Dr. Marianne Groten: die Frauen-Beauftragte

Interview mit Dr. Marianne Groten, der ersten Frauenbeauftragten: „An der FernUniversität fing so die Zeit des Erwachens an … Frauen, Benachteiligung und so.“ Foto: FernUniversität, Jakob Studnar

Biographisches

  • 1944 geboren in Abbensen, Niedersachsen
  • 1969–1972 Lehramtsstudium mit den Fächern Mathematik, Deutsch und Sport, anschl. Referendariat
  • 1979–1983 (Zweit-)Studium der Soziologie, Deutsch und Philosophie inkl. Promotion
  • 1984 Abordnung aus dem Schuldienst an die FernUniversität in Hagen zur Betreuung des Brückenkurses Deutsch für Studierende der Fachhochschul­studiengänge; Mitglied der informellen Frauengruppe
  • 1984–1987 Erste Frauenbeauftragte an der FernUniversität; anschl. Rückkehr in den Schuldienst, bis 2010 Leiterin einer Grundschule in Hagen

Marianne Groten ließ sich 1984 aus dem Schuldienst an die FernUniversität abordnen. Am damaligen Zentrum für Fernstudienentwicklung (ZFE) betreute die ausgebildete Lehrerin den Brückenkurs Deutsch für Studierende der Fachhochschulstudiengänge in Hagen, machte kurze Filmbeiträge und erstellte Studienmaterialien, für den Kurs eine „Pionierarbeit“.

Kampfgeist

An der FernUniversität hatte sich zu der Zeit bereits eine engagierte Frauengruppe formiert. Rein informell. Groten schloss sich an. Für sie war es eine Phase, in der sie sich der oft unterschwelligen Benachteiligung von Frauen bewusst wurde: „So dieses feine, kalte Abbürsten.“ Zwar bezeichnete sie sich selbst nicht als „Emanze“, eher als angepasst mit einer „dörflichen, braven Sozialisation“, aber nun war ihr Kampfgeist angestachelt, weniger mit Biss als mit höflicher Beharrlichkeit.

Der quasi regulären Unterdrückung weiblicher Karrieren konnte nur durch die rechtsverbindliche Institution einer Frauenbeauftragten entgegengewirkt werden.

Familie und Beruf

Das Thema kochte inzwischen auf verschiedenen Ebenen an der FernUniversität: Die Frauengruppe formulierte Forderungen nach mehr Frauen in Führungspositionen, besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf, geschlechtsneutraler Sprache, Frauenparkplätzen und Kinderbetreuung. Der Wissenschaftliche Personalrat erarbeitete Frauenförderpläne und das Land NRW reformierte sein Hochschulgesetz. Die Hochschulen waren angehalten, die bestehenden Nachteile für Frauen zu beseitigen.

Im Jahr 1987 wurde an der FernUniversität die erste Frauenbeauftragte gewählt. Damit wurde die Frauenpolitik, die bis dahin für Aktive „Hobby und Freizeitvergnügen“ war, institutionalisiert.

Wahl zur Frauenbeauftragten

Die Wahl fiel auf Marianne Groten, die auch weiterhin „ideell und ideologisch“ durch die Frauengruppe unterstützt wurde. Sie leisteten nicht nur bei den Männern an der FernUniversität mitunter anstrengende Überzeugungsarbeit pro Frauen, sondern auch bei den Frauen selbst. „Die Gespräche auf den Fluren waren durchaus nicht immer wohlwollend, auch nicht von und mit den Frauen.“

In dieser Stelle sah Marianne Groten für sich die auch Chance, über ihre Abordnung hinaus dauerhaft an der FernUniversität bleiben zu können. Aber die Hochschule schuf (zunächst) keine Planstelle und so musste Groten 1989 in den Schuldienst zurückkehren. Als Schulleiterin einer Hagener Grundschule ging sie 2010 in Pension.

In der Rückschau urteilt sie: „Das war mit den Männern in den Machtpositionen eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe und diese Erfahrung war schon von Bedeutung. Ich habe das als Bewährungschance, als Bewährungsstrecke empfunden – und es kam dann ja auch einigermaßen erfolgreich etwas dabei heraus.“

Weitere Entwicklung

Während Groten sich in ihrer Amtszeit damit zu tun hatte, das Amt zu etablieren, ein Netzwerk aufzubauen und aus der Position der Bittstellerin – ohne eigene Mittel – agierte, konnte die folgende Frauenbeauftragte, Irmingard Schewe-Gerigk, dann endlich den ersten Frauenförderplan entwickeln.

So ging es Schritt für Schritt weiter, der Frauenförderung Geltung zu verschaffen. Ausbaufähig bleibt sie noch immer.

Über das Projekt „Zeugen der Zeit“

Interviews und Redaktion:
Dr. Almut Leh (Institut für Geschichte und Biographie)

Produktion:
Jennifer Dahlke, Alexander Reinshagen, Sascha Senicer (Zentrum für Medien und IT)

Texte:
Carolin Annemüller, Susanne Bossemeyer, Gerd Dapprich, Anja Wetter, Multimediale Umsetzung: Oliver Baentsch, Maren Volkmann (Dezernat 7 Hochschulstrategie und Kommunikation)

Fotos:
Jakob Studnar, Stefanie Loos, Archiv der FernUniversität

Plakate:
Gabriele Gruchot (Dez. 5 Technische Medienadministration)