Erfinderinnenpreis: FernUniversität und Verein Deutscher Ingenieure bündeln Kräfte

Beide Institutionen wollen gemeinsam für mehr Sichtbarkeit, bessere Vernetzung und gezielte Förderung für Frauen mit innovativen Ideen und Patenten sorgen.


Erfinderinnen-feu Foto: Jakob Studnar

Frauen sind in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen heute deutlich sichtbarer als noch vor einigen Jahrzehnten – und dennoch bleibt ihr Anteil an patentierten Erfindungen gering. Laut dem Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) liegt der Anteil von Erfinderinnen in Deutschland bei nur rund acht Prozent. Gleichzeitig liegt der Anteil von Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen bei über 30 Prozent.

An diesem schlummernden Potenzial setzen die FernUniversität in Hagen und der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit einer gemeinsamen Initiative an: dem Erfinderinnenpreis. „Wir wollen Frauen als Innovatorinnen sichtbarer machen, Stereotype aufbrechen und Wissen rund um Patente und gewerblichen Rechtsschutz stärken.“ Das ist der Ansatz, mit dem Kirsten Pinkvoss und Prof. Sebastian Kubis seitens der FernUniversität an die Kampagne zum Erfinderinnenpreis herangehen.

Von der Idee zur Kooperation

Der Impuls dazu entstand 2022 an der FernUniversität: Die ehemalige Rektorin Prof. Ada Pellert initiierte mit der damaligen Gleichstellungsbeauftragten Kirsten Pinkvoss und dem Hagener Zonta Club eine Veranstaltung zu Hedy Lamarr, österreichisch-amerikanische Schauspielerin und Erfinderin. Lamarr entwickelte die Frequenzsprungtechnik und schuf die Grundlage für die Smartphone-Technologie. Bei einer Lesung sammelten die Initiatorinnen 4.000 Euro Spenden ein – mit der Idee, diese Mittel perspektivisch für einen Erfinderinnenpreis einzusetzen.

Mit dem VDI gewinnt die Initiative nun eine starke Partnerorganisation. Der VDI, engagiert sich seit Jahrzehnten für die Förderung von Frauen in technischen Berufen – unter anderem im Netzwerk „Frauen im Ingenieurberuf“, das mehr als 11.000 Ingenieurinnen verbindet. Die Erfinderinnenkampagne des VDI setzt zudem gezielt bei einem zentralen Thema an: dem Wissen über Patente. Denn häufig fehlt es nicht an Ideen, sondern an Kenntnissen darüber, wie Innovationen geschützt werden können – und warum sich das lohnt.

Bezugspunkte für die FernUniversität

Erfinderinnen-vertrag Foto: FernUniversität
Freuen sich über die Kooperationsvereinbarung zwischen FernUni und VDI: (v.li.) Prof. Sebastian Kubis, Rektor Prof. Stefan Stürmer und Initiatorin Kirsten Pinkvoss.

Auch wenn die FernUniversität selbst keine ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge anbietet, ist das Thema gewerblicher Rechtsschutz für sie von Bedeutung. Am W. P. Radt Stiftungslehrstuhl für Bürgerliches Recht, Gewerblichen Rechtsschutz, Internationales Privat- und Zivilprozessrecht sowie am Kurt-Haertel-Institut für geistiges Eigentum werden seit Jahrzehnten Patentanwältinnen und Patentanwälte aus- und weitergebildet – in enger Kooperation mit der Patentanwaltskammer.

„Der gesamte Berufsstand der Patentanwält:innen in Deutschland der letzten 30 Jahre ist an der FernUniversität ausgebildet worden“, betont Prof. Sebastian Kubis, Leiter des Lehrstuhls. Kubis war es auch, der die Brücke zwischen FernUni und VDI gebaut hat.

Für die FernUniversität ergeben sich damit zwei Anknüpfungspunkte: die Förderung von Gleichstellung in Wissenschaft und Technik sowie die besondere Expertise in der Patent- und Schutzrechtsausbildung. „Wir möchten Frauen im ingenieurswissenschaftlichen Bereich fördern und weibliche Vorbilder sichtbar machen“, so Kirsten Pinkvoss, die in ihrer damaligen Funktion den Impuls gesetzt hat. Heute leitet Pinkvoss die Zentrale Betriebseinheit Campusstandorte.

Sichtbarkeit, Vernetzung, Innovation

Mit der Kooperation zwischen FernUniversität und VDI entsteht nun ein Netzwerk, das wissenschaftliche Expertise, ingenieurfachliche Praxis und rechtliche Kompetenz zusammenführt. „Ein solcher Preis kann auf mehreren Ebenen wirken: Er macht weibliche Vorbilder sichtbar, fördert Netzwerke, schafft Anreize zur Weiterentwicklung von Ideen und trägt dazu bei, stereotype Vorstellungen über Geschlechterrollen abzubauen“, sagt Patentanwältin Dr. Carmen Tesch-Biedermann, die das Projekt ehrenamtlich für den VDI begleitet. Darüber hinaus stärkt er die Innovationskultur insgesamt – denn vielfältige Perspektiven führen nachweislich zu kreativeren und tragfähigeren Lösungen.

Der Vertrag mit dem VDI ist nun durch Rektor Prof. Stefan Stürmer unterzeichnet. Der Preis soll erstmals beim Deutschen Ingenieurstag 2027 in Düsseldorf vergeben werden. Bis dahin werden nun weibliche Patenttalente gesucht. Bei der Auswahl unterstützt das Deutsche Patent- und Markenamt.

Wer war Hedy Lamarr?

Hedy Lamarr (1914–2000) war eine in Wien geborene Schauspielerin und Erfinderin, die in den 1930er- und 1940er-Jahren als Hollywood-Star berühmt wurde und später für ein gemeinsam mit George Antheil entwickeltes Funksystem bekannt ist, das als Grundlage moderner Kommunikations­technologien wie WLAN und Bluetooth gilt.

Anja Wetter | 21.05.2026