„Brexit“ und Beste der Besten im Blickpunkt

Der Dies Academicus stand inhaltlich ganz im Zeichen des „Brexit“. Außerdem wurden Absolventinnen und Absolventen, Promovendinnen und Promovenden ausgezeichnet sowie der Lehrpreis überreicht.


Eine Frau mit Amtskette: die Rektorin der FernUniversität Professor Ada Pellert Foto: FernUniversität
Rektorin Prof. Ada Pellert

Ganz im Zeichen des „Brexit“ stand der erste Teil des Dies Academicus 2017 der FernUniversität in Hagen, zu dem Preisträgerinnen und Preisträger mit Angehörigen, zahlreiche Beschäftigte aus allen Bereichen, Studierende sowie Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aus der Region kamen. Der Festvortrag und die Podiumsdiskussion hatten enge Bezüge zu der rechtswissenschaftlichen Brexit-Konferenz an den beiden vorherigen Tagen. Zum Abschluss wurden Absolventinnen und Absolventen sowie Promovendinnen und Promovenden für ihre exzellenten Leistungen ausgezeichnet. Vergeben wurden auch der DAAD-Preis und der Lehrpreis der FernUniversität. Mitveranstalterin des Dies war die Gesellschaft der Freunde der FernUniversität e.V.

IllustrationEine große Zahl von Personen in einem Saal Foto: FernUniversität
Wieder kam eine große Zahl von Angehörigen und Freundinnen und Freunden der FernUniversität zum Dies Academicus.

Festvortrag zum Brexit

In seinem Festvortrag sprach Prof. Dr. Andreas Haratsch einige der zahlreichen grundlegenden Fragen an, die im Zusammenhang des Brexit mit demokratischem Prinzip und repräsentativer parlamentarischer Demokratie diskutiert werden können. Dabei ging es dem Inhaber des des Lehrstuhls für Deutsches und Europäisches Verfassungs- und Verwaltungsrecht sowie Völkerrecht an der FernUniversität nicht darum, ob der Brexit die „richtige“ Entscheidung war. Da sich die Mehrheit der Wählenden beim Referendum aber so entschieden hätte, werde sie nun umgesetzt. In seinem Vortrag kam Prof. Haratsch zu Ergebnissen, die viele Anwesende erstaunten.

Ein Mann spricht in ein Mikrofon Foto: FernUniversität
Dr. Patrick Ernst Sensburg
Ein Mann spricht in ein Mikrofon Foto: FernUniversität
Prof. Andreas Haratsch
Ein Mann spricht in ein Mikrofon Foto: FernUniversität
Dr. Andreas Hoeschen
Eine Frau spricht in ein Mikrofon Foto: FernUniversität
Anne Wesemann

Auch für Wissenschaft Brexit-Verluste

Für die Podiumsdiskussion zu dem hochaktuellen Thema unter der Moderation von Prof. Ada Pellert konnte die FernUniversität vier hochkarätige Fachleute gewinnen, die den Brexit aus wissenschaftlicher und politischer Sicht ebenso wie aus eigenem Erleben beleuchteten:

Prof. Dr. Patrick Ernst Sensburg (CDU) sieht unter anderem, dass „bei der Bildungs- und Wissenschaftspolitik mit Großbritannien ein wirklich exzellenter Partner Deutschlands verloren gehen kann“. Sensburg ist als Bundestagsabgeordneter u.a. Vorsitzender des Unterausschusses Europarecht und der AG Brexit. Der Professor für öffentliches Recht und Europarecht an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW war Wissenschaftlicher Mitarbeiter der FernUniversität.

„So paradox es auch klingt, der Brexit könnte möglichweise die Rettung der EU sein, weil er deutlich macht, dass etwas im Argen liegt – es besteht Reformbedarf“, meint Prof. Andreas Haratsch. Wenn die EU erkenne, dass ein „Weiter so“ sie nicht weiterführt, könne dies durchaus zu einer Reform führen, durch die Großbritannien in der einen oder anderen Form weiter mitarbeite. Haratsch ist Inhaber des Lehrstuhls für Deutsches und Europäisches Verfassungs- und Verwaltungsrecht sowie Völkerrecht und stellvertretender Direktor des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften.

