Christian Anschütz

16 Jahre FernUni: Niemals geht man so ganz

Promotion Christian Anschütz, 2024 Foto: Till Winkler, Julia Krönung, Christian Anschütz, Stefan Smolnik
Ein Meilenstein war 2024 mit der erfolgreichen Disputation erreicht: Christian Anschütz mit Doktorhut und (von links) Prof. Till Winkler, Prof. Julia Krönung und Prof. Stefan Smolnik.

Professor Dr. Christian Anschütz wählt sich zu Hause im Homeoffice in Bad Hersfeld in unsere Videokonferenz ein. Auf dem Bildschirm des Wirtschaftsinformatikers entstehen gerade Powerpoint-Folien für seine Präsenz-Vorlesungen an der Dualen Hochschule Gera-Eisenach. Anschütz ist ein echtes FernUni-Eigengewächs. Vom Bachelor über den Master bis zur Promotion absolvierte der Wissenschaftler sämtliche akademische Stationen an der FernUniversität in Hagen, bevor er im Herbst 2025 nach Thüringen berufen wurde. Als Professor für Wirtschaftsinformatik unterrichtet der 40-Jährige dort seit ein paar Monaten in den Hörsälen der Fachhochschule, die auf duale praxisintegrierende Studiengänge spezialisiert ist. „Ich habe hier meinen Traumberuf gefunden“, sagt er. „Der enge Praxisbezug in Forschung und Lehre ist mir sehr wichtig.“

Fernstudium nach zwei Berufsausbildungen

Dabei war eine wissenschaftliche Laufbahn keineswegs von Anfang an geplant. Als Christian Anschütz 2009 sein Fernstudium in Hagen begann, hatte er bereits zwei Berufsausbildungen abgeschlossen – zum Bankkaufmann und zum Anwendungsentwickler. Ziel war es, sich parallel zum Job akademisch weiterzubilden. „Mir war ein staatlicher Abschluss wichtig. Deshalb war die FernUni ideal“, erinnert er sich. „Ich wollte mein Berufsportfolio erweitern.“

Smart Mobility und Smart Cities

Aus dem geplanten Studium wurde seine langjährige akademische Heimat: Insgesamt 16 Jahre blieb er der FernUniversität verbunden. Seine fachlichen Schwerpunkte entwickelten sich in den Bereichen Informationssysteme und Künstliche Intelligenz. Besonders im Masterstudium entdeckte er seine Begeisterung für die digitale Transformation. „Die Module zu diesem Thema waren äußerst spannend“, sagt er rückblickend – insbesondere am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, Betriebliche Anwendungssysteme, von Prof. Dr. Stefan Smolnik. Dort vertiefte Anschütz seine wissenschaftliche Arbeit als Mitarbeiter am Lehrstuhl und promovierte schließlich im Themenfeld Smart Mobility und Smart Cities.

In seiner Promotion entwickelte er den Prototypen einer Smart-Mobility-App. „Ich habe untersucht, wie sich mithilfe von Gamification Informationssysteme in Städten etablieren lassen, um den Verkehr zu entlasten“, erklärt Christian Anschütz. Damit Bürgerinnen und Bürger die App langfristig nutzen und den Verkehrsempfehlungen vertrauen, seien zwei Faktoren entscheidend: „Die Inhalte müssen personalisiert und abwechslungsreich sein – sonst verlieren Nutzerinnen und Nutzer schnell das Interesse.“

Prof. Christian Anschütz Foto: privat

Ich habe meinen Traumberuf gefunden. Der enge Praxisbezug in Forschung und Lehre ist mir sehr wichtig.

Prof. Christian Anschütz

Neue Lehrmaterialien entwickeln

Das Interesse sollen auch seine Studierenden in der Wirtschaftsinformatik nicht verlieren. Christian Anschütz investiert daher bereits in seinem ersten Jahr am Hochschulstandort Gera-Eisenach viel Zeit in die Aufbereitung der Studienmaterialien. Dabei profitiert er von seiner Zeit an der FernUniversität. „Ich fange nicht auf der grünen Wiese an. In Hagen habe ich fast jedes Modul der Wirtschaftsinformatik am Lehrstuhl von Prof. Smolnik schon einmal betreut“, sagt er. „Das hilft mir jetzt bei der Entwicklung neuer Lehrmaterialien. Auch wenn ich heute im Hörsaal stehe, gehe ich mit dem Anspruch an die Lehre heran, dass die Inhalte auch dann verständlich sein müssen, wenn sie ausschließlich gelesen werden.“

Niemals geht man so ganz

16 Jahre an der FernUniversität haben also durchaus Spuren hinterlassen. „Niemals geht man so ganz“, scherzt Christian Anschütz. Als Berufspendler war er regelmäßig zu den Anwesenheitswochen in Hagen vor Ort – ebenso für seinen Lehrauftrag an der benachbarten Fachhochschule Südwestfalen. „Ich war Stammgast in der Bildungsherberge“, blickt er zurück. Auch heute kommt er zu besonderen Anlässen noch nach Hagen. So unterstützt er weiterhin bei der Betreuung von Masterarbeiten und arbeitet gemeinsam mit dem FernUni-Team an Publikationen.

Den Studierenden der FernUniversität gibt er abschließend mit auf den Weg: „Man muss dranbleiben und darf sich von Rückschlägen nicht stoppen lassen.“ Sport habe ihm dabei geholfen, den Kopf freizubekommen. „Ein Fernstudium ist kein Selbstläufer“, weiß er aus Erfahrung. „Dafür ist der Abschluss am Ende ein umso schöneres Erfolgserlebnis.“ Noch dazu eines, das – wie im Fall von Christian Anschütz – den Weg zum Traumjob ebnen kann.

Stand: Februar 2026

Carolin Annemüller | 12.02.2026