Forschungserfolge für zwei Informatikstudierende
Zwei Abschlussarbeiten aus der Informatik an der FernUni reichen in wissenschaftliche Fachpublikationen und Konferenzen hinein. Es geht um IT-Sicherheit und Datenverarbeitung.
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Dass bereits im Bachelorstudium Forschung auf hohem Niveau möglich ist, zeigen aktuell zwei Studierende der FernUniversität in Hagen. Deren Abschlussarbeiten entstehen gerade am Lehrgebiet Parallelität und VLSI und werden von Prof. Dr. Jörg Keller betreut. Sowohl David Bonekamp als auch Christina Kahle konnten ihre Forschungsergebnisse in wissenschaftlichen Publikationen vorstellen.
Auszeichnung für Forschung zur IT-Sicherheit
Mit dem Best Student Paper Award ist David Bonekamp zudem auf der Fachtagung GI Sicherheit 2026 ausgezeichnet worden. Den Preis erhielt er für seinen Beitrag „Indirect Steganographic Channel to Leak Data from a Blacklisting Service“, den er dort auch präsentierte.
Sein Paper befasst sich mit der Entwicklung und Analyse eines sogenannten verdeckten Kommunikationskanals. Dabei zeigt Bonekamp, wie sich eigentlich für Sicherheitszwecke entwickelte Technologien gezielt zweckentfremden lassen. Im Fokus stehen sogenannte Bloom-Filter, die typischerweise genutzt werden, um schädliche Inhalte wie gefährliche Internetadressen effizient zu erkennen und zu blockieren.
Anhand eines konkreten Szenarios demonstriert Bonekamp, wie ein solcher Mechanismus manipuliert werden kann, um Informationen unbemerkt zu übertragen: Dabei schleust ein Insider in einer streng gesicherten Firma sensible Daten nach draußen, indem er fiktive URLs in den Bloom-Filter einträgt. Ein Empfänger außerhalb der Firma fragt diese URLs ab und kann aus den Antworten des Filters die geheime Nachricht bitweise zusammensetzen.
Mögliche Gegenmaßnahmen sieht Bonekamp etwa in der Überprüfung von Einträgen oder der Analyse auffälliger Zugriffsmuster. „Mich hat besonders gereizt, ein Sicherheitsszenario zu untersuchen, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, aber in der Praxis ernsthafte Risiken bergen kann“, sagt der 47-Jährige.
Er bringt dabei Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen ein: Neben seiner Tätigkeit als leitender Oberarzt in der Abteilung Radiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) absolviert er das Bachelorstudium der Informatik an der FernUni, um seine Kompetenzen an der Schnittstelle von Medizin und IT weiter auszubauen.
Zum vollständigen Artikel
Bonekamp, David; Keller, Jörg (2026): Indirect Steganographic Channel to Leak Data from a Blacklisting Service. SICHERHEIT 2026. DOI: 10.18420/sicherheit2026_05. Gesellschaft für Informatik, Bonn. ISSN: 2944-7682. ISBN: None. https://dl.gi.de/items/79d70b49-bed9-4ac9-a381-d7e69c2565cd
Publikation zur effizienten Datenverarbeitung
Er ist nicht der einzige FernUni-Studierende, der zeigt, dass wissenschaftliche Forschung nicht erst im Masterstudium beginnt: Auch Informatikstudentin Christina Kahle konnte einen Artikel in einer Fachzeitschrift veröffentlichen, der die Grundlage für ihre laufende Bachelorarbeit bildet.
Der Artikel „Tradeoff Between Speed and Memory Requirements for Decoding of Prefix-Free Codes“ wurde in der Fachzeitschrift Algorithms publiziert und bildet die Grundlage für ihre Arbeit. Im Zentrum steht die Frage, ob sich beim Entschlüsseln komprimierter Daten – etwa bei der weit verbreiteten Huffman-Codierung – optimale Zwischenlösungen zu bekannten Vorgehensweisen finden lassen, welche einen Ausgleich zwischen Rechengeschwindigkeit und Speicherbedarf liefern.
Kahle hat dafür mit Algorithmen experimentiert, die flexibel zwischen verschiedenen Varianten der Datenverarbeitung vermitteln können. Während bisherige Verfahren entweder besonders schnell, aber speicherintensiv, oder speichersparend, aber langsamer waren, eröffnet dieser Ansatz neue Zwischenlösungen. Die Experimente zeigen, dass die Algorithmen nahezu die Geschwindigkeit der besten bisherigen Methode erreicht, dabei aber deutlich weniger Speicher benötigt oder – bei moderatem Mehraufwand – schneller arbeitet als einfachere Verfahren.
„Die Ergebnisse sind insbesondere für Anwendungen relevant, bei denen große Datenmengen effizient verarbeitet werden müssen, etwa beim Streaming von Audio und Video oder auf mobilen Geräten mit begrenzten Ressourcen“, erklärt Kahle. „Durch den neuen Ansatz erhalten Entwicklerinnen und Entwickler mehr Möglichkeiten, ihre Systeme gezielt auf Geschwindigkeit oder Speicherverbrauch zu optimieren.“
Zur Veröffentlichung
Keller, J., & Kahle, C. (2026). Tradeoff Between Speed and Memory Requirements for Decoding of Prefix-Free Codes. Algorithms, 19(1), 5. https://doi.org/10.3390/a19010005
Forschung bereits im Studium fördern
„Beide Arbeiten greifen grundlegende Fragestellungen der Informatik auf und überführen sie in konkrete, anwendbare Lösungen“, ordnet Prof. Dr. Jörg Keller ein. „Die Ergebnisse zeigen, welches Potenzial in der frühzeitigen Einbindung von Studierenden in aktuelle Forschungsfragen liegt.“ Die Erfolge von David Bonekamp und Christina Kahle unterstreichen damit die Bedeutung forschungsnaher Lehre und zeigen, dass bereits im Bachelorstudium Beiträge mit praktischer Relevanz entstehen können.
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