Holger Lersch

Das Studium beginnt am Briefkasten

Ein Mann sitzt im Zugabteil und zeigt mit dem Finger auf ein Schild, das über ihm hängt, mit der Aufschrift Hörsaal der FernUni. Foto: Holger Lersch
Holger Lersch' Lernort ist – in Nicht-Coronazeiten – der Zug.

New York City. Das klingt nach Wolkenkratzern, Straßenlärm und Hektik – aber auch nach Freiheit und Abenteuer. All das hat Familie Lersch vor zehn Jahren zwar nicht gesucht, aber sie haben es bekommen: durch einen Umzug in die USA. Verbindung zur Heimat Deutschland haben sie gehalten – und Holger Lersch (46) hat die Bande noch verstärkt: mit einem Informatik-Studium an der FernUniversität in Hagen. Vor einigen Wochen kam seine Bachelor-Urkunde per Einschreiben bei ihm an.

„Die FernUni ist schon eine tolle Sache, insbesondere für mittelalte Kerle wie mich“, lacht er im Videotelefonat zur besten Kaffeezeit: an der amerikanischen Ostküste ist es 9 Uhr am Morgen, in Deutschland 15 Uhr am Nachmittag. Sechs Jahre hat er bis zum Bachelor-Abschluss gebraucht, eingeschrieben hat er sich als beruflich Qualifizierter. Er wollte seine Fahrzeit im Zug zur Arbeit sinnvoll füllen und es sich selbst beweisen, ein Studium schaffen zu können. Mit einem Augenzwinkern sagt er: „Ich wollte den Bachelor unbedingt vor meiner Tochter ablegen. Die ist jetzt 16.“ Längst ist er vom System FernUniversität überzeugt und macht mit dem Master in Wirtschaftsinformatik weiter.

Karriere im IT-Business

„Für die berufliche Karriere brauche ich den Studienabschluss nicht“, bekennt Lersch. Die Leiter hat er auch ohne erklommen und arbeitet inzwischen als Vice President Associate Director Solutions für eine IT-Firma, die Finanzmarktdaten aufbereitet, in Bezug zueinander setzt und die so korrelierten Datensätze weiterverkauft. Mit seinem Team erarbeitet er individuelle Lösungen – vom Entwurf bis zur Entwicklung der Software, die die Daten in das kundenspezifische Web einspielt. „Fachlich passte das Informatikstudium also gut und mit dem neuen wirtschaftlichen Schwerpunkt kann ich im Studium meine Kenntnisse in die Richtung vertiefen.“

Portrait von Holger Lersch Foto: Holger Lersch
„Die FernUni ist schon eine tolle Sache, insbesondere für mittelalte Kerle wie mich.“

Ursprünglich hat der gebürtige Eifeler eine Ausbildung zum staatlich geprüften Assistenten für Produktinformatik absolviert, hat Werkzeuge, Maschinen und Ampeln programmiert. Nach dem Fachabitur und einem abgebrochenen E-Technik-Studium arbeitete er freiberuflich als Tontechniker. Ende der 1990er Jahre sattelte er um und kehrte zum Programmieren zurück. „Seither stecke ich in dem Business fest.“

Dieses Business hat ihn und seine Familie in die USA gebracht – und damit an die FernUni. „Ich wollte gern mal für ein Jahr im englischsprachigen Ausland leben und arbeiten“, erzählt Lersch. Über ehemalige Arbeitskollegen, die in New York City (NYC) lebten, ergab sich die Gelegenheit dazu. Damals vor zehn Jahren waren die Kinder klein, „inzwischen sind sie hier festgewachsen.“ Die Familie lebt in einem Dorf nördlich von NYC; vor Corona pendelte Lersch mit dem Zug in die Metropole. Vor sechs Jahren nahm er Studienbriefe und Notebook mit an Bord, nutzte die Fahrzeit zum Studieren. Das Abteil wurde sein fester Lernort. „Der Rest war flexibel, wie es Familie und Job eben zugelassen haben. Das Fernstudium erfordert auf jeden Fall Selbstdisziplin.“

FernUni im Video

Im zurückliegenden Corona-Jahr – seit März 2020 arbeitet er im Homeoffice – schrieb er seine Bachelor-Arbeit, auf Englisch. Hauptlektorin war seine Tochter. „Im Wesentlichen“, sagt Lersch rückblickend, „ist man im Fernstudium auf sich allein gestellt.“ Deshalb rät er anderen Fernstudierenden, die Möglichkeiten moderner Kommunikation zu nutzen: „Verbindet euch über alle möglichen Kanäle, besorgt euch alte Klausuren, rechnet gemeinsam Aufgaben durch, besprecht sie“, sagt er im Hinblick aufs Informatik-Studium. „Haltet Ausschau nach Mentoriaten und vor allem auch Videotutorials.“ Seine Tipps und Tricks zum Studium an der FernUni teilt er in einem Video – mit sonorer Stimme und rheinischem Zungenschlag.

„Verbindet euch über alle möglichen Kanäle, besorgt euch alte Klausuren, rechnet gemeinsam Aufgaben durch, besprecht sie.“

Holger Lersch

„Ohne die Hilfe übers Netz hätte ich es nicht hinbekommen“, meint er. Für ihn persönlich waren auch Lernkärtchen wichtig. Bis zum Abschluss hat er damit einen Schuhkarton gefüllt. Besonders waren immer die Momente, in denen Lersch die Studienbriefe in der Post hatte. „Das Studium beginnt am Briefkasten“, meint er. Sich in Hagen einzuschreiben, war für Holger Lersch ein Rechenexempel: „In den USA zu studieren ist sehr, sehr teuer.“ Vom Ausland an der FernUni zu studieren, kostet auch ein wenig mehr als von Deutschland aus. „Klausuren konnte ich im Goethe-Institut in New York ablegen. Für die Klausuraufsicht fallen Gebühren an und eventuell Reisekosten bis zum nächstmöglichen Klausurort.“

Einmal hat er die FernUni live gesehen. 2018 legte er eine mündliche Prüfung auf dem Campus in Hagen ab. „Das musste ich mir einmal gönnen, ebenso wie das anschließende Essen in der Mensa“, kommentiert er den Besuch.

Zwei Welten

Im Wintersemester 2020/21 hat Lersch ein Leerlauf-Semester, da er die Studienordnung gewechselt hat. Ins Firmenbüro kann er ohnehin frühestens im Juni zurückkehren – und damit in seine gewohnte Lernumgebung, den Zug.

Die freie Zeit, die er hat, nutzt er für Wanderungen im Wald und am Fluss. Bis zum Hudson River sind es 20 Minuten. Seine Outdoorerlebnisse hält er auch im Video fest. So nimmt seine Familie in Deutschland am Leben der Ausgewanderten teil. Für sein Heimatdorf in der Eifel betreut er sei jeher die Internetseite. „Das verbindet und ich bekomme die Entwicklungen mit.“

Holger Lersch bewegt sich in zwei Welten parallell – und es funktioniert. „Leben in New York, studieren im Pott“ steht unter seinem Video über die FernUni.

Stand: April 2021