Geschichte geht unter die Haut

Fünf Tage, 55 Veranstaltungen, ein Thema: Bei der 11. Geschichtswoche erkundeten Studierende und Lehrende auf dem Hagener Campus die Geschichte des Körpers.


Die Teilnehmenden der Geschichtswoche stehen gemeinsam auf einer Treppe auf dem Campus der FernUniversität. Foto: FernUniversität
Die Teilnehmenden der Geschichtswoche auf dem Hagener Campus

Alle zwei Jahre lädt das Historische Institut der FernUniversität seine Studierenden zu fünf intensiven Tagen mit Vorträgen, Diskussionen, Begegnungen und Gesprächen auf den Hagener Campus ein. Die elfte Ausgabe der Geschichtswoche widmete sich dem Themenschwerpunkt „Körper“. Denn Körper sind keineswegs nur die biologischen Formen unserer Existenz, sondern haben auch eine Geschichte. Der historische Blick darauf, wie sie zu verschiedenen Zeiten und an unterschiedlichen Orten gedeutet, geformt und erfahren wurden, zeigt, dass sich der Umgang mit ihnen immer wieder wandelt.

Insgesamt 55 Veranstaltungen luden dazu ein, diesen Wandel in seinen vielfältigen Facetten geschichtswissenschaftlich zu erforschen. Die zahlreichen Seminare, Vorträge und Diskussionsformate spannten einen weiten Bogen von der Antike bis in die Gegenwart und über unterschiedliche Weltregionen hinweg. Dabei ging es beispielsweise um die Frage, wie viele Geschlechter es für die Menschen im Mittelalter gab, um Kannibalismus im Spannungsfeld von Mythos, Diskursen und Beweisen oder um die Geschichte der Schönheit. Die Geschichtswoche führte die Teilnehmenden zudem an andere Lernorte, etwa bei einer Exkursion zu Sigrid Sigurdssons Gesamtkunstwerk „Die Architektur der Erinnerung“ im Hagener Osthaus Museum, oder brachten ihnen unter dem Titel „Present your Work!“ Graphic Novel und Poster als kreative Formen der Geschichtsvermittlung nahe.

Historischer Salon zu Amerikas (Körper-)Geschichte

Anlässlich der Geschichtswoche hatte die geschäftsführende Direktorin des Historischen Instituts, Prof. Dr. Alexandra Przyrembel, einen der derzeit bekanntesten Vertreter des Fachs an diesen gemeinsamen Ort eingeladen: Prof. Dr. Volker Depkat von der Universität Regensburg war zu Gast bei einer Sonderausgabe der Veranstaltungsreihe „Historischer Salon“. Einer breiten Öffentlichkeit ist er durch seinen Deutschlandfunk-Podcast „Amerika verstehen“ bekannt. Gemeinsam mit ihrem wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Arndt Neumann sprach Przyrembel mit Depkat über „Bodies and Borders – Amerikabilder in Geschichte und Gegenwart“.

Die Verbindung zum Thema der Geschichtswoche stellte Depkat her, indem er zeigte, wie eng politische Macht in den USA mit der Inszenierung von Körpern verknüpft ist. Am Beispiel der Präsidenten von George Washington bis Donald Trump erläuterte er, wie Gesundheit, Jugendlichkeit und körperliche Leistungsfähigkeit zu Symbolen politischer Legitimität werden. Darüber hinaus spannte der Historiker den Bogen von frühen deutschen Amerikabildern bis zu aktuellen Konflikten um Demokratie, Identitätspolitik und Geschichtskultur. Besonders eindringlich warnte er vor den Folgen politischer Polarisierung und erinnerte daran, dass historische Entwicklungen selten einfache Antworten zulassen. Mit Blick auf die Aufgabe von Wissenschaft und Geschichtsschreibung plädierte er für Offenheit, Ambivalenz und kritische Reflexion: „Wir haben genug Zeit, um komplexe Themen zu entwickeln“ und müssten immer wieder „auf Komplexität und Uneindeutigkeiten beharren“.

Hagener Geschichtspreis

Einen weiteren Höhepunkt der Geschichtswoche bildete die Absolvent:innenehrung. Insgesamt 180 Studierende hatten in den vergangenen beiden Jahren einen geschichtswissenschaftlichen Abschluss im Bachelorstudiengang Kulturwissenschaften oder in den Masterstudiengängen „Geschichte Europas – Epochen, Umbrüche, Verflechtungen“ beziehungsweise „Europäische Moderne – Geschichte und Literatur“ erworben. Einige von ihnen waren zur diesjährigen Geschichtswoche nach Hagen gekommen.

Bei einer abendlichen Festveranstaltung am Mittwoch wurden sie von Prof. Dr. Jürgen Nagel und Prof. Dr. Alexandra Przyrembel feierlich geehrt. Von der Fachschaft der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften erhielten sie einen Büchergutschein. Begrüßt und geehrt wurde zudem Elisabeth Lieberknecht, die mit 93 Jahren wohl älteste aktive Studierende im Bachelorstudiengang Kulturwissenschaften.

Den Hagener Geschichtspreis für die besten Abschlussarbeiten erhielten Maika Lapuschkin für ihre Bachelorarbeit „This Is My War Too! – Handlungsspielräume und Sichtbarkeit von Soldatinnen im Zweiten Weltkrieg am Beispiel der Sowjetunion und der USA“ und Hannes Schwarzendorfer für seine Masterarbeit „Die Bibliothek des Markus (Marx) Fugger (1529–1597). Versuch der Rekonstruktion einer frühneuzeitlichen Sammlung und exemplarische Analyse der theologischen Bestände“. Der Preis wurde vom Rotary Club Hagen gefördert, dessen Präsident Michael König an der Verleihung teilnahm.

Im Anschluss an die Absolvent:innenehrung feierten die Teilnehmenden der Geschichtswoche im Restaurant Na Zdrowie bei polnischem Buffet, Kegelbahn und Tanzmusik, begleitet vom Trio Hagenowa.

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