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Prof. Dr. Horst Dichanz: der Weiter-Bildner

Interview mit Horst Dichanz, Mitglied im FernUni-Gründungsausschuss: „Das Aufbautempo war hoch. Da war jede Menge Druck drin.“ Foto: FernUniversität, Jakob Studnar

Biographisches

  • 1937 geboren in Gelsenkirchen-Buer

  • 1957–­1961 Ausbildung zum Lehrer an der Päda­gogischen Akademie in Essen-Kettwig, anschl. Lehrer­tätigkeit in Gelsen­kirchen und in Lengerich

  • 1963 neben­berufliches Studium Erziehung­swissen­schaften an der Uni­versität Münster; anschl. 1969 Promotion in Münster

  • 1970­–1973 Referent am Deutschen Institut für Fern­studien (DIFF) in Tübingen; Aufbau des Funk­kollegs

  • 1974 Wissen­schaftlicher Rat und Professor an der Uni­versität Bielefeld

  • 1974 Berufung in den Gründungs­ausschuss der FernUniversität

  • 1975­–2002 Professor für Theorie der Schule und des Unterrichts; erster Prorektor für Weiterbildung

Mit Prof. Horst Dichanz saß einer der wenigen als Mitglied im Gründungsausschuss der FernUniversität, die bereits Erfahrungen mit dem Fernstudium hatten. Der Medienpädagoge hatte am Deutschen Institut für Fernstudien (DIFF) in Tübingen unter anderem das erste Funkkolleg initiiert.

Als überzeugter Reformer befürwortete Dichanz in den bildungspolitischen Auseinandersetzungen an der Hagener Hochschule vehement das Studium für Menschen ohne Abitur. „Die konservativen Kollegen haben sich heftig dagegen gewehrt, aus einer Universität eine Volkshochschule zu machen. Das war die Befürchtung, die sie damals hatten. Ich brauchen heute nicht mehr zu sagen, wie schnell sich das in Luft aufgelöst hat.“ In seiner Funktion als erster Prorektor begegnete Dichanz des Öfteren leichte Ironie oder Spott vor allem von Kollegen traditioneller Präsenzuniversitäten.

Der Reformer

Oberste Priorität hatte für den Erziehungswissenschaftler die didaktische Bearbeitung von Zusammenhängen und Fragestellungen für das Fernstudium. Studienbriefe sollten keine Vorlesungsskripte sein, so sein Anspruch. Dichanz wollte seine Studierenden erreichen. „Sie mussten sich als Lehrender bei den Vorbereitungen für den didaktischen Zugang überlegen, wie kriege ich den Kfz-Meister und den Versicherungsabteilungsleiter dahin, dass sie sich vielleicht sogar in einer kleinen Arbeitsgruppe gemeinsam mit den Fragen befassen und sich gegenseitig verständigen können. Das war spannend.“

Aus Dichanz didaktischer Sicht teilte sich die Professorenschaft an der jungen FernUniversität in zwei Lager: Die, die mit den ganzen Medien nichts zu tun haben wollten. Und andere, die sich für viele Versuche sehr offen zeigten.

Der Medienpädagoge

Der Einsatz der damals neuen Medien spielte stets auch eine wichtige Rolle innerhalb seines Lehrgebietes Theorie der Schule und des Unterrichts, die auch für die Schulleitungs- und Lehrerfortbildung umgesetzt wurden. Als ausgebildeter Lehrer hatte Dichanz in der „fröhlich pädagogischen Provinz“ im Münsterland gearbeitet und dort innerhalb des Unterrichts mit verschiedenen Medien gearbeitet, beispielsweise Hörspiele und Theaterstücke. „Das war alles ganz, ganz klein und immer nur zu Schulzwecken. Jedenfalls habe ich mich mit dem Gesamtkomplex schon relativ früh befasst.“

An der FernUniversität moderierte Dichanz Anfang der 1980er Jahre – als Weiterentwicklung des Funkkollegs – „FernUni im Dritten“. Später führte er Videoprüfungen für Studierende ein.


