FernUniversität trauert um ihren Gründungsrektor Otto Peters

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Otto Peters ist am 25. Oktober im Alter von 100 Jahren gestorben. Als Gründungsrektor prägte er die FernUniversität in ihren entscheidenden Anfangsjahren.


Peters-otto-nachruf Foto: Veit Mette
Prof. Otto Peters

International galt er als einer der bedeutendsten Theoretiker des Fernstudiums. Mit ihm verliert die FernUniversität einen Wegbereiter moderner Hochschulbildung.

Erst im Mai hatte Otto Peters seinen 100. Geburtstag gefeiert. Bis ins hohe Alter blieb er der FernUniversität eng verbunden. Er lebte in unmittelbarer Nähe zum Campus, nahm, wenn es ihm möglich war, am Hochschulleben teil und verfolgte aufmerksam die Entwicklung von Fernlehre und digitaler Bildung. Anlässlich seines Geburtstags sprach er über die Integration generativer Künstlicher Intelligenz und virtueller Realität in Lehre und Lernen als eine der großen Aufgaben der kommenden Jahrzehnte.

Architekt einer neuen Hochschulform

Als Gründungsrektor leitete Otto Peters die FernUniversität von 1975 bis 1984. Der damalige nordrhein-westfälische Wissenschaftsminister Johannes Rau hatte die Idee einer staatlichen Fernuniversität maßgeblich vorangetrieben. Peters entwickelte aus dieser bildungspolitischen Vision ein tragfähiges akademisches Konzept und setzte die neue Hochschulform praktisch um.

„Sie war die richtige Universität zur richtigen Zeit“, sagte er später über die FernUniversität. In der Aufbauphase leistete er grundlegende Überzeugungsarbeit. Professorinnen und Professoren, Mitarbeitenden und Verwaltung vermittelte er, was eine Fernuniversität ausmacht und worin sie sich von einer Präsenzuniversität unterscheidet. Besonders setzte er sich für die wissenschaftliche Bildung berufstätiger Erwachsener ein. Aus eigener Erfahrung wusste er, wie schwierig es war, Beruf und ein Studium an einer Präsenzuniversität miteinander zu vereinbaren.

Unter seiner Leitung entstanden zentrale Einrichtungen der jungen Hochschule, darunter Rechenzentrum und Universitätsbibliothek sowie Einrichtungen zur Fernstudienforschung und zur Entwicklung von Studienmaterialien. Die FernUniversität erforschte damit systematisch ihre eigenen Lehr- und Lernformen. Zugleich wurden Studiengänge aufgebaut und neue didaktische Konzepte entwickelt, erprobt und evaluiert.

Als Peters’ Amtszeit 1984 endete, hatte sich die FernUniversität mit sechs Fachbereichen in der deutschen Wissenschaftslandschaft etabliert. Die damalige Universitätszeitung bezeichnete die Aufbauphase als „ottonisches Zeitalter“. Peters erinnerte sich später: „Es war eine tolle Zeit des Aufbruchs, alle waren begeistert – und die Arbeit war von Erfolg gekrönt.“

Wegbereiter der Fernstudienforschung

Otto Peters war nicht nur Gründungsrektor, sondern auch einer der bedeutendsten Wissenschaftler auf dem Gebiet des Fernstudiums. Gemeinsam mit Börje Holmberg gilt er als „Vater der Fernstudienforschung“. Bereits 1964 begann er, sich wissenschaftlich mit dem Fernunterricht auseinanderzusetzen. Er prägte den englischen Begriff „distance education“, der heute weltweit verwendet wird.

In seiner 1973 an der Universität Tübingen abgeschlossenen Dissertation untersuchte Peters die didaktische Struktur des Fernunterrichts und entwickelte theoretische Grundlagen für diese Form des Lehrens und Lernens. Von 1975 bis zu seiner Emeritierung 1991 war er Professor für Methodenlehre des Fernstudiums an der FernUniversität. Auch danach setzte er seine wissenschaftliche Arbeit fort und beschäftigte sich mit pädagogischen Fragen des Fern- und Online-Unterrichts.

Seine Expertise war weltweit gefragt. Peters besuchte Fernlehreinrichtungen in zahlreichen Ländern und war acht Jahre lang Vizepräsident des International Council for Open and Distance Education. Für sein wissenschaftliches Lebenswerk erhielt er internationale Auszeichnungen und fünf Ehrendoktorwürden. 2008 wurde er in die International Hall of Fame for Adult Education aufgenommen. Die Stadt Hagen würdigte seine Verdienste 2018 mit der Ehrennadel.

Lebenswerk wirkt fort

Peters verstand die FernUniversität als einen Ort, der Menschen unabhängig von ihrer Lebenssituation, ihrem Wohnort oder ihrer Berufstätigkeit den Zugang zu akademischer Bildung eröffnet. Zum Ende seiner Amtszeit betonte er, dass durch die Hochschule mehr Menschen ein Studium oder eine wissenschaftliche Weiterbildung aufnehmen konnten. Zugleich habe sie neue Lehrformen und Medien entwickelt und die Öffnung des Studiums für weitere Zielgruppen vorbereitet.

„Bildungspolitisch und hochschuldidaktisch waren wir mit der Gründung der FernUniversität ein großes Risiko eingegangen“, resümierte er. „Ihr im Grunde unfassbarer Erfolg zeigt jedoch, in wie hohem Maße unsere gemeinsame Aufbauarbeit gelungen ist.“

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Rektorat und seiner Emeritierung blieb Peters der Universität und seiner Wahlheimat Hagen verbunden. Zuletzt besuchte er 2024 den Empfang anlässlich des Campusfestes in der Villa Bechem. Dort hatte die Geschichte der FernUniversität begonnen; hier hatte Peters einst sein Büro als Rektor bezogen.


„Otto Peters hat mit der FernUniversität nicht nur eine neue Hochschule aufgebaut, sondern vielen Menschen neue Wege zu akademischer Bildung eröffnet. Seine wissenschaftliche Weitsicht und sein Mut, Universität neu zu denken, prägen uns bis heute. Wir verlieren unseren Gründungsrektor und einen großen Wegbereiter der Fernlehre. Sein Lebenswerk bleibt für uns Auftrag und Verpflichtung.“

Prof. Dr. Stefan Stürmer, Rektor der FernUniversität in Hagen

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