Maxie Kranich
Vom Zweifel zur Schulpsychologin
Foto: Rolf Schulten
Wenn Maxie Kranich heute Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte in der schulpsychologischen Beratung des Berliner Senats begleitet, bringt sie weit mehr mit als ihr Fachwissen aus dem Psychologiestudium. Sie bringt eigene Erfahrungen mit: vom Zweifeln, Durchhalten und Neuanfangen. Ihr selbst haben der Bachelor und Master an der FernUniversität schließlich den Weg in die Schulpsychologie eröffnet – nach einem Studium, das sich über zwölf Jahre erstreckte.
Wenn sie auf diese Zeit zurückblickt, denkt sie nicht zuerst an Prüfungen, Hausarbeiten oder Praktika. Sie denkt an zwölf Jahre FernUni. Voller Arbeit, Familie, Studienpausen und Abschlüssen. Zeit, die für andere vielleicht nach Umwegen aussieht. Für sie nicht.
„Vielleicht war alles Vorbereitung“, sagt die 45-Jährige aus Berlin heute rückblickend. „Einer der wichtigsten Gedanken, die mich durch dieses Studium getragen haben: Dass Menschen oft viel mehr lernen, wachsen und verändern können, als sie selbst lange glauben. Nicht auf einmal. Nicht perfekt. Aber Schritt für Schritt.“
Ein Bauchgefühl wird lauter
Ihr Psychologiestudium beginnt 2011, als ihre Tochter eingeschult wird. Zuvor hatte Maxie Kranich bereits Erziehungswissenschaft und Kunstgeschichte studiert, in der Museumspädagogik gearbeitet und später im internationalen Galeriewesen Fuß gefasst.
„Von außen sah das nach einem klaren Weg aus“, sagt sie. In ihr drinnen fühlt es sich anders an. Ihr Interesse gilt weniger dem Kunstmarkt als den Menschen dahinter: „Ich wusste fast immer, wie es den Künstler:innen ging. Ob sie Sorgen hatten. Ob ihre Beziehungen hielten. Ob sie vom Leben als Kunstschaffende überhaupt leben konnten.“
Das Bauchgefühl, nicht am richtigen Ort zu sein, wird lauter. Schließlich wandelt sie ihre Zweifel in Aktion um – und schreibt sich in Hagen ein. „Es war eine meiner ersten wirklich klaren Bauchentscheidungen. Nicht vollständig begründbar, nicht sauber herleitbar – aber innerlich eindeutig.“ Psychologie hatte sie eigentlich schon mit 18 studieren wollen. „Ich wusste aber nicht klar genug, wer ich sein möchte“, erinnert sie sich. „Und ob ich mutig genug bin, meinen eigenen Weg auch wirklich zu gehen.“
Zum Sinnbild ihres Studiums wird Statistik – und ein Satz, den sie auf einen Flyer druckt: „Statistik ist ein Biest, das gezähmt werden kann.“ Ausgerechnet Statistik. Jenes Fach, vor dem sie einst gehörigen Respekt hatte. „Ich hatte im Mathe-Abitur zwei Punkte“, erzählt sie und lacht. Für das Statistik-Modul belegt sie deshalb zusätzlich einen Volkshochschul-Kurs, arbeitet sich durch Skripte, die sie auf Karteikarten und Aufgabenserien runterbricht. Erst langsam erkennt sie die Logik hinter den Formeln. Irgendwann fügt sich alles zu einem System.
„Statistik ist ein Biest, das gezähmt werden kann“Maxie Kranich, Absolventin Psychologie
Aus der anfänglichen Hürde wird schließlich eine Stärke. Sie gibt Statistik-Nachhilfe, leitet fünf Semester lang Tutorien am FernUni-Campus Berlin und unterstützt andere Studierende dabei, genau jene Ängste zu überwinden, die sie selbst erlebt hat. „Nicht für die Mathegenies“, sagt sie, „sondern für Menschen wie mich.“
Dabei lernt sie selbst. „In jedem Semester gab es mindestens einen Menschen mit mathematischem Talent, der wiederum meine eigenen Lücken füllte. Lernen bedeutet eben selten, alles allein zu können. Sondern gemeinsam so lange weiterzudenken, bis plötzlich etwas verständlich wird.“
Der Freitag gehört der FernUni
Nach einer längeren Pause lässt sie auf den Bachelor den Master folgen. Parallel arbeitet sie mitunter in Vollzeit, reserviert den Freitag konsequent für die FernUni und lernt oft zusätzlich samstags. Der Sonntag bleibt frei. Kurz vor dem Abitur ihrer Tochter 2024 schließt Maxie Kranich ihr Masterstudium ab. „Meine Tochter wurde erwachsen. Und ich irgendwie auch noch einmal.“
Was Fernstudierende leisten, beschreibt sie in der Rede bei der Alumnifeier im Juni 2026: „Lernen an der FernUniversität ist kein fester Ort, sondern vielmehr ein Zeitfenster, das sich ins Leben einschiebt. Flexibilität bedeutet hier nicht Bequemlichkeit, sondern die Fähigkeit, Lernen mit einem ohnehin vollen Leben zu verbinden.“ Nicht immer unter perfekten Bedingungen – aber kontinuierlich. „Durchzuhalten ist immer wieder eine Entscheidung.“
Allein am Schreibtisch, aber nicht einsam
Während ihrer zwölf Jahre ist der Campus Berlin für sie „ein Anker“. Dort findet sie im ersten Semester eine Lerngruppe, besucht Präsenzveranstaltungen und Netzwerktreffen, engagiert sich, unterstützt Einführungsangebote – kurz: erlebt Begegnung. „Orte wie der Campus sind notwendig gegen die Vereinzelung im Fernstudium“, ist sie überzeugt. „Man kann vieles digitalisieren, aber nicht alles kompensieren.“
Aufbaumaster oder Promotion denkbar
Manchmal blickt sie etwas wehmütig auf den fehlenden klinischen Anteil ihres Studiums. Gleichzeitig weiß sie heute, dass psychologische Arbeit weit über Therapie hinausreicht. „Ich arbeite unglaublich gern mit Kindern und Jugendlichen und ihren Familien.“ In den Gesprächen gibt es schon mal thematisch-fachliche Schnittstellen zu ihrem Wunschthema, der Rechtspsychologie. „Hier könnte sich die FernUni spezialisieren“, findet sie. „Einen Aufbaumaster würde ich sofort machen.“ Oder eine Promotion. Ebenfalls für sie denkbar. Mit der FernUni hat Maxie Kranich jedenfalls noch nicht abgeschlossen.
Stand: August 2026
Foto: FernUniversität
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