Wissenschaftliche Delegation aus Sri Lanka zu Gast
Nach einem Treffen zwischen sri-lankischen und deutschen Forschenden auf dem FernUni-Campus bestätigt sich: „Die Chemie stimmt.“ Forschung wie Lehre profitieren vom Austausch.
Foto: FernUniversität
Kein „Joint Venture“ vom Reißbrett, sondern ein organisch gewachsenes Netzwerk mit vielen Ideen und Plänen – das ist die sich anbahnende Kooperation zwischen der University of Colombo, der Open University of Sri Lanka und der FernUniversität in Hagen. Nach einer ersten gemeinsamen Fact-Finding-Mission von Universitätsbibliothek und Rechtswissenschaftlicher Fakultät nach Sri Lanka im letzten Herbst besuchte jetzt eine sechsköpfige Delegation aus Colombo den Hagener Campus. Hier traf sie sich mit dem Bibliotheksdirektor Prof. Dr. Eric Steinhauer sowie Prof. Dr. Bernhard Kreße und Prof. Dr. Arne Pilniok von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Die gemeinsamen Themen des Austausches waren neben allgemeinen Fragen der digitalen Transformation in der Hochschullehre und der Informationsversorgung aktuelle Herausforderungen im Urheber-, Daten-, Wirtschafts-, Energie- und Verfassungsrecht.
Zusammenarbeit bei Rechtsfragen
Schnell bestätigte sich: Der vergleichende Blick zwischen Sri Lanka und Deutschland lohnt sich – gerade bei den digitalen Transformationsprozessen. „Was die Digitalisierung angeht, ist Sri Lanka technisch auf einem ähnlichen Level wie wir“, ordnet Eric Steinhauer ein, „sie trifft dort aber auf einen ganz anderen kulturellen Background als Deutschland.“ Keineswegs sei es so, dass hier der globale Norden den globalen Süden belehre – im Gegenteil: „Es gibt in Sri Lanka natürlich ähnliche Herausforderungen und Chancen; aber oft erscheinen mir die Leute dort in Sachen Digitalisierung mutiger und kreativer, vielleicht weil es weniger analoge Infrastrukturen und weniger detailverliebte Regeln gibt.“ So verhält es sich auch in Steinhauers Fachgebiet, dem Bibliotheks- und Urheberrecht, in dem er mit sri-lankischen Wissenschaftler:innen in einem produktiven Austausch steht.
Ein wichtiger Pfeiler ist dabei das an der Universität Münster angesiedelte Projekt „Digital Access to Library Content – Legal Frameworks in Germany and Sri Lanka“, in dem der FernUni-Bibliothekar zusammen mit seinen sri-lankischen Kolleginnen und Kollegen derzeit ein Bibliotheksgesetz für Sri Lanka und eine Urheberrechtsnovelle für digitale Bildung und Forschung erarbeitet. „Die politischen Chancen auf Umsetzung stehen gerade gut“, meint Steinhauer optimistisch.
Gewinn für Hagener Rechtswissenschaft
Expertenwissen aus Sri Lanka
- Dr. Wathsala Athukorala (University of Colombo, Sri Lanka, bald: Open University of Sri Lanka)
- Prof. Dr. Nishantha Sampath Punchihewa (University of Colombo, Sri Lanka)
- Asela Dissanayake (University of Colombo, Sri Lanka)
- Prof. Dr. Prathiba Mahanamahewa (University of Colombo, Sri Lanka)
- Prof. Dr. Sanath Sameera Wijesinghe (The Open University of Sri Lanka, Colombo)
- Munasinghe Pathiranage Priyanka Dilhani (University of Colombo, Sri Lanka)
Von der Zusammenarbeit mit Sri Lanka kann vor allem die Rechtswissenschaftliche Fakultät profitieren: „Wir wollen mit den beiden sri-lankischen Universitäten in Bezug auf internationale Promotionen kooperieren“, skizziert Bernhard Kreße. „Auch planen wir gemeinsame Veröffentlichungen.“ Dabei soll die Rechtslage beider Länder vergleichend untersucht werden (Fallrecht in Sri Lanka versus Gesetzesrecht in Deutschland). „Trotz der unterschiedlichen Rechtsysteme gibt es interessante Parallelen, etwa im Datenschutzrecht, das dem europäischen Datenschutzrecht stark nachempfunden ist“, unterstreicht Kreße beispielhaft.
„Ähnlich spannende Anknüpfungspunkte gibt es im Nachhaltigkeits- und Energierecht, vor allem mit Blick auf den auch in Sri Lanka deutlich spürbaren Klimawandel.“ Daher streben die Hagener Juristen eine feste Einbettung der internationalen Partnerschaft in den Forschungsschwerpunkt Energie, Umwelt & Nachhaltigkeit (E/U/N) an. Schließlich ergeben sich auch im Bereich der Lehre Synergien, so Kreße: „Wir planen die Einführung eines englischsprachigen Masters in International Economic and Human Rights Law, für den südasiatische Perspektiven sehr bereichernd wären.“
Saat gemeinsam ausgebracht
„Wir haben jetzt eine Saat ausgebracht“, äußert sich Prof. Dr. Nishantha Sampath Punchihewa im Namen seiner Kolleginnen und Kollegen. „Darin liegt eine großartige Chance für Sri Lanka.“ Als Dekan der Faculty of Law der University of Colombo arbeitet er regelmäßig an konkreten gesetzlichen Reformen in seinem Land mit – und vertraut auf die positive Wechselwirkung mit der FernUniversität. Bereits im Herbst könnte es wieder einen Gegenbesuch aus Hagen geben mit vielen Lectures, Meetings und Vernetzungen. „Wir freuen uns schon darauf“, sagt Eric Steinhauer.
Kooperation beginnt mit einer Mail
Foto: FernUniversität„Der Stein kam mit Dr. Wathsala Athukorala ins Rollen, die mit einem Stipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung für anderthalb Jahre als Gastwissenschaftlerin an der Universitätsbibliothek tätig war“, beschreibt Prof. Eric Steinhauer die ersten akademischen Verbindungen nach Sri Lanka. „Ich habe damals einfach auf eine Mail einer mir völlig unbekannten Kollegin aus Colombo geantwortet“. Wathsalas Aufenthalt in Hagen war am Ende auch für sie persönlich ein großer Erfolg: Sie wird ab Sommer die Leitung Universitätsbibliothek der Open University of Sri Lanka übernehmen.
Foto: Ute Kemmerling
Foto: FernUniversität