„Wie wird der Mensch zum Demokraten?“

Er ist Fachmann für „Quantitative Methoden“ in den Sozialwissenschaften: Markus Tausendpfund. Jetzt hat die FernUniversität den Forscher zum außerplanmäßigen Professor ernannt.


Mann mit Urkunde, lächelnd Foto: FernUniversität
Zum außerplanmäßigen Professor ernannt: Markus Tausendpfund

„Es war wirklich eine aufregende Zeit“, bekennt Markus Tausendpfund und blickt erleichtert zurück: Erst im vergangenen Jahr hat er sich an der FernUniversität habilitiert und die Lehrbefugnis erhalten. In seiner Arbeitsstelle „Quantitative Methoden“ forscht und lehrt er fortan als außerplanmäßiger Professor.

Um den Experten, der 2013 zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften begonnen hat, hat sich inzwischen ein eigenes kleines Team gebildet. Apl. Prof. Tausendpfund deckt mit seinem Knowhow ein breites Feld ab: „Ich sehe mich im Bereich der politischen Soziologie. Die empirischen Methoden, die ich in der Lehre nutze, brauche ich auch in der Forschung“, erklärt er. „Dabei interessiere ich mich am meisten für die politischen Einstellungen und das Verhalten von Bürgerinnen und Bürgern – auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene.“ Was wissen die Menschen über Politik, wie bewerten sie politische Prozesse und wie verhalten sie sich?

Forschung rund ums Thema „Demokratie“

Sein Forscherdrang schlägt sich in zahlreichen Studien und anderen Veröffentlichungen nieder. Beispiel für ein großes aktuelles Projekt ist „Demokratie Leben Lernen 2.0: Politische Sozialisation in der Sekundarstufe I“. Gemeinsam mit seiner Kollegin Prof. Dr. Simone Abendschön von der Justus-Liebig-Universität Gießen forscht Tausendpfund zu den politischen Orientierungen von Kindern der 5. und 6. Klasse. „Wie wird der Mensch zum Demokraten?“, fragt sich der Sozialwissenschaftler. „Wir werden ja nicht als Demokratinnen und Demokraten geboren.“ Vielmehr würden demokratische Werte und Normen von Generation zu Generation weitergegeben.

Im Januar 2022 hat das Team eine erste Befragung von rund 1200 Kindern abgeschlossen, eine zweite Welle folgt im Herbst. Die Erkenntnis, dass sich auch Kinder für Politik interessieren, sei an sich nicht neu – allerdings lag die Forschung dazu im Dornröschenschlaf. „Das Feld lag 30 Jahre lang brach, niemand hat sich darum gekümmert.“ Inzwischen hat der Forschungsstrang wieder an Bedeutung gewonnen. Entsprechend wird das Projekt auch bis 2025 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt.

Wissen weitergeben

Wichtig ist dem Forscher, sein gesammeltes Wissen auch weiterzugeben – auf gut verständliche Weise, zum Beispiel in Einführungswerken und Lehrbüchern. So ist Tausendpfund etwa Herausgeber in der Reihe „Politisches Wissen“ bei Springer VS. Aktuell arbeitet er mit Prof. Dr Bettina Westle von der Philipps-Universität Marburg an einem neuen Sammelband mit dem Titel „Politisches Wissen, Fehlvorstellungen und Ignoranz. Empirische Analysen“. Auch hiermit stößt er bewusst in eine Lücke: „Politisches Wissen der Bevölkerung ist in Europa immer noch ein relativ wenig bearbeitetes wissenschaftliches Themenfeld.“ Auch mit Blick auf Forschungsveranstaltungen engagiert sich der Forscher regelmäßig – eins der großen Themen für die kommenden Monate ist dabei etwa die Europawahl 2024.

„Eine Welt, die wir den Studierenden zeigen wollen“

Seine Fähigkeit, komplexe Themen verständlich zu erklären, spielt auch für die Fernstudierenden eine große Rolle – schließlich ist Statistik für viele ein „Angstfach“. Der Dozent ermutigt die Lernenden, indem er den praktischen Wert empirischer Methoden in den Vordergrund stellt: „Wir gestalten die Lehre anwendungsorientiert, damit die Studierenden Analysen, die ihnen in Fachzeitschriften begegnen, auch selbst interpretieren können.“ Lehre und Forschung gehen somit Hand in Hand. „Das Tolle ist, dass sehr viele Daten da sind – kostenlos verfügbar für unsere Studierenden“, unterstreicht Tausendpfund. „Sie müssen Daten eigentlich gar nicht selbst erheben, es reicht die Kompetenz sie selbständig auswerten zu können.“

Und die Mathematik dahinter? „Letztendlich reicht die Mathekenntnis der Sekundarstufe I. Wir machen nichts mit irgendwelchen Ableitungen und Integralen – das brauchen wir gar nicht“, beruhigt Tausendpfund. „Für alles andere gibt es heutzutage frei verfügbare Statistik-Software, die wir den Studierenden erklären. Damit verschaffen wir ihnen den ersten Einstieg in eine ganz neue Welt – und die kann auch Spaß machen.“

 

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Benedikt Reuse | 11.08.2023