Das Interview als Text

Ich wollte auf jeden Fall aus den Institutionen mal heraus, in denen ich groß geworden war. Als nach der Promotion meine damalige Chefin mir sagte: „Ja, dann lasse ich Sie jetzt zum Akademischen Rat ernennen und dann können Sie in acht Jahren Akademischer Oberrat werden", da bin ich mit einem Schrecken nach Hause gefahren und habe mir so durch den Kopf gehen lassen: „Meine Güte, du könntest jetzt schon wissen, was du in acht Jahren machst. Das ist ja furchtbar." Und das hat mich dann mit dazu motiviert, mich nach was anderem umzuschauen.
Dann habe ich das Angebot aus Tübingen relativ schnell erhalten und auch gerne angenommen.

Die suchten unter anderem einen in Medienarbeit erfahrenen, ausgebildeten und promovierten Pädagogen. Und nach der Bewerbung bin ich dann sehr schnell ins DIFF, ins Deutsche Institut für Fernstudien, eingestiegen, habe dort die Projektgruppe Erziehungswissenschaft aufgebaut und habe mit dieser Projektgruppe relativ schnell das erste Funkkolleg auf die Beine gestellt. Das Funkkolleg Erziehungswissenschaft, das Neunzehnhundert…ich schätze 72, 73 gelaufen ist.

Am DIFF in enger Kooperation mit dem damaligen Südwestfunk. Der hat, auch der WDR, das waren die beiden führenden Rundfunkanstalten, die haben dort wohl maßgeblich daran mitgewirkt, dass aus den Funkkollegs erstens etwas massentaugliches wurde, da liefen also jede Woche zwei bis drei Vorlesungen oder Vorträge darüber. Dann gab es in vielen Standorten von Volkshochschulen Begleitseminare, in denen Dozenten unterschiedlichster Qualifikation Seminare vor Ort durchführten für die Teilnehmer an den Funkkollegs, und es gab persönliche Betreuung und so weiter, und so weiter. Das hat dazu geführt, dass in Verbindung mit den Rundfunkanstalten einigen wenigen Universitäten und dem Deutschen Institut für Fernstudien das Angebot Fernstudium als Funkkolleg erstens massentauglich wurde und zweitens sich bildungspolitisch durch setzte.
Das war so, man kann sagen, das war der Durchbruch in doppelter Beziehung. Zum einen wurde damit das Fernstudium massentauglich, denn die hatten dreißig- bis vierzig…, ich glaube, 35.000 Hörer und Teilnehmer an einem der Funkkollegs. Ich glaube, dass Populäre war Pädagogische Psychologie und Kunstgeschichte. Wenn ich die Zahlen richtig im Kopf habe. Und der zweite Durchbruch war, dass sich tatsächlich die Rundfunkanstalten und einige Universitäten bereit erklärten, mit den Volkshochschulen zusammenzuarbeiten. Das politische Gewicht können Sie sich wahrscheinlich heute gar nicht mehr vorstellen, welcher Durchbruch das im bildungspolitischen Sektor in Richtung auf Öffnung der Hochschulen für alle, oder für viele, die kein Abitur hatten in der damaligen Zeit, war. Das war ein hochgradiges Politikum und ist auch nur durch, ja, längerfristige politische Debatten und auch geschicktes Taktieren dann endlich durchgesetzt worden.

Dort habe ich aber, wenn man so will, meine Fernstudien-Erstbekanntschaften gemacht, die dann auch bis zur Open University nach England in Milton Keynes führten, wo wir zu verschiedenen Arbeitsbesuchen waren und auch an Kongressen teilgenommen haben, um dort das Modell der Open University, nach der ja die FernUni zu einem erheblichen Teil gebildet wurde, kennenzulernen.

Die waren viel, viel weiter. Wir haben sie vor allen Dingen wegen ihrer Anerkennung im akademischen Sektor sehr beneidet. Da haben offensichtlich die Briten sehr viel weniger Vorbehalte gehabt als wir sie bis heute noch haben. Also etwa die alte Idee der Weiterbildung, further Education, Life long Learning, das waren für uns neue Begriffe, die den Briten aber geläufig über die Zunge gingen.