Für den DAAD war es nach den Worten von Dr. Andreas Hoeschen, der von 2008 bis 2014 die Außenstelle des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in London leitete, war es bemerkenswert, dass die britische Rektorenkonferenz vor dem Referendum klar Stellung für den Verbleib in der EU bezogen hat. Dafür gibt es mehrere Gründe: Viele Hochschullehrer an britischen Hochschulen kommen aus der EU, alleine 5.500 aus Deutschland. Selbst, wenn sie bleiben dürften, würde zukünftig die Zugänglichkeit erschwert werden. Zweitens habe Großbritannien mehr Forschungsmitteln eingenommen als selbst dafür eingezahlt. Und das europäische ERASMUS-Programm sei für die internationale Mobilität britischer Studierender enorm.

Anne Wesemann LL.M., Dozentin für Europarecht und Vergleichendes Verfassungsrecht an der Open University, hat durch den Brexit sehr viel mehr Arbeit. „Persönlich ist es natürlich eine Zeit der Unsicherheit. Da hilft es, wenn man sich selbst mit europäischen Staatsbürgerschaften auskennt und selbst Juristin ist.“ Was politisch gesagt werde, verbreite jedoch bei vielen die Angst, das Bleiberecht zu verlieren. Die meisten Nicht-Briten haben – im Gegensatz zu ihr – Angehörige mit britischem Pass.

Illustration Foto: FernUniversität
AStA-Vertreterin Petra Lambrich

Große Nähe

Petra Lambrich sprach im Grußwort, das sie für den AStA der FernUniversität hielt, vor allem die Absolventinnen und Absolventen an: Die FernUni sei zunächst einmal für viele sehr fern, „Ihr habt aber sicherlich ganz schnell gemerkt, wie groß die Nähe ist“ – durch Moodle, Facebook und Präsenzveranstaltungen. „Man merkt, dass da eine ‚kleine Familie‘ ist. Wir merken, wie bemüht alle Hochschulangehörigen sind, um uns Studierende zum Ziel, zum Abschluss zu führen.“

Rückblick

Bei ihrem kurzen Rückblick auf das akademische Jahr stellte die Rektorin fest, dass sowohl die FernUniversität insgesamt und als auch alle Fakultäten mit ihren Aktivitäten „Bildung durch Wissenschaft“ häufig beispielhaft darstellten. Als „gesellschaftlich wirkmächtiges Thema“ beschäftigte sie insbesondere die Digitalisierung. Mit ihr befasst sie sich forscherisch-reflexiv wie auch neugierig ausprobierend in einem entstehenden interdisziplinären Schwerpunkt. Zudem will die Hochschule in Kooperation mit der Stadt Hagen Unternehmen in der Region bei der Digitalisierung in einer „Offenen Werkstatt“ unterstützen. Ein weiterer Schwerpunkt von Wirtschaft und Gesellschaft wie auch der FernUniversität sind „Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit“.

Illustration Foto: FernUniversität
Die Preisträgerinnen und Preistr#ger mit Rektorin Prof. Ada Pellert (vorne, Mitte) und Frank Walter, Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde der FernUniversität.

Exzellenz gewürdigt

Krönender Abschluss des Dies war die Auszeichnung exzellenter Wissenschaftlicher Mitarbeitender, Absolventinnen und Absolventen sowie Promovendinnen und Promovenden. Die erfolgreichen Studentinnen und Studenten hatte AStA-Vertreterin Petra Lambrich in ihrem Grußwort direkt angesprochen: Die FernUniversität sei zunächst einmal für viele sehr fern, „Ihr habt aber sicherlich ganz schnell gemerkt, wie groß die Nähe ist“ – durch Moodle, Facebook und Präsenzveranstaltungen. „Man erkennt, dass da eine ‚kleine Familie‘ ist. Wir merken, wie bemüht alle Hochschulangehörigen sind, um uns Studierende zum Ziel, zum Abschluss zu führen.“

Preise für hervorragende Examensarbeiten – gestiftet von der Gesellschaft der Freunde der FernUniversität e.V. – erhielten:

Tobias Timmerscheidt (Köln), Bachelorarbeit „Unterlassungsansprüche und ihre Durchsetzung im Anwendungsbereich des Europäischen Patentgerichtsübereinkommens und im deutschen Recht“, Prof. Dr. Sebastian Kubis, Rechtswissenschaftliche Fakultät.

