Studiengangsgestalter geht in den Ruhestand

Der langjährige Dekan der Fakultät MI und Leiter des Lehrgebiets Softwaretechnik und Theorie der Programmierung, Prof. Jörg Desel, verabschiedet sich mit einer Abtrittsvorlesung.


Was macht Informatiker:innen aus und unterscheidet sie von Absolvent:innen anderer Fachrichtungen? Mit dieser Frage hat sich Jörg Desel in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt. Am 28. Februar ist der FernUni-Professor in den Ruhestand gegangen.

Prof. Stürmer und Prof. Desel stehen vor einem Bild. Foto: FernUniversität
Rektor Prof. Stefan Stürmer (li.) verabschiedete den langjährigen Dekan der Fakultät für Mathematik und Informatik, Prof. Jörg Desel.

Prof. Dr. Jörg Desel war seit 2010 Leiter des Lehrgebiets für Softwaretechnik und Theorie der Programmierung an der FernUniversität. Bevor er den Ruf nach Hagen bekam, hatte er einen Lehrstuhl für angewandte Informatik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Habilitiert hatte er sich an der Humboldt-Universität zu Berlin, promoviert an der Technischen Universität München. Während seines Zivildienstes hatte er bereits ein Informatikstudium an der FernUniversität begonnen, welches er an der Universität Bonn weiterführte und mit dem Diplom abschloss.

Weiterentwicklung der Informatikstudiengänge

Bei einer sich rasant weiterentwickelnden Technik, Künstlicher Intelligenz und immer leistungsfähigeren Large Language Modellen ist für den Hagener Professor die Frage nach dem Alleinstellungsmerkmal von Informatiker:innen aktuell wichtiger denn je: „Für mich zeichnen sich Informatikerinnen und Informatiker durch sieben Denkweisen aus: das algorithmische, das datengetriebene, das technische, das konstruktive, das systemische, das abstrahierende und modellierende sowie das kontextbewusste Denken.“ Diese Kombination macht Informatiker:innen für Desel nicht nur einzigartig, sondern bereitet sie auch gut auf weitere Entwicklungen vor.

Da es dem FernUni-Professor sehr wichtig ist, sich für die zukünftige Ausbildung von Informatikerinnen und Informatikern einzusetzen, engagierte er sich viele Jahre im Vorstand der Gesellschaft für Informatik, als stellvertretender Vorsitzender des Fakultätentags Informatik und dort als Sprecher der Studiengangskommission. In beiden Fachverbänden hat er federführend bei der Reform der Empfehlung für die Studiengangsgestaltung mitgewirkt und arbeitet zudem aktuell an einer neuen Empfehlung.

Festkolloquium

Mit einer Abtrittsvorlesung zum Thema „Das Informatikstudium der Zukunft. Und was das mit Petrinetzen zu tun hat“ verabschiedet sich Prof. Jörg Desel von seinen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern.

13. April 2026, 17 Uhr
Gebäude 3, Raum F 09
oder online via Zoom

Im Anschluss wird ein kleiner Imbiss gereicht. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Für eine Teilnahme vor Ort melden Sie sich bitte bis zum 31. März 2026 per E‑Mail bei Jan Engelkamp an.

Sieben Jahre Dekan der Fakultät für Mathematik und Informatik

An seiner eigenen Hochschule hat sich Jörg Desel in den vergangenen Jahren ebenfalls in die Gestaltung von Studiengängen eingebracht. „Ich war ja fast während meiner ganzen Zeit in Hagen Mitglied im Dekanat“, sagt er mit einem Schmunzeln. Von 2015 bis 2022 war er Dekan der Fakultät für Mathematik und Informatik. Sowohl davor als auch danach war er Prodekan. In dieser Zeit konnten nicht nur der Informatikbachelor und -master weiterentwickelt werden, Desel hat als Dekan auch zwei komplett neue Studiengänge mit aufgebaut: Den Bachelor Mathematisch-technische Softwareentwicklung und den Master Data Science.

