Marco Konersmann: „Software hat soziale Aspekte“

Als neuer Professor für Softwaretechnik legt Marco Konersmann großen Wert auf den praktischen Nutzen seiner Arbeit. Mensch und Technik stehen für den Informatiker im Mittelpunkt.


Straßenkreuzung von oben Foto: @ Didier Marti/Moment/Getty Images
Software kommt heutzutage in allen möglichen Lebensbereichen zum Einsatz. Vom Schrittzähler in der Smartwatch bis zur globalen Verkehrsplanung.

25 Megahertz – diese aus heutiger Sicht sehr niedrige Taktung hatte der erste PC in Prof. Dr. Marco Konersmanns Elternhaus. Durch Kinderaugen erschien der Röhrenmonitor trotzdem wie das Tor zu einer großen, spannenden Welt: „Mit leuchtenden Augen habe ich beobachtet, wie mein Vater irgendwelche Dinge am Computer tut.“ Die Faszination blieb: „Mit 10 hatte ich dann meine erste eigene Software entwickelt“, erinnert sich der Informatik-Professor. „Stolz führte ich meinen Eltern ein selbstprogrammiertes Text-Adventure vor.“ Das Computerspiel Marke Eigenbau hielt direkt eine erste Lektion für den späteren Experten für Software-Engineering bereit: „Man muss Software immer gut testen, bevor man sie an den User rausgibt. Ich weiß noch, wie unangenehm es mir war, als mein Spiel plötzlich abgestürzt ist“, lacht er.

Inzwischen sind Heimcomputer auf tausende Megahertz getaktet, Marco Konersmann hat längst eigene Kinder und ist ein Profi, was Software-Systeme angeht – seit 2026 leitet er das Lehrgebiet Softwaretechnik an der FernUniversität in Hagen. Von 2024 bis 2026 war er in der Wirtschaft tätig, bei einem großen Energiedienstleister in Essen. Davor forschte er als Postdoc an der RWTH Aachen sowie an der Universität Koblenz-Landau. Seinen Weg ins Studium und die Wissenschaft hatte Konersmann an der Universität Duisburg-Essen gefunden – dort konnte er mit Fachabi studieren. „Übrigens hatte ich da auch schon die FernUni auf dem Schirm“, so der 40-Jährige. „Ich hatte ja kein allgemeines Abitur und damit nicht gerade die freie Auswahl.“

Männer mit Urkunde, lächelnd Foto: FernUniversität
Rektor Prof. Dr. Stefan Stürmer (li.) gratuliert Prof. Dr. Marco Konersmann zur Ernennung.

FernUni mit Vorteilen

Damals entschied sich der gebürtige Essener für die Präsenzuni. Heute ist er froh, den Ruf an die FernUniversität erhalten zu haben. Das liegt vor allem an der besonderen Studierendenschaft der Hagener Hochschule. „Hier gibt es viele Studierende, die bereits im Beruf stehen“, so Konersmann. Für ihn passt diese Verschränkung zum eigenen Forschungsinteresse: „In der Branche der Softwareentwicklung arbeiten ja viele Menschen im Grunde fachfremd. Diese Studierenden können das Gelernte direkt in ihren Unternehmen umsetzen und ihre Erfahrungen mit uns und miteinander teilen.“ Die enge Verdrahtung mit Wirtschaft und Gesellschaft liegt dem Forscher am Herzen: „Ich lege großen Wert auf Kooperation.“ An der FernUni, die eng mit der regionalen Wirtschaft vernetzt ist, findet er hierfür das ideale Biotop.

Software steckt überall

„Software ist überall“, das möchte Marco Konersmann vermitteln. „Ganz nah an uns dran – in der Smartwatch oder auf dem Smartphone. Aber auch in unserer Umgebung. Etwa die ganze Verkehrsplanung, die einen umgibt, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist. Software hat also auch soziale Aspekte.“ Manche unterliegt kaum Regeln, zum Beispiel in alltäglichen Apps, andere indes sind hochreguliert; „man denke zum Beispiel an die Software, die in Flugzeugen zum Einsatz kommt.“ Hier entscheidet das reibungslose Funktionieren über Menschenleben. Als Wissenschaftler beschäftigen Konersmann vor allem drei Domänen: „Konkret arbeite ich mit Informationssystemen, um Unternehmen am Laufen zu halten.“ Zudem interessieren ihn sogenannte cyberphysische Produktionssysteme. Bei diesen spiegeln „digitale Zwillinge“ zum Beispiel die Fertigungswege in Fabriken.

Software von „handcrafted“ bis automatisch erzeugt

Aktuell begeistert den Informatiker Forschungssoftware, die Wissenschaftler:innen unterschiedlicher Disziplinen für ihre Arbeit brauchen. „Das sind Forschungsprogramme, die oft gar nicht von Leuten gemacht werden, die Software-Engineering gelernt haben.“ Konersmann möchte seinen Kolleg:innen unter die Arme greifen – und ihnen das Werkzeug geben, Anwendungen künftig noch effizienter maßschneidern zu können. Bei allem steht stets der Mensch als Nutzer und Entwickler im Mittelpunkt. „Mir ist die Sicht der User:innen total wichtig“, betont Konersmann. Passend dazu ist auch sein wissenschaftliches Tagewerk zu großen Teilen auf Austausch und Diskussion ausgerichtet – trotz neuer Möglichkeiten wie Large Language Models (LLMs). „Software kann uns viel Fleißarbeit in der Forschung und Entwicklung abnehmen. Der Mensch entscheidet aber, was er daraus macht.“

Beweglich bleiben

Nach einem langen Tag am Schreibtisch freut sich der Wissenschaftler deshalb aufs Familienleben, in dem er seinen Ausgleich findet. Obwohl auch hier manchmal seine IT-Fertigkeiten gefragt sind: „Ich entwickle Software für meine Familie. Meine Kinder haben beispielsweise immer wieder vergessen, ihre Bücher in der Bücherei abzugeben“, erzählt Marco Konersmann schmunzelnd. „Also habe ich eine App entwickelt, die uns an die Fristen erinnert.“ Ansonsten ist der Forscher sportlich unterwegs, allen voran im Verein vor Ort. Ihm geht es darum, beweglich zu bleiben – und zwar nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf: Das Zauberwort heißt „Begegnung“. Denn ob Akademikerin, Schüler oder Handwerkerin: „Beim Sport trifft man alle.“

 

Das könnte Sie noch interessieren

Benedikt Reuse | 12.02.2026