Dr. med. Michael Neugebauer
Foto: Universitäts-Kinderspital Zürich / Barbora Prekopova
In nahezu allen Bereichen unseres Lebens ist die Digitalisierung auf dem Vormarsch und macht vieles einfacher. So natürlich auch in der Medizin. Doch Dr. Michael Neugebauer ist schon während seiner Praktika als Medizinstudent aufgefallen, dass gerade in Kliniken die Arbeit häufig noch recht analog, kompliziert und umständlich läuft. Daran wollte er gerne etwas ändern und bildete sich daher beständig weiter. Mittlerweile promoviert der Mediziner am Hagener Lehrstuhl für Informationsmanagement und forscht dort zur Digitalisierung in der Patientenversorgung.
Arzt, Ökonom und Informatiker
Michael Neugebauer arbeitet als Oberarzt im Universitäts-Kinderspital in Zürich. Nach seinem Medizinstudium an der Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg hat er sich auf Kindernotfallmedizin spezialisiert. Zudem hat er bereits parallel zu seinem Medizinstudium einen Master in Health Economics absolviert. Während er dann als Arzt arbeitete, hat er sich noch zu einem Masterstudium in Medizinischer Informatik entschieden. „Ich hatte gesehen, dass in der Medizin vieles zeitraubend ist und es vor allem durch Digitalisierung deutlich einfachere Möglichkeiten geben würde.“
Mit seinen drei Abschlüssen bringt Michael Neugebauer einen seltenen, aber zunehmend gefragten Dreiklang an Fähigkeiten mit: „Ich merke nicht nur am eigenen Leib, wo Ärztinnen und Ärzten der Schuh drückt, sondern kann auch beurteilen, welche digitalen Anwendungen helfen könnten und auch umsetzbar sind.“
Daher arbeitet der 36-Jährige im Universitäts-Kinderspital in Zürich auch nicht nur in der Patientenversorgung. Zu 50 Prozent ist er IT-Beauftragter der ärztlichen Direktion. Hierbei leitet er IT-Projekte und kann dafür sorgen, dass das medizinische Personal genau die Produkte bekommt, die sie auch wirklich benötigen. „Es gibt nämlich auch Apps, die zwar mega cool aussehen, uns im medizinischen Alltag aber gar nichts bringen.“
Promotion an der FernUni
In der Kinderonkologie im Rahmen seiner Facharztausbildung hat er so zum Beispiel den Bedarf gesehen, dass das medizinische Personal Unterstützung beim Therapiemanagement benötigt. „Kinderonkologie ist ein seltener, aber zugleich auch sehr komplexer Bereich“, führt er aus. Für Kinder gibt es häufig nicht die eine Tablette, die automatisch für alle passt. Kinder befinden sich noch im Wachstum, sind unterschiedlich groß und schwer und eine Dosierung, die in diesem Monat noch passend ist, kann durch einen Wachstumsschub im nächsten Monat schon zu gering sein. Dies zu beurteilen, lief bisher sehr analog ab: „Ich musste teilweise Informationen vom Bildschirm abschreiben und Dosierungen mit dem Taschenrechner ausrechnen.“ Das dauerte nicht nur lange, sondern war auch umständlich und potenziell fehleranfällig. Für Michael Neugebauer stand daher fest: „Das muss doch auch digitaler und einfacher gehen.“
Die Lösung hat er selbst umgesetzt: Er hat eine digitale Anwendung entwickelt, welche das Therapiemanagement in der Kinderonkologie erleichtert und fehlerfreier macht. Seit April 2025 forscht er zu dieser Software im Rahmen seiner Promotion zur Digitalisierung der pädiatrischen Onkologie. Für seine Promotion hat er sich bewusst die FernUniversität in Hagen ausgesucht. „Ich habe gezielt recherchiert, wer in dem Bereich forscht und bin so auf die Digital Health Community in Hagen und Prof. Winkler gestoßen.“
„Die Promotion erfordert viel Disziplin und Engagement. Aber ich sehe den großen Benefit – nicht nur für mich, sondern auch für unser Spital und die ganze Medizin. Das motiviert mich.“
Die Digital Health Community der FernUniversität entwickelt und erforscht interdisziplinär digitale Lösungen für das Gesundheitswesen, um Versorgung und Prävention zu verbessern, technologische Akzeptanz zu erhöhen und praxisnahe Innovationen voranzutreiben. Michael Neugebauer kann dort nicht nur selbst forschen und sich vernetzen, er bringt zudem seine Expertise als Arzt ein.
Benefit für die ganze Medizin
An der Promotion arbeitet er in seiner Freizeit, also neben den 50 Wochenstunden, die er im Krankenhaus leistet. Seit Dezember ist er zudem Vater einer kleinen Tochter. „Die Promotion erfordert daher schon viel Disziplin und Engagement. Aber ich sehe den großen Benefit – nicht nur für mich, sondern auch für unser Spital und die ganze Medizin. Das motiviert mich.“
Denn seine Software soll letztlich nicht nur den Ärztinnen und Ärzten am Spital in Zürich helfen. „Mein Ziel ist es, sie für alle Krankenhäuser im deutschsprachigen Raum zugänglich zu machen.“ Der Weg dorthin führt über ein Start-up. „Um Medizinprodukte zu zertifizieren und zu vertreiben, gibt es sehr strenge Regularien. Durch ein Start-up wollen wir die nötigen Strukturen schaffen, um diese Anforderungen zu erfüllen.“
Einen großen finanziellen Profit hat er dabei nicht im Hinterkopf: „Dafür ist der Markt zu speziell.“ Als Arzt profitiert er hingegen schon jetzt selbst von seiner digitalen Anwendung. Einen weiteren Vorteil möchte er zukünftig auch jungen Krebspatient:innen und deren Familien bieten: „Wir sind gerade dabei eine entsprechende App zu entwickeln, auf der sie beispielsweise alle Laborwerte und Medikamentenpläne sofort sehen können. So haben sie immer alle Informationen zur Therapie und zum Therapieverlauf auf ihrem Handy.“
Stand: April 2026
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Foto: Sommerfeld Fotografie