Neues Wissen in der Mikrosoziologie: Festveranstaltung in Coesfeld

Die Ernsting‑Stiftungsprofessur für Mikrosoziologie stellte am Campus Coesfeld aktuelle Forschungen vor und würdigte das Engagement der Ernsting Kunst- & Kultur-Stiftung.


Frau an Pult vor Publikum Foto: Volker Wiciok
Prof. Dr. Dorett Funcke, Ernsting-Stiftungsprofessorin für Mikrosoziologie, eröffnete die Festveranstaltung.

Mit der Festveranstaltung „Wie neues Wissen entsteht“ gab das Lehrgebiet der Ernsting-Stiftungsprofessur einen intensiven Einblick in die eigene Forschungsarbeit und deren vielfältige Ergebnisse. Die Veranstaltung war Teil der Bürgeruniversität Coesfeld, mit der der Campus Coesfeld der FernUniversität in Hagen Bürgerinnen und Bürgern vor Ort einen niedrigschwelligen Zugang zu universitärer Forschung und Lehre bietet.

Langjährige vertrauensvolle Kooperation zwischen Ernsting und FernUniversität

Die Festveranstaltung rückte zugleich die langjährige und vertrauensvolle Kooperation mit dem Unternehmen Ernsting’s Family und der Ernsting Kunst- & Kultur-Stiftung in den Fokus. Bereits seit 2007 werden Stiftungsprofessuren an der FernUniversität in Hagen durch das Unternehmen gefördert. Inhaltlich liegt der Fokus auf dem Themenfeld Familie – einem zentralen gesellschaftlichen Bezugspunkt, der zugleich identitätsstiftend für das Familienunternehmen Ernsting’s Family ist. Die Ansiedlung der Professur am Campus Coesfeld unterstreicht darüber hinaus das besondere Engagement der Stiftung und der Eigentümerfamilie für die Region. Im Februar 2025 war die Kooperation erneut bekräftigt worden: Mit der Unterzeichnung eines neuen Kooperationsvertrags hatte die Ernsting Kunst- & Kultur-Stiftung die Förderung der Professur für Mikrosoziologie noch einmal stark ausgebaut. Über einen Zeitraum von acht Jahren stellt die Stiftung 1,6 Millionen Euro zur Verfügung. Die FernUniversität beteiligt sich mit 560.000 Euro an der Finanzierung der Professur.

Wissenschaft kommt in die Gesellschaft

Eröffnet und moderiert wurde die Festveranstaltung von der geförderten Professorin und Lehrgebietsleiterin Prof. Dr. Dorett Funcke: „Wir feiern heute, dass die Ernsting‑Stiftungsprofessur für Mikrosoziologie weitere acht Jahre gefördert wird. Das ist Anlass, zu großer Freude und Anlass auch zu großer Dankbarkeit. Mit dieser Veranstaltung möchten wir Ihnen zeigen, woran wir arbeiten, worüber wir nachdenken, welche Fragen uns bewegen – und wie Forschung gemacht wird, wie neues Wissen entsteht. Wir laden Sie ein, hineinzublicken in die Werkstatt des soziologischen Denkens.“

In seinem Grußwort würdigte Prof. Dr. Stefan Stürmer, Rektor der FernUniversität in Hagen, das Engagement der Unternehmerfamilie und der Ernsting Kunst- & Kultur-Stiftung ausdrücklich als herausragenden Beitrag zur langfristigen Sicherung exzellenter Forschung und zum Wissenstransfer in die Gesellschaft: „Ich möchte einen großen Dank aussprechen an die Stiftung und an die Stifterfamilie, dass sie die Förderung der Stiftungsprofessur weiterführt. Gerade in Zeiten, in denen Demokratie und Wissenschaft unter Druck stehen und in der das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft kritisch hinterfragt wird, ist es umso wichtiger, Institutionen und Personen zu haben, die sich für die Stärkung des Austausches zwischen Wissenschaft und Gesellschaft engagieren. Coesfeld ist für uns genau so ein Ort: Hier kommt Wissenschaft in die Gesellschaft hinein.“

Prof. Dr. Bernd Andrick, Vorstand der Ernsting Kunst- & Kultur-Stiftung, hob in seinem Grußwort die besondere Rolle der Bürgeruniversität für Coesfeld hervor. Er erinnerte daran, dass die Einrichtung aus privater Initiative hervorgegangen ist und von der Stiftung im Sinne von Kurt und Lilly Ernsting fortgeführt wird: „Coesfeld ist zwar keine Universitätsstadt, wohl aber eine Stadt mit einer Universität: der Bürgeruniversität. Stiftung und Universität haben eines gemeinsam: Sie verkörpern einen Wert, der in unserem demokratischen Staatswesen von unerlässlicher Bedeutung ist – die Freiheit. Bürgeruniversität und Stiftung werden durch diesen Begriff der Freiheit verzahnt. Und das kann nur bedeuten, dass damit der Erfolg vorprogrammiert ist und ein Leuchtturm für die Stadt Coesfeld entsteht. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, den Stiftern – der Unternehmerfamilie Ernsting – für das, was sie hier ermöglichen, zu danken.“

Eliza Diekmann‑Cloppenburg, Bürgermeisterin der Stadt Coesfeld, hob die Bedeutung der Kooperation für Wissenschaft, Kommune und Region hervor: „Das gemeinsame Engagement der FernUniversität und der Ernsting Kunst- & Kultur-Stiftung ist ein beeindruckendes Bekenntnis zu Forschung, Lehre und Wissenstransfer hier in unserer Region, im ländlichen Raum. Chancen eröffnen und Wissen nicht im Elfenbeinturm lassen, sondern zurück in die Gesellschaft holen: Genau dafür steht diese Professur. Eine besondere Stärke ist der enge Schulterschluss zwischen Wissenschaft und Stadtgesellschaft, der sich in der Bürgeruniversität zeigt: Forschung wird greifbar und lädt zum Mitdenken ein.“

Forschungsarbeiten von der Habilitation bis zum Citizen Science-Projekt

Im Mittelpunkt des Abends standen anschließend konkrete Forschungsarbeiten aus dem Lehrgebiet Mikrosoziologie. Das Spektrum reichte von Habilitations‑ und Promotions‑Projekten von wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Lehrbeauftragten bis hin zu aktuellen Master‑ und Bachelorarbeiten von Studierenden. Dr. Franziska Krüger befasst sich in ihrer Habilitation mit der Transgendermedizin, Dr. Julian Möhring in seiner Habilitation mit familienrichterlichem Handeln im Kinderschutz. Über die indische Familie der Gegenwart forscht die Promovendin Preeti-Arun Schneidereit. Isabelle Lindgren befasst sich in ihrer Masterarbeit anhand einer Fallanalyse mit Gewalt durch Frauen in Paarbeziehungen, Pierre Niethammer untersucht in seiner Bachelorarbeit, wie junge Menschen aus prekären Verhältnissen in Raptexten ihre Sicht von Männlichkeit ausdrücken. Dr. Silvia Herb stellte Ergebnisse aus einem Citizen Science-Projekt der BürgerUni vor, in dem sie in gemeinsamen Workshops mit Bürgerinnen und Bürgern Familienfotografien analysierte.

 

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