Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften zu Gast an der FernUniversität
Eine Delegation der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften hat die FernUniversität in Hagen besucht. Empfangen wurden die Gäste von Prof. Dr. Hans-Jörg Schmerer.
Foto: FernUniversität
Im Mittelpunkt des Austauschs standen aktuelle Entwicklungen in der Wirtschaftspolitik sowie das Ansehen Chinas in Europa und insbesondere in Deutschland. Organisiert wurde der Besuch durch den Chinesisch-Deutschen Verein (CDV) aus Düsseldorf.
„In China ist noch kein Verständnis dafür da, dass sich das chinesische Ansehen in den letzten Jahren verschlechtert hat“, sagte Prof. Dr. Hans-Jörg Schmerer, Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbes. Internationale Ökonomie. Viele Menschen in China gingen noch immer davon aus, dass Deutschland und China sehr gute Beziehungen zueinander pflegen.
In seinem Vortrag ging Schmerer auf aktuelle Bestrebungen ein, den europäischen Markt vor chinesischen Überkapazitäten zu schützen. Thematisiert wurden dabei auch die Rolle der USA und die gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme Chinas. So habe die Immobilienkrise zu einem massiven Einbruch der Nachfrage nach Grundstücken geführt. Das stelle die Lokalregierungen vor große Finanzierungsprobleme, denn Infrastruktur und lokale Wirtschaftspolitik seien in der Vergangenheit in hohem Maße durch Landverkäufe finanziert worden.
Quelle
Internationaler Währungsfonds, „People’s Republic of China: 2025 Article IV Consultation“, Pressemitteilung Nr. 26/053 vom 18. Februar 2026: https://www.imf.org/en/News/Articles/2026/02/18/pr-26053-china-imf-executive-board-concludes-2025-article-iv-consultation
Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass die erweiterte Staatsverschuldung Chinas im Jahr 2025 rund 127 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung betrug. Diese Kennzahl umfasst neben der offiziellen Haushaltsverschuldung auch die Schulden der lokalen Finanzierungsgesellschaften und weiterer Fonds außerhalb des Haushalts. Für die kommenden Jahre rechnet der IWF mit einem deutlichen Anstieg: auf rund 135 Prozent im Jahr 2026, 146 Prozent im Jahr 2028 und knapp 154 Prozent im Jahr 2030. Selbst bei einer allmählichen Konsolidierung der Staatsfinanzen würde die Schuldenquote zukünftig weiter steigen.
Vor dem Hintergrund der dramatischen Entwicklung der Staatsverschuldung zeigte die 25-köpfige Delegation besonderes Interesse an wirtschaftspolitischen Themen. Schmerer betonte, wie wichtig der Austausch und das gegenseitige Verständnis für die Sorgen der jeweils anderen Seite seien, um eine Ausweitung des Handelskriegs auf Europa zu verhindern. Beide Seiten vereinbarten, auch künftig im Dialog zu bleiben. Weitere Treffen in Peking sind für das Frühjahr 2027 geplant.
Die Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften
Die CASS wurde 1977 in Peking gegründet und ist die wichtigste Forschungseinrichtung Chinas für Geistes- und Sozialwissenschaften. Sie untersteht direkt dem chinesischen Staatsrat und umfasst mehrere Dutzend Forschungsinstitute, unter anderem zu Wirtschaft, Recht, Soziologie und internationalen Beziehungen. Als staatlicher Thinktank berät sie die chinesische Regierung.
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