Politischer Salon über Hagen: „Wir sind alle Teil der Stadtidentität“
Zusammenstehen und einfach machen – auf diese pragmatische Haltung einigten sich viele Gäste des Talkformats. Der Abend im Osthaus Museum rief gemeinsame Stärken ins Gedächtnis.
Foto: FernUniversität
Über die Zukunft Hagens sprechen? Ja bitte! Der Andrang beim Politischen Salon zum Thema „HAGEN: Stadt. Identität. Zukunft.“ war gewaltig, fast 200 Gäste kamen vorbei, das Museumsquartier füllte sich bis zur letzten Stuhlreihe. Regelmäßig lädt die FernUniversität zusammen mit dem Theater Hagen, dem Osthaus Museum und dem Emil Schumacher Museum die Stadtgesellschaft ein, um über gesellschaftsrelevante Fragen zu diskutieren. Wie das Zusammenleben in der Volme-Stadt gestaltet werden soll, das interessierte besonders viele Menschen – auch weil das Thema direkt betrifft. „Wie entwickeln wir ein positives Selbstbild?“, fragte Moderatorin Cordula Aßmann (Radio Hagen) eingangs. „Von welcher Basis können wir ausgehen? Welche Chancen haben wir?“
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Die Perspektiven darauf sind vielfältig, gerade im Facettenreichtum liegt eine große Stärke – da waren sich die Gesprächsgäste schnell einig. „Wir sind alle Teil der Stadtidentität“, bekräftigte Prof. Dr. Stefan Stürmer. „Identität ist etwas, das wir gemeinsam entwickeln.“ Als FernUni-Rektor liegt ihm am Herzen, die Hochschule noch stärker mit der Stadtgesellschaft zu verzahnen. „Die FernUni steht für eine besondere Bildungsidee: die der Durchlässigkeit.“ Bürger:innen können stolz sein auf Hagen als eine „Stadt der Bildung“. Vor allem bei jungen Menschen liegt noch großes Potenzial. Deshalb probiert die FernUni spezifische Angebote aus – wie die SchülerUni, Talkformate für Jugendliche, Feriencamps und vieles mehr. „Einfach mal machen!“, brachte Prof. Stürmer die pragmatische Haltung der FernUni auf den Punkt.
Ermutigende Worte fand auch Kenan Yildiz, der als Beigeordneter der Stadt Schwerte seine kritische Außenperspektive einbrachte: „Vieles kann nur durchs Ausprobieren gelingen.“ Sein Rat schloss an Stefan Stürmers Idee an: Bildung sollte von der Stadtgesellschaft als Ressource, als „weiterer Wertstoff“ betrachtet werden. „Wir dürfen nicht außer Acht lassen, was Hagen leisten kann“, betonte er. „Hagen ist keine Stadt, die sich verstecken muss!“ Chancen sieht er vor allem auch dann, wenn es gelingt, das Ruhrgebiet, und Hagens regionale Verankerung darin, als Großes und Ganzes zu denken.
Gemeinsamkeit und Vielfalt
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Wie Gemeinschaftsgefühl geht, machte Martin Schmidt, der Geschäftsführer von Phoenix Hagen deutlich. Egal welche Konflikte in der Stadt schwelen: „Wenn man die Türen der Ischelandhalle betritt, dann endet alles.“ Sport schaffe Identität, sei ein wichtiger Gleichmacher: „In der Halle verfolgen alle dasselbe Ziel: Spaß am Basketball zu haben.“ Sport, Kultur, Freizeit – diese Aspekte sind für Schmidt alles andere als bloßes Beiwerk, sondern wichtige Argumente: „Wir müssen die Dinge betonen, die cool sind!“
Während beim Phoenix-Spiel alle Fans zu einer Einheit verschmelzen, funktioniere das Theater Hagen andersherum, erklärte Intendant Søren Schuhmacher. Hier werde gerade die Unterschiedlichkeit gefeiert: „Das Theater ist der Ort, wo wir andere Meinungen gelten lassen können. Hier können wir Identitäten ‚durchspielen‘.“ Dieser Freiraum sei wichtig – je mehr Menschen dafür begeistert werden können, desto besser. „Wir können als Theater die Seelennahrung bieten.“ Bei einem Punkt herrschte indes Einigkeit auf dem Podium: „Wie alle funktionieren wir natürlich über die Finanzierung.“ Ohne ausreichende Mittel läuft nichts.