Es gab im Wissenschaftsministerium bei Johannes Rau eine kleine vorbereitende Arbeitsgruppe, zu der unter anderem auch später Bernd Sudeick gehörte, die, ja, die Vorarbeiten dazu geleistet haben, die das europäische Feld ein wenig vorsondiert haben.
Und dann hat irgendwann Rau, als er unter dem Druck der zunehmenden Studentenzahlen sah, dass die Universitäten, die Präsenzuniversitäten, das nicht weiter schafften, irgendwann den klugen Entschluss gefasst: „Okay, dann machen wir für Nordrhein-Westfalen eine Fernuni." Darauf ist dann der Gründungsausschuss in allen gängigen Universitätszeitungen, ZEIT et cetera, ganz normal, eigentlich wie eine freie Stelle, ausgeschrieben worden. Daraufhin habe ich mich beworben und bin dann, nach einem Gespräch im Ministerium, dort auch sofort dann mit zu den Ersten aufgenommen worden, weil ich einer der ganz wenigen war, der über Fernstudienqualifikationen verfügte.

Wir waren erst eine Aufbaugruppe und wurden dann nachher in eine förmliche Universität übergeführt, mit ein paar Sonderbedingungen, aber nur ganz wenigen. Die Sonderbedingung war, dass wir als Landesuniversität mit allen Rechten und Pflichten besondere Lehrformen zu entwickeln hatten und diese Lehrformeln auch praktizieren und weiterentwickeln sollten. Das war im Grunde genommen der einzige Unterschied gegenüber anderen Universitäten.

Das ist insofern von Bedeutung, als natürlich damit alle Fragen einer möglichen Anerkennung von Fernstudienleistungen für an der FernUni eingeschriebene Studenten erledigt waren. Denn wir waren eine in Anführungszeichen normale Universität mit allen Prüfungs-, Promotions-, Habilitationsrechten et cetera. Das hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich die FernUniversität relativ schnell in der Bildungslandschaft durchgesetzt hat.

Auf der anderen Seite war sie neben dem Sektor Fernstudium auch noch an einem anderen Punkt etwas Besonderes, sie war nämlich eine der wenigen Universitäten, die ausdrücklich, auf den damaligen Wunsch des Wissenschaftsministers Johannes Rau, Weiterbildung anbot für Leute ohne Abitur. Das hat in dem ersten Rektorat heftige bildungspolitische Diskussionen gegeben, die in Anführungszeichen „traditionellen“, oder man darf auch sagen, konservativen Kollegen haben sich heftig dagegen gewehrt, aus einer Universität eine Volkshochschule zu machen, das war die Befürchtung, die sie damals hegten. Ich brauche heute nicht mehr dazu sagen, wie schnell sich das in Luft aufgelöst hat.

Nun ja, ich weiß aber noch, ich war der erste Prorektor für Weiterbildung in der Bundesrepublik und wenn ich zu Rektoren- oder Prorektorenkonferenzen fuhr, um mich dort vorzustellen, dann fragten viele Kollegen zurück, zum Teil auch ein wenig spöttisch: „Weiterbildung? Was ist das denn? Kennen wir gar nicht. Was ist das für ein Fach? Haben wir gar nicht an unserer Universität. Und unsere Universität gibt es schon seit 800 Jahren", oder ähnliches. Gut. Diese, ja, diese leichte Ironie oder den Spott, den musste man tragen, das wusste man aber, wenn man in diesem Sektor arbeitete, dass einem so etwas entgegen kam.

Und die dritte Besonderheit war natürlich die Vermittlung von Lehre über Medien. Das war für sehr viele Kolleginnen und Kollegen etwas völlig neues und ich muss auch ehrlich sagen, dass, obwohl ich gewisse Vorerfahrungen aus der Schule mitbrachte, die natürlich nicht ganz damit vergleichbar sind, ich selber auch zu Anfang überlegt habe, wie kann ich so schwierige Fragen einer anthropologischen Pädagogik, die also sehr starke Berührungsflächen mit der Philosophie hat et cetera, wie kann ich das über Fernstudium vermitteln. Die Frage hat mich viel beschäftigt und ich war sehr, sehr skeptisch. Dass ich dann nach drei Jahren, etwa nach drei Jahren Erfahrung sagen konnte mit voller Überzeugung: „Ich traue mir zu, fast die gesamten Erziehungswissenschaften übers Fernstudium zu vermitteln", das ist eines der Ergebnisse der Erfahrungen an der FernUni.

