Netzwerker für 42 Hochschulen in NRW

Der Politikwissenschaftler Dr. Alexander Classen (43) leitet seit März die Geschäftsstelle der Digitalen Hochschule NRW. Sein Büro hat er auf dem Campus der FernUniversität.


Portrait eines Mannes vor dem Verwaltungsgebäude U47 Foto: FernUniversität
Dr. Alexander Classen leitet die Geschäftsstelle der Digitalen Hochschule NRW. Von Hagen aus arbeitet er eng mit den Mitgliedshochschulen zusammen.

Neu in Hagen, neu in Nordrhein-Westfalen und neu auf dem Campus der FernUniversität: Dr. Alexander Classen (43) leitet seit Anfang März die Geschäftsstelle der Digitalen Hochschule NRW. Zuvor hat der promovierte Politikwissenschaftler in Stuttgart das Hochschulnetzwerk Digitalisierung der Lehre Baden-Württemberg koordiniert.

FernUniversität: Herzlich willkommen, Herr Classen. Die Geschäftsstelle der Digitalen Hochschule NRW hat ihren Sitz in Hagen und Bonn. Sie haben Ihr Büro auf dem FernUni-Campus. Wie profitiert die Hagener Hochschule davon?

Alexander Classen: Die Geschäftsstelle ist eng verbunden mit der Rektorin der FernUniversität, Prof. Ada Pellert, die gleichzeitig Vorstandsvorsitzende der Digitalen Hochschule NRW ist. In unserer Kooperationsgemeinschaft ist die FernUni zwar eine von 42 Hochschulen. Ihre Bedeutung ist allerdings zentral. Sie verfügt über langjähriges Knowhow zu digitalen Lehrformaten und bildet damit den passenden Rahmen für die Ansiedlung der Geschäftsstelle. Ein weiteres Plus ist ihre zentrale Lage in NRW. Die nächste Konferenz der Digitalen Hochschule NRW findet am 20. November erneut in Hagen statt. Das ist eine ideale Möglichkeit für die FernUniversität, sich in Fragen der Digitalisierung zu präsentieren.

FernUniversität: Ihre Kolleginnen aus der Geschäftsstelle sitzen in Bonn, Sie in Hagen. Sind Sie ein Einzelkämpfer?

Alexander Classen: Physisch sieht das auf den ersten Blick so aus. Faktisch ist das Gegenteil der Fall. Ich verstehe mich als Netzwerker. In die Arbeit der Gremien der Digitalen Hochschule NRW sind Personen aus allen Mitgliedshochschulen involviert. Die Geschäftsstelle hält organisatorisch die Fäden zusammen und horcht inhaltlich in die Hochschulen hinein. Daher bin ich im ständigen Austausch mit zahlreichen Beteiligten. Das reicht von den Arbeitsgemeinschaften der Prorektoren, über die Landesrektorenkonferenz bis zu Beschäftigten der Landespolitik. Entsprechend bin ich viel unterwegs, mal an den Hochschulen direkt vor Ort, mal virtuell. Insofern sehe ich mich als Kämpfer für die Sache, für die gemeinsamen Ziele, die die Grundlage unserer Kooperation bilden.

FernUniversität: Wie lässt sich diese gemeinsame Sache umschreiben, die 42 Mitglieder zum Kooperieren motiviert?

Alexander Classen: Der Entwicklungsstand der Mitgliedshochschulen in Sachen Digitalisierung ist alles andere als homogen. Dennoch gibt es zahlreiche Themen, bei denen alle gleichermaßen der Schuh drückt. So unterschiedlich die Hochschulen für sich sind, so gemeinsam ist ihr Bestreben, Chancen der Digitalisierung aufzugreifen und für die Ziele in Lehre, Forschung und Verwaltung einzusetzen. Mit Blick auf Effizienz und Nachhaltigkeit ist es daher sinnvoll, nach gemeinsamen Lösungen zu suchen.

Was ist die Digitale Hochschule NRW?

  • Die Digitale Hochschule NRW (DH-NRW) ist eine Kooperationsgemeinschaft von 42 Universitäten, Fach-, Kunst- und Musikhochschulen aus NRW mit dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Sie steht für einen diskursiven Ansatz zur Beantwortung der Herausforderungen im Kontext eines NRW-weiten Digitalisierungs- und Informationsmanagements an Hochschulen.
  • In den Handlungsfeldern Studium und Lehre, Forschung sowie Infrastruktur und Management werden Strategien entwickelt, Kooperationen und Projekte initiiert sowie nachhaltige, gemeinsame Aktivitäten gefördert. Ausgehend von der aktiv gestaltenden Rolle der Hochschulen ist die Digitale Hochschule NRW damit auch eine Plattform zur gemeinsamen Bearbeitung politisch-strategischer Fragestellungen.

Weitere Infos: www.dh-nrw.de

FernUniversität: Worüber wird denn konkret diskutiert?

Alexander Classen: Mit Studium und Lehre, Forschung sowie Infrastruktur und Management haben wir uns drei Handlungsfelder vorgenommen. Im Bereich Studium und Lehre wollen wir beispielsweise ein hochschulübergreifendes Onlineportal aufsetzen. Es soll bestehende Lernangebote für Studieninteressierte und Studierende bündeln und als Streaming-Plattform dienen. Mit einem Content Marktplatz soll zudem ein Netzwerk für Lehrende geschaffen werden. Dabei werden Ablageorte für frei verfügbare Lehrmaterialen der verschiedenen Hochschulen miteinander technisch verknüpft und Lehrenden zentral zur Verfügung gestellt.

FernUniversität: Und was tut sich in den Handlungsfeldern Forschung und Infrastruktur?

Alexander Classen: Im Handlungsfeld Forschung werden die Hochschulen für eine nationale Forschungsinfrastruktur in Stellung gebracht, die den Austausch und die Nutzung von Forschungsdaten verbessern wird. Mit Blick auf Infrastruktur und Management stehen Thematiken auf der Agenda, die bisher analog erfolgt sind. So sollen die Einschreibung von Studierenden und die Führung von Akten künftig auch digital möglich sein. Aus den Verwaltungen hört man häufig: Was digitalisiert werden kann, muss digitalisiert werden.

FernUniversität: Die erste Förderphase seitens des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW läuft zunächst bis Ende 2021. Was soll bis dahin erreicht werden?

Alexander Classen: Ziel ist es, bis Ende 2021 strategische Zielsetzungen in konkrete Programme zu gießen und die Umsetzung der Kooperationsmaßnahmen anzustoßen. Der Zusammenschluss zur DH-NRW macht Mitgliedshochschulen und Landespolitik bereits jetzt zu Verbündeten beim Thema digitale Hochschulentwicklung. Das sichert eine breite Teilhabe und stärkt die Nachhaltigkeit gemeinsam aufgesetzter Strukturen und Dienste. Ein klarer Vorteil für den Hochschulstandort NRW.

Carolin Annemüller | 29.05.2018