Von der Vertretungsplan-App zum Doktortitel

Jobin Strunk ist der 400. Forscher, der an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft promoviert hat. Er ist gebürtiger Hagener – und auch sein Bildungsweg ist typisch FernUni.


Portrait auf Campus Foto: FernUniversität
Hagener Bildungskarriere: Jobin Strunk ist der 400. Promovend der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft. Seine Dissertation hat er erfolgreich verteidigt, in Kürze erhält er seine Urkunde samt Doktortitel.

Ein Jubiläum und zugleich Heimspiel für die FernUniversität: Jobin Strunk ist der 400. Promovend der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft – und gebürtiger Hagener. Der 28-Jährige arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Univ.-Prof. Dr. Stefan Smolnik, Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebliche Anwendungssysteme. Als Jobin Strunk hier mit seiner Doktorarbeit begann, nahm ChatGPT gerade Fahrt auf – in Gesellschaft und Medien rollte eine Hype-Welle. „Das war für viele Menschen der erste Kontaktpunkt zu Künstlicher Intelligenz (KI)“, ordnet der Forscher ein. „Plötzlich war KI im Leben der Menschen angekommen.“ Viele zeigten sich der neuen Technik zugeneigt, andere gaben sich skeptisch oder lehnten Sprachmodelle wie ChatGPT ab. „Das hat mich fasziniert. Ich wollte mehr darüber wissen, warum manche Menschen KI eher benutzen als andere.“ Um das Phänomen zu untersuchen, konzentrierte er sich auf ein bestimmtes Nutzungsszenario: die Unterstützung von Entscheidungen: „Menschen haben auf einmal damit angefangen, ChatGPT zu fragen, welche Aktien sie kaufen oder wie sie ihre Erkältung behandeln sollen.“

Vertrauen im Mittelpunkt

Strunk kam dabei auf den Begriff des Vertrauens: „Es ist aus der Perspektive meiner Dissertation ein zentraler Mechanismus, der erklären kann, warum manche Menschen diese Systeme für ihre Entscheidungen verwenden und andere nicht.“ In seiner Dissertation stellt er dar, dass die Vertrauensbeziehung stark vom Kontext abhängt: „Je nachdem, in welchem Zusammenhang eine Empfehlung von einer KI abgegeben wird, unterscheidet sich das Vertrauensverhalten“, gibt der Forscher einen Einblick. „Bei medizinischen Entscheidungen sind die Menschen zum Beispiel eher geneigt, einer KI zu vertrauen als bei finanziellen Entscheidungen.“ Die Erklärung hierfür könnte im Abstraktionsgrad liegen. „Die Vorstellung, nach einer falschen Finanzentscheidung 1.000 Euro weniger zu besitzen, ist einfach viel konkreter als irgendeine eine langfristige Auswirkung auf meinen Gesundheitszustand.“

Smarte App statt schwarzem Brett

Mit seinem Forschungsinteresse bewegt sich Strunk von der reinen Betriebswirtschaftslehre weg hin zur Informatik und Psychologie. „Selbst würde ich mich dem ‚Informations-Systems-Research‘ zuordnen“, umfasst es der Wissenschaftler mit einem englischen Begriff. „In diesem Forschungsbereich geht es viel um das Systemnutzungs- und -anwendungsverhalten von Menschen.“ Die Neugierde in diesem Bereich begleitet den gebürtigen Hagener schon lange: Am Theodor-Heuss-Gymnasium wünschte er sich digitale Vertretungspläne – kurzerhand entwickelte der Teenager selbst eine smarte Lösung. Statt einem Papieraushang gab es seitdem eine App: „So konnte man schon morgens im Bett sehen, ob die ersten beiden Stunden ausfallen – und sich nochmal umdrehen.“

Von der FH an die FernUni

Nach dem Abitur blieb Jobin Strunk Hagen treu und absolvierte seinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Südwestfalen. „Für den Master bin ich dann an die FernUni gekommen.“ Neben dem Studium arbeitete der damals Mitte-Zwanzigjährige: „In dieser Zeit war ich an der FH als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt – und auch als Berater im Bereich von IT-Prozessdigitalisierung tätig.“ 2022 wurde er Wissenschaftler im Team von Univ.-Prof. Dr. Stefan Smolnik an der FernUni; ein Jahr später startete er hier sein Promotionsvorhaben. „Für das Modul ‚Business Intelligence‘ habe ich an der FH außerdem seit zwei Jahren einen Lehrauftrag“, freut sich Strunk.

„Hätte man mich bei der Einschulung eingruppieren müssen, es wäre wohl eher unwahrscheinlich gewesen, dass man mir einen Doktortitel mit summa cum laude voraussagt.“

Jobin Strunk

Typische FernUni-Biografie

Zur steilen akademischen Karriere gehört ein ungewöhnlicher Bildungshintergrund, der jedoch gerade dadurch zur FernUniversität passt. „Hätte man mich bei der Einschulung eingruppieren müssen, es wäre wohl eher unwahrscheinlich gewesen, dass man mir einen Doktortitel mit summa cum laude voraussagt“, umschreibt es Jobin Strunk. „Ich komme nicht aus einem Akademiker-Haushalt. Es waren nicht beide Elternteile präsent; meine Mutter hat meine Schwester und mich allein großgezogen – unterstützt von unseren Großeltern. Für all die Unterstützung auf meinem Weg kann ich meiner Familie gar nicht genug danken!“

Pläne abseits des Campus

Erhalten bleibt der Wissenschaftler seiner Almer Mater noch bis Ende des Studienjahres – danach muss er sich in der Wirtschaft beweisen, um seinem Ziel näherzukommen: Fachhochschulprofessor zu werden. „Ich werde bestimmt in die akademische Welt zurückkehren“, verspricht Jobin Strunk. „Forschung und Lehre machen mir Spaß, das liegt mir einfach, darauf freue ich mich!“

 

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