Masterarbeit an der Schnittstelle von Medizin, Künstlicher Intelligenz und Ausbildung

Screenshot virtueller Patient Foto: FernUniversität
Die virtuelle Patientin Leonie leidet an Kopfschmerzen.

Laura Ebers sitzt zu Hause in Lippstadt vor dem Bildschirm und loggt sich in die nächste Videokonferenz ein. Für die 33-Jährige ist das Alltag. Nach ihrem Bachelorabschluss an der Universität Paderborn entschied sie sich mit dem Master Wirtschaftswissenschaft an der FernUniversität in Hagen bewusst für ein flexibles Fernstudium. Ausschlaggebend waren für sie nicht nur die zeitliche und örtliche Unabhängigkeit, sondern auch der inhaltliche Fokus auf das Digitalisierungsmanagement.

Schwerpunkt Digitale Gesundheit

Dass sie sich einmal intensiv mit der Schnittstelle von Medizin, Künstlicher Intelligenz und Ausbildung beschäftigen würde, war zunächst nicht absehbar. Das ergab sich durch ihre Stelle als studentische Hilfskraft in der Wirtschaftsinformatik am Lehrstuhl von Prof. Dr. Till Winkler. „Der Schwerpunkt Digitale Gesundheit hat mich sofort gepackt“, sagt Ebers, deren Masterarbeit in der Folge in diesem Themenfeld entstand.

Im Zentrum stand dabei die Frage, wie Medizinstudierende und Ärztinnen und Ärzte mit virtuellen Patienten interagieren. „Ich habe dafür dialogbasierte virtuelle Patienten entwickelt, um Medizinstudierende in der Ausbildung zu unterstützen“, erklärt sie. Mithilfe eines Chatbots konnten Nutzende typische Arzt-Patienten-Gespräche führen – von der Anamnese bis zur Behandlung.

Laura Ebers Foto: Sommerfeld-Fotografie
Laura Ebers hat an der Schnittstelle von Medizin, Künstlicher Intelligenz und Ausbildung geforscht.

Virtueller Patient leidet an Migräne

Im Rahmen eines Online-Experiments litt der virtuelle Patient an Migräne. Die Teilnehmenden stellten gezielte Fragen, erhielten passende Antworten und mussten auf dieser Basis eine Diagnose entwickeln. Anschließend ging es um geeignete Therapieansätze, einschließlich digitaler Gesundheitsanwendungen, den sogenannten Apps auf Rezept. „So konnten die Nutzenden trainieren, wie sie das Krankheitsbild der Migräne behandeln wollen“, erklärt Laura Ebers.

Untersucht hat sie dabei vor allem die Effekte der Interaktion: Wie authentisch wirkt ein virtuelles Patientengespräch? Wie zufrieden sind die Nutzenden? Und welchen Einfluss hat das Training auf Wissen und Fähigkeiten? Das Fazit fällt differenziert aus: Die Zufriedenheit der Teilnehmenden war hoch. Gleichzeitig offenbaren die Ergebnisse Grenzen. Vor allem bei der wahrgenommenen Authentizität und beim nachhaltigen Kompetenzerwerb besteht noch Verbesserungsbedarf. Fragen zur optimalen Trainingsdauer oder zur realistischen Gestaltung der Simulation bleiben daher Gegenstand weiterer Forschung, damit das Trainingstool für Medizinstudierende in der praktischen Ausbildung etabliert werden kann.

Weiterer Schwerpunkt ihrer Masterarbeit war der Umgang mit digitalen Gesundheitsanwendungen: Wie hoch war die Bereitschaft, sich damit zu beschäftigten und diese zu verordnen? Lässt sich diese durch die Interaktion mit virtuellen Patienten steigern? „Hier war das erhaltene Fazit auch positiv“, fasst Laura Ebers zusammen. „Das heißt: Die Beschäftigungs- und Verordnungsbereitschaft konnte durch die Interaktion gesteigert werden.“

Wissenschaft und Praxis

Schon während ihres Studiums gelang es Ebers, Wissenschaft und Praxis eng zu verzahnen – unter anderem durch das Mitwirken an zwei Publikationen des Lehrstuhls. Inzwischen hat sie ihre Masterarbeit abgeschlossen. „Das waren intensive sechs Monate“, sagt sie rückblickend. Zuvor habe sie ihr Fernstudium deutlich freier gestalten können.

Wie es beruflich nun weitergeht, ist offen. Laura Ebers schreibt Bewerbungen und zeigt sich dabei bewusst flexibel. Ihr eigener Studienweg habe ihr gezeigt, dass sich neue Interessen und Chancen oft erst unterwegs ergeben.

Stand: Mai 2026

Carolin Annemüller | 27.05.2026