„Während meiner Zeit im Dekanat konnte ich aber leider nicht nur Neues aufbauen“, blickt Desel zurück. „Das Ende der Elektrotechnik war zwar noch vor meiner Zeit in Hagen beschlossen worden, aber als Dekan war ich für die Abwicklung zuständig. Das war keine leichte und auch eine sehr unbeliebte Aufgabe.“

Flexibilität in der Lehre

Als Lehrender an der FernUniversität wusste der Informatiker insbesondere die Flexibilität, die ihm das Hagener System bot, immer sehr zu schätzen. „Diese haben ja nicht nur die Studierenden, sondern auch wir Lehrenden. Wir haben zwar viel Arbeit und eine hohe Belastung, aber ich konnte diese häufig zeit- und ortsunabhängig erledigen. Das hat mir viele Möglichkeiten eröffnet.“

Diese nutzte er unter anderem als langjähriges Mitglied des Fachausschusses Informatik und der Zertifizierungskommission der Akkreditierungsagentur ASIIN sowie als Fachgutachter bei der Akkreditierung zahlreicher informatiknaher Studiengänge.

Bei aller Flexibilität war Jörg Desel während seiner Zeit in Hagen aber auch immer die Anwesenheit auf dem Campus wichtig. Dementsprechend waren auch die Räumlichkeiten des Lehrgebiets gestaltet: „Wir hatten einen großen Gemeinschaftsbereich in der Mitte und rundherum offene Türen. Insbesondere in der Forschung sind solche Austauschmöglichkeiten sehr wichtig.“

Petrinetze und Bildungstechnologien

Die Forschungsinteressen von Jörg Desel sind Prozessmodellierung, -management und -synthese, insbesondere mit Petrinetzen und verwandten Modellierungssprachen. Im Bereich der Petrinetze ist Desel einer der international führenden Experten. Seine Leidenschaft für diese hatte er schon früh entdeckt: „In Bonn war ich studentische Hilfskraft bei Carl Adam Petri, dem Erfinder der Petrinetze.“ Diese einfachen grafischen Modelle veranschaulichen Abläufe und Zustände in Systemen.

Prof. Jörg Desel Foto: Hardy Welsch

Ich finde es gut, dass wir heutzutage viel mehr reflektieren, was wir in der Lehre machen.

Prof. Jörg Desel

Zusätzlich hat sich Jörg Desel schon früh mit Bildungstechnologien innerhalb der Informatik beschäftigt. Er hat die gleichnamige Fachgruppe innerhalb der Gesellschaft für Informatik gegründet und sich intensiv in die Fachtagung Hochschuldidaktik Informatik sowie die DELFI-Tagung, die Fachtagung Bildungstechnologien der Gesellschaft für Informatik eingebracht.

Unter anderem für diesen Einsatz wurde er in die „Akademie ausgezeichnete Hochschullehre“ aufgenommen. „Das ist eine Auszeichnung, über die ich mich sehr freue.“ Denn Mitglieder werden ausschließlich innovative Lehrende aus deutschsprachigen Hochschulen, die mit außergewöhnlichem Engagement neue Lehrformate entwickeln und so eine dynamische, fächerübergreifende Lernkultur fördern.

An der FernUniversität brachte er sein Wissen über Bildungstechnologien unter anderem im Leitungsgremium des Forschungsschwerpunktes D2L2 ein, aus dem das heutige Forschungszentrum CATALPA (Center of Advanced Technology for Assisted Learning and Predictive Analytics) hervorgegangen ist. „Ich finde es gut, dass wir heutzutage viel mehr reflektieren, was wir in der Lehre machen“, schätzt er die Arbeit im Forschungszentrum.

Pläne für den Ruhestand

In den kommenden Wochen und Monaten wird Jörg Desel noch fast genauso oft auf dem Campus zu finden sein wie vor seinem Ruhestand. „Erstmal wird sich fast nichts ändern, da ich noch sehr viel zu tun habe.“ Für die Zeit nach den Klausurkorrekturen, der Empfehlung für die Entwicklung der Studiengänge, der Organisation einer Petrinetzkonferenz und den Aufgaben in der Studiengangskommission des Fakultätentags hat der Informatiker jedoch auch schon Pläne. „Ich habe ein eigenes Motorboot. Damit möchte ich gerne über die Kanäle fahren und vielleicht auch raus auf die Ostsee.“

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Carina Grewe | 11.03.2026