Sebastian Lucke

Olympia, Ninja Warrior Germany und Jura in Teilzeit

Foto: Viviana Lucke
Im schweizerischen Villars zur Bestzeit: Sebastian Lucke gehört mit 5,34 Sekunden auf 15 Metern zu den schnellsten Männern der Welt.

Er gehört zu den schnellsten Männern der Welt. Zumindest, wenn es im Eiltempo die Wand hoch geht. Bis vor kurzem war Sebastian Lucke deutscher Rekordhalter im Speedklettern mit einer Zeit von 5,34 Sekunden auf 15 Metern – in der Vertikalen versteht sich. Zu den Besten der Welt will der 21-Jährige aus Wuppertal auch im Olympia-Jahr 2024 gehören: Mit der Qualifikation für die Sommerspiele in Paris möchte er sich einen Riesentraum erfüllen. Aktuell setzt sich Sebastian Lucke mit dem Jura-Studium an der FernUniversität in Hagen eine neue Herausforderung – bewusst in Teilzeit und diesmal nicht im Sprint.

Das Fernstudium als zweites Standbein

„Ich brauche etwas für meinen Kopf und ein zweites Standbein“, sagt er. „Mit Klettern wird man nicht reich.“ Schon einmal hat er nach seinem Abitur ein Studium ausprobiert: Biologie in Düsseldorf in Präsenz. „Das war nicht mein Thema und das Studium nicht mit dem Sport vereinbar“, bilanziert er. „Ich muss super flexibel sein.“ Auf der Suche nach dem richtigen Fach und der passenden Uni ließ er sich am Olympia-Stützpunkt NRW testen und beraten. Eine Potenzialanalyse brachte Rechtswissenschaft ins Spiel, als flexibles Fernstudium in Hagen. „Jura fand ich schon immer cool. Aber das anspruchsvolle Studium parallel zum Leistungssport hat mich zunächst abgeschreckt“, blickt er zurück.

Anders als im Sport drückt Sebastian Lucke daher im Fernstudium bewusst nicht aufs Tempo. Mit dem Propädeutikum und dem allgemeinen Teil des BGB belegt er zwei von drei Kursen aus dem ersten Semester. Er lernt mit Studienbriefen und Sachbüchern und erstellt sich Übersichtskarteien. „Ich bin noch dabei herauszufinden, wie ich am besten lerne“, beschreibt er seine Erfahrungen. Einmal pro Woche nimmt Sebastian Lucke an Online-AGs teil. „Die helfen mir gut. Ich bereite Materialien und Fälle vor, die wir gemeinsam besprechen.“

Erst studieren, dann trainieren

Sein Alltag mit Studium und Training ist straff durchorganisiert. „Im Moment lerne ich jeden Tag“, sagt er. „Die Zeit vor dem Training ist fest für die FernUni reserviert.“ Von sechs bis neun Uhr morgens sitzt er zu Hause am Schreibtisch. Dann folgen mittags und am Spätnachmittag zwei Trainingseinheiten. Vom Bodensee hat es den jungen Mann ins Mekka des deutschen Speedkletterns gezogen. In Düsseldorf und Hilden trainiert das Nationalteam in Kletterhallen, die neben dem Breitensport auch auf diese Wettkampfdisziplin ausgerichtet sind. Ganze Läufe, einzelne Abschnitte und viel Krafttraining mit Gewichten stehen bei bis zu neun Einheiten pro Woche auf dem Programm. Beim Speedklettern geht es darum, in möglichst kurzer Zeit an künstlichen Wänden eine Route abzuklettern. Diese ist überall auf der Welt gleich.

Speedkletterer Sebastian Lucke Foto: BRYCK

Die Olympischen Spiele sind für mich ein Riesentraum. Dafür arbeite ich sehr hart.

Speedkletterer Sebastian Lucke

Im Olympiajahr wird Sebastian Lucke viel unterwegs sein. Dann muss der für die Sektion Düsseldorf des Deutschen Alpenvereins startende Athlet sich neu organisieren. Die Reisezeit im Zug und Flugzeug will er für sein Fernstudium nutzen. Mitte Mai in Shanghai und Ende Juni in Budapest fällt bei zwei Qualifikationen die Entscheidung, ob er in Paris dabei ist. „Ich gebe mein Bestes“, sagt Sebastian Lucke. „Dafür arbeite ich sehr hart.“ Für einen erneuten Ausflug in die RTL-Wettkampfshow Ninja Warrior Germany, in der er 2022 auf Anhieb im Finale stand, wird daher wenig Zeit bleiben. „Ich hätte aber irgendwann nochmal Lust, es zum Spaß zu machen“, ist Lucke offen für Ausflüge in die Fernsehwelt. „Als Kletterer habe ich gute Voraussetzungen und bei meiner Premiere hat es auch ohne Vorbereitung direkt gut geklappt.“

Die Jagd nach dem perfekten Lauf

Eine Reihe von nationalen und internationalen Erfolgen hat der deutsche Meister von 2020 bereits errungen. „Die Faszination liegt in der Perfektion. Mich reizt die Jagd nach dem perfekten Lauf im Wettkampf“, beschreibt er. „Ein Zehntel von der Zeit runterzubekommen, ist harte Arbeit.“

Auf weniger Perfektion setzt er im Jura Studium. „Alles kann man nie wissen“, bleibt er entspannt und macht sich keinen Notendruck. „Aber ich will trotzdem möglichst gut bestehen.“ Die nächsten Jahre jedenfalls soll der Leistungssport weiter an erster Stelle stehen. „Daher habe ich mich bewusst für das System Fernstudium entschieden“, sagt Sebastian Lucke. „Es ist für mich die beste Option, um Klettern und Jura zu vereinbaren.“

Stand: Dezember 2023


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