Bibliotheksluft schnuppern – via Lehrvideo

Die Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften erprobt neue Ansätze für Studium und Lehre. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Einsatz von Lehrfilmen und Tutorials.


In Büchern über andere Bücher zu lesen – so sieht meist der Alltag im kulturwissenschaftlichen Studium aus. Etwas Besonderes ist es hingegen, ganz unmittelbar mit historischen Handschriften und Drucken zu arbeiten. Haptisch zu erleben, wie sich Jahrhunderte alte Quellen anfühlen, wie sie beschaffen sind – und was es im direkten Kontakt mit ihnen zu beachten gilt. Solche wertvollen Erfahrungen können Studierende in einem Seminar sammeln, das das Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas der FernUniversität in Hagen gemeinsam mit der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel anbietet. Die Kooperation besteht bereits seit über 30 Jahren und findet in der Regel jährlich statt, zuletzt zum Thema „Epochen des Bibelgebrauchs“.

Foto: FernUniversität Video: FernUniversität
Wie fühlt es sich für Fernstudierende an, mit bis zu 500-Jahre alten Handschriften und Drucken zu arbeiten? Das Video gibt einen Einblick.
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Die Präsenzseminare sind äußerst beliebt, die Nachfrage nach Plätzen hoch. Einblicke in die Bibliothek waren deshalb nur einer bestimmten Zahl Studierender vorbehalten. Das ändert nun ein neues digitales Angebot: eine Reihe von Lehrvideos, aufgenommen direkt in Wolfenbüttel. Sie sollen im Laufe des Jahres auf der Online-Plattform Moodle zur Verfügung gestellt und in das Lehrangebot eingebettet werden. Studierende haben innerhalb verschiedener Module Zugriff auf die Filme, die als Ergänzung zu den regulären Seminarinhalten gedacht sind.

Kostbare Sammlungsbestände

Gefilmt hat die Lehrvideos ein Team der Abteilung Digitale Medien Services des Zentrums für Medien und IT. Vor der Kamera standen – in unterschiedlichen Aufnahmeszenarien – Forschende des Lehrgebiets Geschichte und Gegenwart Alteuropas: Prof. Dr. Thomas Sokoll, Dr. Julia Breittruck und Lehrgebietsleiterin Prof. Dr. Felicitas Schmieder vermitteln ihr Wissen anhand von Exponaten und Sammlungsbeständen, also historischer Bibeln, Karten, Globen und anderer Schätze. Weitere Formate geben den Studierenden arbeitspraktische Einblicke in den Bibliothekbetrieb und zeigen, wie es im Lesesaal, dem Archiv oder der kostbaren Sammlung aussieht. Zusätzlich gibt es exklusive Interviews und Führungen mit verschiedenen Expertinnen und Experten – etwa der Restauratorin oder dem Direktor der Bibliothek.

Portraitfoto Foto: FernUniversität
Fachmediendidaktiker Markus Kroll

Unterstützung durch Fachmediendidaktiker

„Natürlich ist das kein echtes ‚Dabeisein‘. Dennoch vermitteln wir Eindrücke davon, wie es ist, vor Ort mit historischen Quellen zu arbeiten“, sagt Markus Kroll, der an der Fakultät für Kultur- und Soziwalwissenschaften (KSW) als Fachmediendidaktiker tätig ist. Im Pilotstudiengang B.A. Kulturwissenschaften überführt er Konzepte zur Digitalisierung in die alltägliche Lehrpraxis. Er betreut auch die Aufarbeitung des Gastseminars in Wolfenbüttel. Den Rahmen für seine Arbeit bildet das hochschulweite Projekt Lehrbetrieb, dessen Ziel es ist, das Fernstudium schrittweise zu digitalisieren.

Zahlreiche Verbesserungen

Das Programm aus Wolfenbüttel ist nur eines von vielen Projekten zur Digitalisierung der Lehre im Pilotstudiengang. Viele Maßnahmen betreffen das Angebot auf der Online-Plattform Moodle, aber auch der Studienbrief als solcher erneuert sich in einigen Punkten. So wird er beispielsweise zugunsten der Barrierefreiheit an die technischen Anforderungen von Screen-Readern angepasst.

Ein weiteres Entwicklungsfeld liegt im Bereich „Audio-Video-Content“, erklärt Kroll: „Wir wollen die Möglichkeiten, die wir hier vor Ort haben noch besser nutzen – zum Beispiel das Video- und das Tonstudio der FernUni.“ So werden vermehrt „Screencasts“ zur Vermittlung elementarer Themen eingesetzt: Die gefilmten Tutorials erklären beispielsweise leicht verständlich die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens. Zudem ergänzen „Hörbriefe“, in denen die Inhalte der Studienbriefe vertont sind, das Angebot. „Wir eröffnen damit alternative Lernwege“, erläutert der Fachmediendidaktiker. „Das kommt bei den Studierenden sehr gut an, gerade in den Einführungsmodulen.“

Distanz verringern

Aber auch niederschwellige Elemente, wie eine persönliche Video-Begrüßung neuer Studierender durch ihre Modulverantwortlichen, hält Kroll für eine sinnvolle Erweiterung. „Solche Angebote verringern die Anonymität und Distanz zwischen Studierenden und Lehrenden.“

Übrigens ist es nicht zu spät für alle, die nach den spannenden Videos aus Wolfenbüttel oder der Exkursion noch mehr über die Arbeit mit historischen Quellen lernen wollen: Nahezu alle Bibliotheken und Archive bieten für Studierende Praktikumsplätze an.

Benedikt Reuse | 26.02.2019