Mit sieben Litern Wasser am Tag zum Kampfgewicht
Leistungssport und Bachelorstudium
Foto: sportfotos24.net/Wetzel
Vier Kilogramm in kurzer Zeit abzunehmen gehört für Florian Böcker zum Alltag seines Sports. Der 21-jährige Judoka aus Hürth wiegt normalerweise rund 70 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,76 Metern, kämpft jedoch in der Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm. Ende des vergangenen Jahres wurde der FernUni-Student in Passau deutscher Hochschulmeister.
„Das war ein Treffen vieler Judoka aus ganz Deutschland. Man kennt sich von anderen Wettkämpfen, aber beim Newcomer-Cup sind auch immer neue Gesichter dabei“, erzählt Böcker, der sich im ersten Semester des Bachelorstudiengangs Wirtschaftswissenschaft befindet. „Für mich geht es bei den Hochschulmeisterschaften vor allem darum, Wettkampferfahrung zu sammeln. Man kann gar nicht genug kämpfen.“
Den Körper austricksen
Dazu gehört auch das leidige Abnehmen vor der Waage. Drei bis vier Kilogramm muss Böcker regelmäßig verlieren — und weiß genau, wie er seinen Körper darauf vorbereitet. „Am Anfang der Woche trinke ich sehr viel, etwa sieben Liter am Tag“, erklärt er. „Kurz vor der Waage sind es dann nur noch etwa 500 Milliliter. Der Körper ist an die hohe Flüssigkeitszufuhr gewöhnt und scheidet weiterhin viel Wasser aus.“ Zusätzlich absolviert er Trainingseinheiten in einem speziellen Schwitzanzug. „Da gehen nochmal rund zwei Kilo runter.“
Der Aufwand zahlt sich aus. Böcker hat den Übergang von den Junioren zu den Senioren erfolgreich gemeistert und gilt als großes Talent auf internationalem Niveau. Er wurde deutscher Jugendmeister und stand auch bei den Männern bereits auf dem Podest. Zu seinen größten Erfolgen zählen Platz fünf bei der internationalen Jugendolympiade sowie Platz drei bei den europäischen Hochschulmeisterschaften. „Ich möchte künftig bei Europa- und Weltmeisterschaften um Medaillen kämpfen“, sagt er. „Und Olympia ist natürlich ein großer Traum.“
Ich versuche, jeden Tag diszipliniert etwas für mein Fernstudium zu machen. Mathematik wird sicher die größte Herausforderung. Ich bin kein Mathe-Freak und muss mich mit Hilfe von Tutorials und Brückenkursen reinfuchsen.
Florian Böcker
Foto: privat
Bis dahin ist es jedoch ein harter Weg. Zweimal täglich trainiert Böcker am Olympiastützpunkt Köln. Um optimale Bedingungen zu haben, ist er eigens aus dem Ruhrgebiet nach Hürth gezogen. Auf dem Trainingsplan stehen Krafttraining, Technik, Bodenkampf, Würfe, Ausdauer und Seilklettern.
Zwischen den Einheiten am Morgen und Abend bleibt Zeit fürs Studium. „Ich versuche, jeden Tag diszipliniert etwas für mein Fernstudium zu machen“, sagt Böcker mit Blick auf sein erstes Semester. Besonders interessiert ihn bisher das Rechnungswesen. Den Abschluss hat er fest eingeplant — auch wenn er im Studium nicht ganz so ehrgeizig ist wie auf der Matte. „Mathematik wird sicher die größte Herausforderung. Ich bin kein Mathe-Freak und muss mich mit Hilfe von Tutorials und Brückenkursen reinfuchsen.“
Sport und Wirtschaft verbinden
Zur FernUniversität kam Böcker über seine Freundin, die ebenfalls Wirtschaftswissenschaft in Hagen studiert. „Wir unterstützen uns gegenseitig und lernen auch gemeinsam.“ Mit dem Wirtschaftsstudium sieht er sich neben dem Leistungssport gut für die Zukunft aufgestellt. „Ich könnte mir vorstellen, später Sport und Wirtschaft zu verbinden“, sagt er. Zuvor hatte er bereits ein Präsenzstudium an der Sporthochschule Köln begonnen. „Ich wollte mich aber auch über den Sport hinaus weiterentwickeln“, begründet er den Wechsel.
Dass eine sportliche Karriere jederzeit abrupt enden kann, weiß Böcker aus eigener Erfahrung. Nach mehreren Knieoperationen kämpfte er sich erfolgreich zurück. „Nach Rückschlägen wieder aufzustehen und weiterzumachen — das zählt“, sagt er. Auf der Judomatte ebenso wie im Fernstudium, wo schon bald die ersten Klausuren anstehen.
Stand: Februar 2026