Pascal Hirschberg

Geschichtsstudium aus Leidenschaft

Ein Mann steht am Redepult Foto: Rolf Schulten/Thomas Rosenthal
Pascal Hirschberg sprach auf der Alumnifeier im Regionalzentrum Hagen im Mai über seine Begeisterung für die FernUni.

Als Student an der FernUniversität trifft man Kommilitonen an ungewöhnlichen Orten. Bei dem Hagener Pascal Hirschberg war es an einer Museumskasse in Bremerhaven, nachdem er seinen Studierendenausweis vorgezeigt hatte. „Ach, da studiere ich auch“, freute sich der Mann hinter der Theke. Hoffentlich studiert er ebenso enthusiastisch wie der 30-jährige Hirschberg. „Wenn ich könnte, würde ich sogar noch ein bisschen weiterstudieren“, sagt er augenzwinkernd.

Seine fachliche Berufung hat er in Geschichte gefunden: zunächst im Bachelor Kulturwissenschaft mit den Schwerpunkten Geschichte und Literatur, jetzt im Masterstudiengang Europäische Moderne. Sein Weg dahin verlief nicht ganz geradlinig.

Studium in Hagen

Nach dem Abitur schrieb er sich für Jura an der Ruhr-Uni Bochum ein. Parallel arbeitete der Hagener als Studentische Hilfskraft an der FernUniversität am Lehrstuhl für Deutsches und Europäisches Verfassungs- und Verwaltungsrecht sowie Völkerrecht von Prof. Dr. Andreas Haratsch. Bis ihn eines regnerischen Tages die Erkenntnis überkam: „Jura ist nicht das, womit du dein Berufsleben verbringen willst.“

Trotz fortgeschrittenem Studium entschied er: „Ich höre auf.“ Und stattdessen? Genauso überzeugt war er: „Ich möchte Geschichte studieren– und zwar in der Stadt, aus der ich komme, und an der Uni, an der ich bereits arbeite.“

Diszipliniert und selbstständig

Es war also ein fast natürlicher Wechsel: Von 2015 bis 2018 absolvierte Hirschberg seinen Bachelor in Kulturwissenschaft in Vollzeit. „Geschichte und Literatur waren schon meine Schwerpunkte in der Schule. Es war die beste Entscheidung meines Lebens“, sagt er im Rückblick.

Ein Mann und eine Frau mit einem Glas Sekt Foto: Rolf Schulten/Thomas Rosenthal
Feiern darf sein, vor allem wenn die Partnerin einen im Studium tatkräftig unterstützt.

„Ich hatte nicht das Gefühl, Präsenz- gegen Fernstudium getauscht zu haben. Auch im Jura-Studium habe ich viel zu Hause gelernt.“ Disziplin bringt er mit: „Ich gehe morgens zur Arbeit, in mein Arbeitszimmer.“

Familiäre Atmosphäre an FernUni

Am Lehrstuhl Haratsch arbeitete er weiter bis zum Frühsommer 2016. Der Jurist hatte Verständnis für den fachlichen Umschwung seines Mitarbeiters. Bis heute pflegt Hirschberg ein gutes Verhältnis zum Haratsch-Team. „Aus der Zeit sind Freundschaften entstanden“, freut er sich. „Überhaupt schätze ich die insgesamt fast familiäre Atmosphäre an der FernUni sehr.“

Inzwischen ist Hirschberg durch und durch „historisiert“: Seit Mai 2016 arbeitet er am Historischen Institut, mittlerweile als Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrgebiet Geschichte Europas in der Welt von Prof. Dr. Jürgen Nagel. Hier ist er buchstäblich „angekommen“ und ebenso freundschaftlich verankert.

In Themen vertiefen

Pascal Hirschberg studiert leidenschaftlich – und „mit Vollgas“. Seine Bachelorarbeit hat er über die „Belle Epoque“ geschrieben. Darin vereinte er seine zwei Schwerpunkte: Frankreich und das 19. Jahrhundert. In der Phase las und übersetzte er viele französische Quellen, hörte die zeitlich entsprechende Musik und kochte sogar passende Rezepte nach. „So ein ‚ganzheitliches Studieren‘ ergibt sich automatisch, wenn man erst ein spannendes Arbeitsthema für sich entdeckt hat.“ Und meistens generiert sich dann auch ein Urlaubsinteresse…

Das Studium ist eine bewusste Entscheidung für zeitgemäße, flexible und charakterliche Weiterbildung.

Pascal Hirschberg

Mit Frankreich lässt sich dies stets schnell verknüpfen: Etwa, mit dem Rennrad den Mont Ventoux in der Provence zu erklimmen. Es ist d e r Berg auf der Tour-de-France – und ein Muss für Hobbyrennradfahrer wie Hirschberg. Zur Vorbereitung saß Hirschberg auf dem Heimtrainer, am Lenker klemmten Karteikarten, mit denen er sich auf eine mündliche Modulabschlussprüfung über den „Deutschen Sonderweg“ und Heinrich Heines Italienische Reiseberichte vorbereitete.

Geschichte und Gegenwart

Seit er im Lehrgebiet Geschichte Europas in der Welt arbeitet, hat er seinen wissenschaftlichen Standpunkt gefunden: „Den braucht man, um von dort aus die Geschichte und ihre Bezüge zu analysieren.“ Seither spielen die Kolonialgeschichte Frankreichs und der Blick auf Nordafrika eine große Rolle. „Da entstehen leicht Bezüge zur Gegenwart.“

Generell hat der Historiker keine Schwierigkeiten, spannende Themen zu finden: „Durch die Möglichkeit des Austausches am Institut entwickeln sich schnell reizvolle Fragestellungen. Und beim Lesen sowieso.“ Das tut er gern und ausgiebig, vertieft sich in Studienbriefe, Quellen und Fachliteratur.

Den fachlichen Austausch pflegt Hirschberg mit den Kolleginnen und Kollegen im Historischen Institut – oder schon mal im Freundeskreis. „Als Historiker hat man immer etwas zu erzählen“, lacht er. „Ich begeistere mich sehr für mein Studium und die Lehrstuhlarbeit und würde daher am liebsten auch zukünftig wissenschaftlich tätig sein.“

Daher lag es für ihn auch nahe, sich ehrenamtlich an der FernUni zu engagieren und einen Sprachkurs für Geflüchtete zu übernehmen.