Prof. Günter Bemmann verstorben

Als einer der ersten Professoren folgte er 1978 dem Ruf an die FernUniversität in Hagen auf den Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Strafvollzugsrecht.


Foto: FernUniversität, Archiv
Im Dezember 1997 ehrte der Fachbereich Rechtswissenschaft Prof. Günter Bemmann mit einem Symposium.

Mit großer Bestürzung hat die Rechtswissenschaftliche Fakultät vom Tod von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Günter Bemmann am 16. März erfahren. Als einer der ersten Professoren folgte er 1978 dem Ruf an die FernUniversität in Hagen auf den Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Strafvollzugsrecht. Von 1983 bis 1985 war er Dekan des damaligen Fachbereichs Rechtswissenschaft. 1993 wurde er emeritiert, blieb der FernUniversität aber auch weiterhin eng verbunden.

So engagierte Günter Bemmann sich in der an seinem früheren Lehrstuhl angebotenen, noch von ihm aufgebauten Wahlstellenausbildung für Referendare und hielt Vorlesungen und Seminare am damaligen gemeinsamen Studiengang mit der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. Bis in die letzte Zeit besuchte er seine Hagener Fakultät und informierte sich über deren Fortentwicklung. Dass sie in jüngster Zeit auch einen Studiengang für die Erste juristische Prüfung anbietet, hat ihn erfreut, denn es gehörte zu den Enttäuschungen seines wissenschaftlichen Lebens, dass dieser Studiengang – entgegen den Plänen, die zur Zeit seines Rufes nach Hagen noch existierten – damals nicht aufgebaut werden konnte.

Günter Bemmann wurde am 15. Dezember 1927 in Verden/Aller geboren. Da er bereits als 15-jähriger als Flakhelfer in den Kriegsdienst eingezogen und bis Kriegsende als Soldat verpflichtet wurde, konnte er erst 1947 sein Abitur ablegen. Nach einigen Jahren Tätigkeit an einer Bank studierte er Rechtwissenschaft in Göttingen. In Niedersachen bestand er auch die erste und die zweite juristische Staatsprüfung. Bei dem renommierten Strafrechtslehrer Paul Bockelmann promovierte er mit einer Dissertation über die sogenannten Objektiven Bedingungen der Strafbarkeit. Seinem akademischen Lehrer folgt er danach an die Universität Heidelberg, wo er mit einer Arbeit über das Verbrechen der Rechtsbeugung für die Fächer Strafrecht und Strafprozessrecht habilitiert wurde. Nach Lehrstuhlvertretungen in Saarbrücken, München und Köln folgte er einem Ruf an die junge Universität Augsburg, wo er kurz darauf bereits Dekan der juristischen Fakultät wurde.

Besondere Verdienste hat Günter Bemmann sich um den wissenschaftlichen Austausch zwischen deutschen und griechischen Strafrechtlern erworben. Die Kontakte nach Griechenland gehen auf sein unerschrockenes Engagement für griechische Kollegen während der Zeit der griechischen Militärdiktatur zurück. Die juristische Fakultät der Universität Thessaloniki hat ihm 1980 die Ehrendoktorwürde verliehen. Zusammen mit griechischen Kollegen rief er die deutsch-griechischen Strafrechtssymposien ins Leben; die in Griechenland und in Hagen gehaltenen Vorträge sind in mehreren Bänden dokumentiert.

Ein weiteres Engagement Günter Bemmanns galt nach der deutschen Wiedervereinigung dem Aufbau der Juristenausbildung in den neuen Bundesländern. Er war Mitglied im Rat für die Wiedereröffnung der juristischen Lehre und Forschung an der Universität Rostock, und in Rostock noch mehrere Jahre als Gastprofessor tätig. Auch diese Universität ehrte ihn mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde.

Die FernUniversität in Hagen hat Prof. Günter Bemmann viel zu verdanken. Ihr Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.

Gerd Dapprich | 27.03.2018