Allerdings teilte sich da die Professorenschaft in zwei Lager. Es gab welche, die mit den ganzen Medien, obwohl sie an die FernUni gekommen waren, nichts zu tun haben wollten, und infolge dessen das ZFE auch als einen Appendix betrachteten, der eigentlich überflüssig war. Und andere, die sich für viele Versuche sehr offen zeigten und die gerne bei solchen Experimenten mitwirkten. Ich nenne da gerne als ein Beispiel aus einem anderen Fach den Kollegen Lück aus der Psychologie.

Da gilt das ähnliche Argument, was ich eben für die Berufslaufbahn schon erwähnt habe, dass ganz wenigen, im Grunde genommen mit drei bis vier Ausnahmen, eigentlich alle Kollegen eine konventionelle Ausbildung erhalten hatten an den Universitäten: Seminar, Vorlesung, Protokoll, Referat et cetera. Und so sahen dann auch viele der ersten Studienbriefe, ich sage mal, vor, eher, also eher in anderen Fachbereichen als bei uns aus. Das waren Vorlesungsskripte.

Und unser Ehrgeiz war, auch unsere sachliche Erkenntnis war: „Dies geht überhaupt nicht, sondern wir müssen einen fernstudiendidaktischen Weg finden, der in anderer Weise unsere Adressaten anspricht.“
Man kann das aber auch umgekehrt sehen, denn viele der Kolleginnen und Kollegen, die an Präsenzhochschulen arbeiten, das haben wir bei den Manuskripten gesehen, die wir herein bekommen haben, haben nie gelernt, sauber, präzise, widerspruchsfrei, gut gegliedert et cetera sich zu äußern. Weil sie immer wieder in die Tüte reden konnten und, wenn das mal daneben ging, dann eben die Tüte neu gefüllt haben oder so.
Also, es ging ja so weit, dass wir so nach den ersten zwei bis drei Jahren schon mal mitkriegten oder auch direkt angegangen wurden von einem Kollegen: „Du, ich habe gehört, ihr habt da so einen“, oder: „Ich habe da mal hineingesehen, ihr habt da eine hervorragende Einführung in irgendetwas, kannst du mir das nicht mal besorgen?“

Gut, in den ersten paar Jahren haben wir das gerne gemacht. Dann kam eine Stimmung auf, bei der man sagte: „Sind wir denn verrückt, der soll, die sollen selber mal ihren Kopf anstrengen“, bis dann sich das Argument durch setzte: „Wisst ihr was? Eine bessere Reklame als die, wenn andere Kollegen von anderen Hochschulen nach unseren Arbeiten vorgehen, können wir gar nicht haben. Also großzügig sein.“ Ich halte das für die richtige Politik, nicht?

Und das hört man auch immer wieder als Echo von den Studierenden. Sie hätten also selten so gegliedert, so gut geführt et cetera studieren können als nach den Arbeiten, die die FernUni da vorlegte, auch die persönliche Betreuung.
Ich weiß, irgendwann in einer Studentenrunde sagte eine Studentin oder ein Student in einem Gespräch: „Ja meine Güte, seitdem ich an der FernUni arbeite, habe ich endlich mal meinen Professor kennengelernt.“

Nach einem Jahr hatten wir die ersten Studenten da stehen. Ich weiß noch, wir haben da an vielen Fronten in der damaligen Zeit gearbeitet. Ich hatte damals einen Kollegen aus Tübingen in Hagen und dann auch immer privat bei mir zu Hause zu Gast und hinter mir drückte ein Abgabe- oder Drucktermin eines nächsten Studienbriefes. Und ich weiß noch, auf irgendeiner Rückfahrt von Hagen von irgendeiner Sitzung, bei der dieser Gast mit dabei war, bin ich gefahren und habe ihm, während ich fuhr, noch drei oder vier Passagen in ein Studienbriefmanuskript diktiert, damit das ja am nächsten oder übernächsten Tag druckfertig rausgehen konnte. Also da war jede Menge pressure da, da war richtig Druck da.
Als die ersten Studenten ihre Studienbriefe hatten, das war sozusagen der ,crucial Point‘, da war das dann okay, nicht?

