Thomas Bedorf ist neuer Sprecher im Netzwerk Nachhaltige Wissenschaft

FernUni-Professor Thomas Bedorf setzt sich als einer von vier Sprecher:innen des Netzwerks Nachhaltige Wissenschaft für Jobsicherheit und Durchlässigkeit in den Hochschulen ein.


Web-bedorf-2026 Foto: Volker Wiciok
Engagiert sich als Philosophie-Professor für das NNW: Thomas Bedorf

Befristete Beschäftigung, verfestigte Machtstrukturen und ein harter Wettbewerb um Drittmittel – das Netzwerk Nachhaltige Wissenschaft (NNW) sieht an mehreren Stellen Reformbedarf im deutschen Wissenschaftssystem. Der Zusammenschluss von Professor:innen entstand im Frühjahr 2024 aus der Initiative #ProfsFuerHanna, die sich gegen die geplante Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes wandte. Seither versucht das Netzwerk, seine Argumente in die hochschulpolitische Debatte einzubringen. Seit Oktober gehört Prof. Dr. Thomas Bedorf von der FernUniversität zum vierköpfigen Sprecher:innen-Team des NNW. In Hagen leitet er das Lehrgebiet Philosophie III. „Einerseits wirken wir nach innen. Wir führen den Verband, setzen Themen und entwickeln Positionen“, beschreibt Thomas Bedorf seine neue Rolle als NNW-Sprecher. „Andererseits repräsentieren wir den Verband nach außen – in der medialen und politischen Öffentlichkeit.“

Was will das NNW?

Im Zentrum stehen dabei die Beschäftigungsbedingungen an Hochschulen: Das NNW fordert, dass nach Abschluss der Promotion Dauerstellen für fortwährend anfallende Aufgaben in Forschung und Lehre zum Regelfall werden. Zugleich will es Entscheidungsbefugnisse breiter verteilen und Abhängigkeiten von einzelnen Vorgesetzten verringern. Dazu schlägt das Netzwerk unter anderem unabhängige Beschwerdestellen und eine Trennung von Betreuung, Begutachtung und Personalverantwortung vor.

Auch das Verhältnis von Grundfinanzierung und Drittmitteln bewertet das Netzwerk kritisch. Nach seiner Auffassung bindet die Antragstellung zu viele Ressourcen und verstärkt kurzfristige Beschäftigungs- und Forschungsstrukturen. Als Alternative nennt es eine verlässlichere institutionelle Finanzierung. Wissenschaftliche Qualität soll weniger entlang formaler Kennzahlen und stärker anhand der Inhalte von Forschung, Lehre und Publikationen bewertet werden.

Wissenschaftsfreiheit und Internationalität

Darüber hinaus setzt sich das NNW für niederschwellige Publikationsprozesse und mehr Vielfalt an Hochschulen ein. Auch internationale Wissenschaftler:innen und Studierende sollen nach seinen Vorstellungen stärker unterstützt werden. An die Wissenschaftspolitik richtet das Netzwerk die Forderung, die Erfahrungen und Reformvorschläge aus der akademischen Praxis stärker aufzugreifen. „Unser Netzwerk hat in den letzten zwei Jahren bereits viel Resonanz erhalten“, wertet Bedorf. „Trotzdem wollen wir noch mehr Kolleg:innen aus der Wissenschaft erreichen: Ein Verband hat nur so viel Kraft, wie es seine Mitglieder hergeben.“

Positivbeispiel an der FernUni

Für Verbesserungen braucht es nicht immer große Politik, davon ist Thomas Bedorf überzeugt: „Politische Veränderungen sind oft langwierig und ihr Erfolg ungewiss. Allerdings bestehen innerhalb der eigenen Institution erhebliche Handlungsspielräume, die rechtlich zulässig sind und von jeder Fakultät genutzt werden können.“ Derzeit arbeitet der Philosophie-Professor gemeinsam mit seinen Kolleg:innen an einem besonderen Pilotprojekt: Im Sommer 2025 hat die Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften beschlossen, ihr Institut für Philosophie nach internationalem Vorbild in ein sogenanntes „Department“ umzuwandeln.

„Schon die derzeitige Gesetzeslage lässt das an allen Hochschulen zu“, erklärt Bedorf. Den Zielen des NNW kommt die Department-Struktur sehr entgegen, weil sie bedeutet, dass die Lehrstuhl-Hierarchien zugunsten flacher Hierarchien abgebaut werden und Postdocs mit bestimmten Aufgaben entfristet werden können.

 

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