Ärmel hochkrempeln statt meckern
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In diesem Bewusstsein plädierte Ralf Geruschkat (Hauptgeschäftsführer der SIHK) für eine starke Industrie in der Stadt: Harte Faktoren wie Arbeitsplätze und Steuereinnahmen tragen die Stadt letztlich – und damit auch alle ihre Angebote. Auf gute Bedingungen komme es an: „Wie können wir einen Rahmen geben, der Wirtschaft erfolgreich sein lassen kann?“ Meckern, das will er jedoch nicht – vielmehr gelte es, sich auf gemeinsame Stärken und konstruktive Ideen für die Zukunft zu konzentrieren. „Wir zünden die nächste Stufe“, griff er eine Raketen-Metapher seines Vorredners auf. Auch Geruschkat unterstrich, wie wichtig es dabei sei, insbesiondere junge Menschen mit spezifischen Angeboten und der richtigen Ansprache abzuholen.
„Hagen auf die Eins“
Was das Abholen der jungen Generation angeht, ist Lukas Groeschel (lupixpics) Experte. Der 21-Jährige arbeitet als Dienstleister rund um Foto- und Videocontent für Social Media – viel Aufmerksamkeit erlangte er mit seinen Hagen-Videos, die die bunte Vielfalt der Stadt thematisierten und insbesondere eine Zielgruppe von 12- bis 20-Jährigen adressieren. „Ich sehe mich als Impulsgeber“, erklärte er seinen Anspruch. Er möchte gerade junge Bürger:innen für die schönen Seiten der Stadt sensibilisieren. „In Hagen haben wir eine wunderschöne Natur“, wählte er ein Beispiel. „Man muss einfach nur die Augen aufmachen.“ Sein Wahlspruch: „Hagen auf die Eins!“ Aufwind könnte der Gedanke von generationsübergreifendem Teamplay bringen: „Die jungen Leute haben coole Ideen – und die alten können sie vielleicht ganz easy umsetzen, zum Beispiel, weil sie die nötigen Connections haben.“
Eine lebenswerte Heimat
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Hagen als Stadt attraktiv zu halten, das ist ein Aspekt, der auch Bernd Marquardt (Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Dortmund – Hagen – Lünen) interessiert. „Als Hagener Handwerk sind wir froh, dass wir die Stadt unterstützen und ein Stück weit schöner machen können.“ Was möglich sei, zeigte er an verschiedenen Positivbeispielen auf – etwa dem Gelände der Elbershallen. Allerdings problematisierte er auch offene Baustellen, zum Beispiel in Bezug auf die berufsschulische Ausbildung und den Verwaltungsaufwand. „Wir haben viel Bürokratie; auch in Hagen.“
Wie Transformation gelingt
Beispiele von Städten, die sich nach dem Strukturwandel wieder aufrappeln gibt es durchaus – Ruhrgebiets-Orte wie Duisburg, Bochum oder Bottrop machen es vor. Das zeigte Dr. Sonja Knobbe in ihrer Funktion als strategische Leiterin des International Center for Sustainable and Just Transformation der Universität Witten-Herdecke. In einem Vortrag stellte sie „Erfolgsfaktoren urbaner Transformation“ vor – und setzte entscheidende Leitplanken, etwa was die Initiative der Stadt angeht: „Die Kommune muss eine proaktive Rolle einnehmen, keine reaktive!“
Das Menschliche im Blick
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Was geht, wenn man sich traut, konnte Kimberly Hardt dem Publikum erklären. Sie ist als freiberufliche Kulturveranstalterin nach Hagen gekommen und überzeugt: „Die Kunstszene ist in Hagen so reich.“ Als Gründerin vom Fliegenden Salon und Leiterin des Kreativzentrums WirrWarr schafft sie neue Begegnungsräume für die Menschen vor Ort. Entsprechend sieht Hardt in Kunst und Kreativität keine Freizeitbeschäftigung, sondern einen essenziellen Treibstoff für eine funktionierende Stadtgesellschaft. „Das gibt kurzfristige Möglichkeiten, Hoffnung zu schaffen.“ Ohne positive Erlebnisse im persönlichen Umfeld kann es nicht klappen. Ihr Plädoyer: „Wir müssen auf das Menschliche schauen!“
Publikumsbeiträge bringen Würze
Wie üblich beim Politischen Salon mischte auch das Publikum mit. Dabei zeigten sich ganz unterschiedliche Haltungen. Kritisch zur Sprache kamen etwa historische Hintergründe, Sorge vor dem Erstarken einer extremen Rechten in der Politik, Enttäuschung gegenüber anderen Generationen – aber auch jede Menge Lokalpatriotismus und Stolz auf eine Stadt der Vielfalt. FernUni-Wissenschaftler Prof. Dr. Felix Ackermann pointierte in Anspielung auf den Titel der Veranstaltung: „Wir sollten Identitäten und Zukünfte in der Mehrzahl denken.“