Markus Siedenberg

Ein Mann, der ein Buch in den Händen hält, blickt nach vorne in Richtung Kamera. Foto: FernUniversität
Markus Siedenberg

Musik, Philosophie, Literaturwissenschaft, Geschichte und Mathematik: Es ist eine interessante Bandbreite von Studiengängen, die Markus Siedenberg studiert hat oder studiert. Wie passen sie zusammen? Warum studierte bzw. studiert er das? Und warum an der FernUniversität in Hagen? Für den 46-Jährigen ist seine Fächerkombination völlig logisch. Ein wichtiger gemeinsamer Nenner ist dabei die Mathematik, insbesondere der „Goldene Schnitt“.

Zunächst studierte der Mülheimer an der Folkwanghochschule der Künste in Essen Klavier, Musikpädagogik und Musikwissenschaft. 2017 wurde er mit einem Thema über Beethovens letzte Sonate promoviert. An der FernUniversität schloss er 2017 den Masterstudiengang Philosophie ab. Sein Ziel ist jetzt, zu einem Thema aus der Philosophie der Biologie an der FernUniversität zu promovieren. Zudem schreibt er gerade an seiner Masterarbeit im FernUni-Studiengang Europäische Moderne mit Masterabschlüssen in Literaturwissenschaft und in Geschichte, um hier eine „Bologna-Qualifikation“ für beide Fächer zu erhalten. Sein Thema soll von der deutschen Kolonialgeschichte handeln. „Zudem habe ich im Wintersemester 2018/19 mit Mathematik mit dem Nebenfach Informatik angefangen“, erzählt er.

Logischer Zusammenhang der Fächer

„Der Zusammenhang meiner Studienfächer ergibt sich für mich dadurch, dass sie sich in der Wissenschaftsgeschichte aus der Philosophie, also erstens aus Logik und Mathematik, zweitens aus der Philosophie der Natur und drittens aus der Philosophie des Geistes abgekoppelt haben“, erläutert Dr. Siedenberg. „Alles hat also im Grund eine gemeinsame Wurzel und die Philosophie – zumindest einige Philosophen – versucht bis heute, das Gemeinsame, das Gesamte zu überschauen. Aber aus einer distanzierteren Warte als die Fachwissenschaftler, aus der man einen größeren Bereich überschauen kann.“

Wie weit die Verbindungen reichen, macht er an Musik und Mathematik deutlich: In seiner musikwissenschaftlichen Dissertation ging es u.a. um den „Goldenen Schnitt“. Dieser galt als ein ideales Prinzip, um ästhetische Proportionen zu erreichen: Eine Größe, z.B. eine Strecke oder eine Zeiteinheit, wird so geteilt, dass sich die längere Teilstrecke zur kürzeren so verhält wie die Summen der beiden Strecken zum längeren Teil. Das Verhältnis ist jeweils etwa 2:1. „Die Verhältnisse ganzer Zahlen, der Goldene Schnitt, spielen in der Musik eine große Rolle“, fährt Siedenberg fort. Bedeutung hat dieser auch in Literatur, Malerei, Fotografie, Kunst und Architektur. Ist z.B. das Hauptmotiv eines Bildes aus der Mitte nach einer Seite und nach oben oder unten verschoben, wird es als harmonisch wahrgenommen.

Zahlentheorie liegt auch der realen Welt zugrunde

Sogar in Philosophie und in der Biologie bei Pflanzenblättern und -blüten spielt der Goldene Schnitt eine Rolle. Selbst das Weltall ist laut Siedenberg mathematisch-physikalisch organisiert: „Jan Boeyens und Demetrius Levendis haben erstmalig gezeigt, dass Physik und Kosmologie in einem bisher unbekannten Ausmaß auf zahlentheoretischen Grundlagen fußen. Z.B. befinden sich am Ende unserer Reihe stabiler Elemente die Protonen und die Neutronen im Verhältnis des ‚Goldenen Schnittes‘ – das ist alles kein Zufall! Die Zahlentheorie liegt auch der harten Physik unserer realen Welt zugrunde, weil sie häufig auftretende, sinnvolle Organisationsformen von Materie abstrakt formulieren kann.“

Von der Philosophie war es kein weiter Weg zur Geschichte: „Im Philosophiestudium habe ich mich mit Hegel beschäftigt, der ein großer Geschichtsphilosoph war. Einige Philosophen des 19. Jahrhunderts haben einmal sinngemäß gesagt, dass der liebe Gott in der Geschichte auf dem Weg zu sich selbst sei. Erst in der Geschichte verwirklichen sich gewisse Wesenheiten – sie sind nicht einfach da, sondern sie manifestieren erst sich im Laufe der Zeit.“ Auch In den metrischen Abläufen der Geschichte fand Siedenberg den Goldenen Schnitt wieder: In Kriegen entscheidet sich oft nach zwei Dritteln der Länge, wer gewinnt (dieser Zeitpunkt wird nach dem preußischen Militärwissenschaftler Carl Philipp Gottlieb von Clausewitz "Kulminationspunkt" genannt), bei einem neunjährigen Krieg also nach sechs Jahren.

„Ich lerne gerne autodidaktisch mit dem sehr guten FernUni-Material. Natürlich muss man weitere Literatur konsultieren und die Seminare besuchen."

Markus Siedenberg

Bezug von Geschichte und Literatur im FernUni-Studium verankert

Auch der gegebene Bezug zwischen Geschichte und Literatur ist, so Siedenberg, im Hagener Studium fest verankert: „Im 18. und 19. Jahrhundert, als sich die moderne Geschichtswissenschaft etablierte, entwickelte sich parallel dazu die Gattung des Romans. Im 18. Jahrhundert wurden sogar einige geschichtliche Habilitationsschriften als ‚fiktionale Literatur‘ veröffentlicht und umgekehrt. Auch Golo Mann hat im 20. Jahrhundert eine Wallenstein-Biografie geschrieben, in die er viel literarisch-subjektive Fiktion einbrachte. Er reflektiert so die gemeinsame Wurzel von Geschichtsschreibung und Literatur, die bis in die Antike zurückreicht.“

Alles (mit Ausnahme der Musik) an der FernUniversität zu studieren resultiert zum einen daraus, dass Siedenberg sich „umfassend ausbilden lassen wollte“, dass die FernUniversität bekannt ist und das geeignete breite Fächerspektrum hatte: „Toll, dass die FernUni alles bietet.“ Zudem bezeichnet Siedenberg sich selbst als „Selbstlern-Typ“: „Ich lerne gerne autodidaktisch mit dem sehr guten FernUni-Material. Natürlich muss man weitere Literatur konsultieren und die Seminare besuchen. Das hat mir sowohl in der Philosophie wie in Literatur und Geschichte sehr gut gefallen.“

Professur im Bereich Interdisziplinarität Berufsziel

Für sein Studienportfolio gibt es auch einen beruflichen Grund: Sein Ziel ist eine Professur im Bereich Interdisziplinarität: „Dafür ist es wichtig, in mehreren Fächern bewandert zu sein. Ich publiziere auch in diesen.“

Für seine wissenschaftliche Ausbildung hat Siedenberg, der verheiratet ist und fünf Kinder hat, seine Tätigkeit als freiberuflicher Lehrer erheblich einschränken müssen. Auch als Pianist kann er nur noch selten tätig sein. Jedoch beteiligt er sich weiterhin an internationalen Wettbewerben. So gewann er beim III. Future Stars International Piano Competition 2018 (USA) den Sonderpreis „Best Original Composition“.

Gerd Dapprich | 28.06.2019