Hagener Philosophietage: Zwischen Erkenntnis und Engagement

Wie politisch darf Philosophie sein – und wo endet die ergebnisoffene Suche nach Erkenntnis? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Studierende, Absolvent:innen und Lehrende.


Hagener-philosophietage-gruppe Foto: FernUniversität
Studierende, Absolvent:innen und Lehrende besuchten die Hagener Philosophietage.

Unter dem Titel „Zwischen Erkenntnis und Engagement: Wie Philosophie arbeitet und wie politisch sie sein sollte“ diskutierten sie über gesellschaftliche Verantwortung, wissenschaftliche Freiheit und die Grenzen philosophischer Auseinandersetzung. „Die Philosophietage haben einen Nerv getroffen“, bilanziert Prof. Martin Lenz, Direktor des Instituts für Philosophie und Leiter des Lehrgebiets Philosophie mit Schwerpunkt Theoretische Philosophie. Einige Teilnehmende reisten dafür aus München, Zürich und Wien an. Besonders die Gelegenheit zum persönlichen Austausch und die neu ausgerichtete Absolvent:innenfeier kamen gut an.

Überzeugungen auf dem Prüfstand

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Prof. Geert Keil von der Humboldt-Universität Berlin hinterfragte das Selbstverständnis der Philosophie.

Den inhaltlichen Auftakt bildete der Festvortrag von Prof. Dr. Geert Keil von der Humboldt-Universität zu Berlin: „Engagierte Philosophie zwischen Erkenntnissuche und Agendawissenschaft“ hinterfragte das Selbstverständnis der Disziplin. „Die Keynote ging dahin, wo es wehtut“, sagt Lenz. Sie stellte grundlegende Vorstellungen davon, was Philosophie ausmacht und welche gesellschaftliche Rolle sie einnehmen sollte, auf den Prüfstand.

Diese Auseinandersetzung ist für Lenz besonders wichtig, weil Geisteswissenschaften und Universitäten zunehmend unter Druck stehen, den Nutzen ihrer Arbeit in einem politisch aufgeheizten Klima zu begründen. Gerade dann sei es wichtig, Überzeugungen nicht einfach zu verteidigen, sondern kritisch zu prüfen. Die Studierenden beteiligten sich aktiv an der Diskussion­ – „sie waren bestens vorbereitet“.

In gemeinsamen Lektüregruppen vertieften die vier Lehrgebiete des Philosophischen Instituts verschiedene philosophische Fragestellungen. Dabei diskutierten die Teilnehmenden unterschiedliche Zugänge zu Erkenntnis und Engagement und kamen insbesondere über unterschiedliche Studienphasen hinweg miteinander ins Gespräch.

Wo endet Ergebnisoffenheit?

Hagener-philosophietage-martin-lenz Foto: FernUniversität
„Die Philosophietage haben einen Nerv getroffen“, bilanziert Prof. Martin Lenz, Direktor des Instituts für Philosophie.

Bei einer interaktiven Podiumsdiskussion diskutierten Prof. Keil, Vertreter:innen der Lehrgebiete und die Teilnehmenden erneut über die politische Rolle der Philosophie. Soll sie gesellschaftliche Verhältnisse kritisch analysieren, gänzlich ergebnisoffen bleiben oder sich auch für bestimmte Werte und Ziele einsetzen?

Für Martin Lenz ist Philosophie immer politisch. Bereits die Auswahl der Fragen und die Entscheidung darüber, was als gesellschaftliches Problem gilt, haben politische Bedeutung. Zugleich muss philosophische Arbeit aber offen für unterschiedliche Ergebnisse bleiben – auch dann, wenn diese politisch unerwünscht sind oder gesellschaftlichen Tabus widersprechen. Wie lässt sich dieses Spannungsverhältnis auflösen? „Es gibt keine klaren Trennlinien, aber unterschiedliche Gewichtungen“, beschreibt Lenz die Diskussion.

Auch kontroverse und emotional aufgeladene Themen wie der Nahostkonflikt kamen zur Sprache. Entscheidend daran war, dass die Beteiligten unterschiedliche Perspektiven zuließen und trotz möglicher Differenzen konstruktiv miteinander diskutierten.

Eigenes philosophisches Selbstverständnis entwickeln

Ein Anliegen der Hagener Philosophietage ist, Studierenden zu helfen, ein eigenes Verständnis ihrer Disziplin zu entwickeln, ohne sich vorschnell auf eine bestimmte Position festzulegen. Auch der Umgang mit verschiedenen Textsorten spielt dabei eine Rolle: Welche Fragen behandelt ein wissenschaftlicher Beitrag, welche Perspektiven eröffnet ein Feuilletontext? „Die Philosophie lebt von den Inhalten anderer Fächer. Ihre Aufgabe besteht auch darin, diese Inhalte zu reflektieren und ihre Voraussetzungen zu hinterfragen“, sagt Lenz.

Künftig möchte das Institut die Abschlussphase des Studiums stärker in den Blick nehmen. Zur Zeit wird mit dem ZLI unter anderem ein Film gedreht, in dem Studierende von ihren Erfahrungen rund um den Studienabschluss berichten und damit künftigen Absolvent:innen Orientierung geben.

Die Hagener Philosophietage machten deutlich, dass die Frage nach dem politischen Auftrag der Philosophie eng mit ihrem wissenschaftlichen Selbstverständnis verbunden ist. Wie sie sich zu gesellschaftlichen Konflikten positioniert, bleibt Gegenstand der Diskussion.


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