André Stephan

Läuft bei André Stephan

Foto: Maximilian Ludwig
André Stephan

Dass er älter als 40 sein wird, wenn er zum ersten Mal in einem klassischen juristischen Beruf arbeiten wird, stört André Stephan wenig. Und das, obwohl er eigentlich direkt nach dem Abitur ein Jura-Studium begonnen hat. „Ich sage immer gerne, ich hätte 20 Jahre Jura studiert, aber das ist natürlich nur die Brutto-Zeit.“

Netto sieht die Sache anders aus: Denn während seines ersten Jura-Studiums an einer Präsenzuni legte er den Fokus lieber auf lokale Ehrenämter und politisches Engagement. Weil seine Studienordnung auslief und das Schuldrecht 2002 reformiert wurde, fiel ihm die Entscheidung leicht, die Uni zunächst zu verlassen. „Ich hätte vieles noch mal ganz neu lernen müssen und dazu war ich zu dem Zeitpunkt einfach nicht bereit.“

„Lernen, wo es am schönsten ist“

Nach der Exmatrikulation machte er sich selbstständig und tobte sich in der Start-up-Szene aus. 2007 fasste er Fuß in der Politik und wurde Vorstandsreferent einer großen deutschen Partei. Doch ohne Abschluss galt er für manche Jobs als nicht qualifiziert genug und das wollte er ändern. „2011 bin ich aus der Berufspolitik ausgeschieden. Es war gleich mein Ziel, endlich einen Abschluss zu machen, deshalb schrieb ich mich für den Bachelor Rechtswissenschaft an der FernUniversität in Hagen ein.“ Eine Entscheidung, die ihm noch leichter fiel, als sein Erststudium zu beenden. „Ich wohne in Berlin, wollte mir das Studium einteilen, wie es für mich passt, und lernen, wo es am schönsten ist.“

„Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie groß jedes Mal die Vorfreude war, wenn das Paket mit den Skripten ankam."

André Stephan

Er studierte mal in Vollzeit, mal in Teilzeit. „Da ist die Flexibilität, die die FernUni bietet, einfach wunderbar.“ Als der Studiengang Erste Juristische Prüfung (EJP) an den Start ging, nahm er den Schwung des erfolgreichen Bachelorabschlusses gleich mit und marschierte auch noch durch das Erste Staatsexamen. Anfang 2021 legte er seine letzte Prüfung ab.

Dass er einige Klausuren erst im zweiten Anlauf bestanden hat, nimmt der passionierte Läufer sportlich. Schließlich hat er während der Bachelorarbeit als Ausgleich auch noch für den Berlin-Marathon trainiert. Die bei diesem Debüt erreichte Bestzeit von 3:45 Stunden blieb seitdem zwar unerreicht, dafür gewann er für immer die Erkenntnis, wie wichtig es ist, am Ball zu bleiben.

Foto: Action Photo
André Stephan läuft den Airport Night Run im Rahmen seiner Vorbereitung auf den Berlin-Marathon 2016.

Tipps für Erstsemester

Von seinen Highlights, Seitwärtsschritten und Rückschlägen während der Brutto-Studienzeit hat er FernUni-Erstsemestern zuletzt im Rahmen der Start-it-up-Veranstaltung der Rechtswissenschaftlichen Fakultät erzählt: Warum frühzeitige Klausurvorbereitung Vor- und Nachteile hat, und wie die richtige Einstellung zum Studienerfolg beitragen kann. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie groß jedes Mal die Vorfreude war, wenn das Paket mit den Skripten ankam. Am liebsten möchte man direkt loslegen“, sagt er. „Wer es schafft, sich von dieser Freude etwas zu bewahren, kommt auch durch die Motivationstiefs der nächsten Wochen.“

Was ihn dann aber doch ein bisschen nervt, dass er sich nach dem Ersten Staatsexamen coronabedingt nicht mal einen Urlaub gönnen konnte. Vielleicht lässt sich das noch nachholen, bevor er sich im Sommer auf den Weg zum Zweiten Staatsexamen macht. „Vermutlich als einer der ältesten Referendare, die jemals von einem Gericht zugelassen wurden“, scherzt er. Doch das hält ihn nicht von seinem Ziel ab, Volljurist zu werden. „Wenn jetzt mehr und mehr FernUni-Absolventen mit ihrem Ersten Staatsexamen zum Referendariat in die Gerichte strömen, werden die sich schon daran gewöhnen, dass einige schon etwas älter sind und manche Biografie chaotisch erscheint. Aber wir sind alle vollwertige Juristinnen und Juristen.“

Stand: März 2021

Sarah Müller | 24.03.2021