

Zudem ist ihm wichtig, technische Hindernisse für Menschen mit Behinderung weiter zu verringern. Bei der Gestaltung von Lehrmaterialien oder digitaler Kursumgebungen nimmt er daher auf inklusive Aspekte Rücksicht. Fortschritte in Richtung Barrierefreiheit sind bereits spürbar: „Wir lassen zum Beispiel viele Lehrvideos untertiteln und mit Transskripten versehen.“ Weitere Nachbearbeitungen von Filmen sollen folgen. Inzwischen sind die Lehrenden deutlich stärker für das Thema sensibilisiert und planen es zumeist schon von vorneherein ein. „Viele melden direkt bei der Aufnahme im Studio an, dass die Videos untertitelt werden sollen.“

Angesichts der großen Lernbereitschaft und des Pioniergeists an seiner Fakultät blickt der Didaktik-Experte optimistisch in die Zukunft: „Ich erlebe die Lehrenden in der Psychologie als sehr offen. Sie haben Interesse daran, ihre Lehre weiterzuentwickeln und neue Dinge auszuprobieren.“

Benedikt Reuse | 21.05.2019