Anschließend hatte aber auch die FernUniversität einen Lehrerweiterbildungsauftrag. Das war dann natürlich eines meiner Metiers, in dem wir auch, also das ließe sich auch an den ersten Studienbriefen ohne weiteres nachvollziehen, dass dies lehrerausbildungsnahe Thematiken waren. Das hat sich dann erst im Laufe der Zeit etwas verändert. Unter anderem deshalb, weil es in anderen Fakultäten immer große Vorbehalte gegen das Engagement der FernUniversität in der Lehrerausbildung gab aus uralten Vorurteilen, die zum Teil bis heute in Universitäten vorhanden sind. Als sei eine pädagogische Lehrerausbildung eine akademisch minderwertigere Ausbildung. Damit hatten wir zu Anfang und in der Gründungsphase natürlich auch heftig zu kämpfen.

Da hat sowohl der Senat seine Hand vor gehalten als auch das Rektorat, in dem ja im günstigsten Falle zwei Erziehungswissenschaftler waren.
Und infolgedessen hatten wir gegenüber den anderen Fachbereichen immer eine Minderheitenposition, die auch merkte, dass sie einer starken konservativen Mehrheit gegenüberstand.

Lassen wir die Lehrerbildung mal draußen, weil das eigentlich ein Spezialproblem ist, aber die gesamte Frage der Weiterbildung war ein durchgängig kontroverses Thema, bei dem auch sehr hart die Fronten aufeinander prallten, in allen Gremien, im eigenen Fachbereich, im Senat, im Rektorat, bei ganz, ganz vielen Geschichten. Und die Kontroverse ging im Wesentlichen um die Frage: „Warum sollen wir Leute, die nicht für das Hochschulstudium qualifiziert sind, zum Hochschulstudium zulassen? Das geht nur, wenn wir auf Puddingniveau heruntergehen. Und das wollen wir nicht, weil wir uns damit selbst schaden und weil wir auch unseren Ruf als Universitätsprofessor beschädigen." Auch das spielte eine Rolle dabei.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, ich habe nie in Hagen gewohnt. Ich habe mal eine kurze Zeit lang mit einem Kollegen gemeinsam ein Zimmer gehabt und die Abende und alles darum herum waren dann dermaßen frustrierend, dass wir das schnell wieder aufgegeben haben. Da würde ich zur Geschichte der FernUni noch sagen, an solchen Punkten lässt sich dann nachweisen, dass die Entscheidung, die FernUniversität nach Hagen zu legen und damit Strukturprobleme von Hagen zu lösen, das war eines der politischen Motive bei Rau und der SPD-Fraktion, eine Fehlkalkulation war, ich denke bis heute, weil die alte Malocherstadt Hagen keinerlei Antenne für irgendwelche akademischen Veranstaltungen, akademisch lebenden Leute et cetera hatte und es für zehn Jahre mindestens ein Unverhältnis zwischen der Stadt, der Stadtverwaltung, dem OB und der FernUni gegeben hat. Fragen Sie Otto Peters danach, wenn Sie es nicht schon getan haben, der wird Ihnen wahrscheinlich manche Story dazu erzählen können.

Da gab es einfach eine Unverträglichkeit, nicht aus bösem Willen, aber man kannte sich überhaupt nicht, man wusste gar nicht: „Was machen die? Wozu sollen die da sein? Und die sitzen da draußen auf dem Campus, haben keine Studenten, was machen die Professoren da?“, und so weiter, und so weiter. Da hat es eine sehr schwierige Anfangszeit gegeben.

Sagen wir mal, das Universitätsfeeling ist ein bisschen dazu gekommen, als dann endlich die Mensa dazu gebaut wurde, die Anbauten kamen, als wir auch ein paar größere und erkennbare Seminarräume hatten und als hin und wieder mal Studierende auf dem Campus waren. Das hat es vorher eigentlich so gut wie nie gegeben, weil wir waren ja Reisende im Fernstudium, in der ganzen Republik und darüber hinaus.


Über das Projekt Zeugen der Zeit

Interviews und Redaktion:
Dr. Almut Leh (Institiut für Geschichte und Biographie)

Produktion:
Jennifer Dahlke, Alexander Reinshagen, Sascha Senicer (Zentrum für Medien und IT)

Texte:
Carolin Annemüller, Susanne Bossemeyer, Gerd Dapprich, Anja Wetter, Multimediale Umsetzung: Oliver Baentsch (Dezernat 7 Hochschulstrategie und Kommunikation)

Fotos:
Jakob Studnar, Stefanie Loos, Archiv der FernUniversität

Plakate:
Gabriele Gruchot (Dez. 5 Technische Medienadministration)

FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de