Silvia Weber (Friedberg/Hessen), Bachelorarbeit „Weiterentwicklung der beruflichen Humankompetenz bei älteren AltenpflegerInnen“, Prof. Dr. Uwe Elsholz, Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften.

Bettina Sader (Oberursel), Bachelorarbeit „Konzeptuelle Erweiterung einer beschreibungslogischen Ontologie zur medikamentösen Brustkrebstherapie“, Prof. Dr. Christoph Beierle, Fakultät Mathematik und Informatik.

Robert Posthumus (Berlin), Masterarbeit „Bieter- und Arbeitsgemeinschaften – Kartellrechtliche Zulässigkeit und Grenzen“, Prof. Dr. Barbara Völzmann-Stickelbrock, Rechtswissenschaftliche Fakultät.

Alexander Christoph Leipold (Berlin), Masterarbeit „Ökonomische Ungleichheit und der Einfluss von Diskurskoalitionen auf Vermögensbesteuerung in Deutschland, 1995-2015. Eine Diskursnetzwerkanalyse von Policy-Wandel in der Steuerpolitik“, Dr. Kathrin Loer / Prof. Dr. Annette Elisabeth Töller, Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften.

Maximilian Baran Freiherr von Pechmann (Johnson City/Tennessee, USA), Masterarbeit „Bose-Einstein-Kondensation in einem Zufallspotential“, Prof. Dr. Wolfgang Spitzer, Fakultät Mathematik und Informatik.

Dr. Sebastian Stiller (Meißenheim), Bachelorarbeit „Erweiterungen des Unternehmenswertmodells nach Merton und deren Eignung zur Erklärung von Credit Spreads während Krisenphasen“, Prof. Dr. Rainer Baule, Fakultät Wirtschaftswissenschaft.

Michael Naumann (Bad Zwesten), Masterarbeit „Zur Berücksichtigung des Sprungrisikos bei der Bewertung von Bonus-Zertifikaten“, Prof. Dr. Rainer Baule, Fakultät Wirtschaftswissenschaft.

Auf einem Foto sind eine Frau und ein Mann mit Blumenstrauß zu sehen, auf dem anderen eine Frau mit Blumenstrauß. Foto: FernUniversität
Nicole Hausmann und Dr. Daniel Schubbe-Åkerlund (links) erhielten den Lehrpreis der FernUniversität, Joanna Lorenz den DAAD-Preis.

Preise für die besten Promotionsarbeiten – gestiftet von der FernUniversität – erhielten:

Dr. Jane Hergert (Halle), „Personality, Situation, and Infidelity in Romantic Relationships“, Prof. Dr. Bernd Marcus, Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften (jetzt Universität Rostock).

Dr. Köksal Sahin (München), „Risiko als Vertragsgegenstand – Die Reform der vorvertraglichen Anzeigepflicht im Japanischen Versicherungsvertragsrecht“, Prof. Dr. Hans-Peter Marutschke und Prof. Dr. Barbara Völzmann-Stickelbrock, Rechtswissenschaftliche Fakultät.

Dr. Dominik Ballreich (Solingen), „Stable and efficient cubature-based filtering in dynamical systems“, Prof. Dr. Hermann Singer und Prof. Dr. Wilhelm Rödder, Fakultät Wirtschaftswissenschaft.

Dr.-Ing. Stefan Andreas Widmann (Freudenberg/Bayern), „Eine Datenspezifikationsarchitektur – Methoden zur Datenflussüberwachung in sicherheitsgerichteten Echtzeitsystemen“, Prof. Dr. Dr. Wolfgang Halang, Fakultät Mathematik und Informatik, und Prof. Dr. Matjaz Colnaric.

Den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes erhielt Joanna Lorenz.

Mit dem Lehrpreis der FernUniversität – gestiftet von der Gesellschaft der Freunde der FernUniversität e.V. – wurden Nicole Hausmann und Dr. Daniel Schubbe-Åkerlund für ihr vorbildliches Lehr-/Lernkonzept des „Moduls K – Kulturwissenschaftliche Grundlagen“ des Studiengangs B.A. Kulturwissenschaften ausgezeichnet.

Gerd Dapprich | 16.11.2017