Sophia Weixler
Wenn Berufung auf Rechtswissenschaft trifft: Ordensschwester studiert Jura
Foto: Volker Wiciok
Der Wunsch, Jura zu studieren, begleitet Sophia Weixler schon lange. Aufgewachsen im Allgäu, saß sie schon als Jugendliche mit einer Freundin als Zuschauerin bei Verhandlungen im Amtsgericht. „Ich war schon immer fasziniert von Rechtsprechung“, sagt sie. Zunächst schlug ihr Weg jedoch eine andere Richtung ein: Sie absolvierte ein freiwilliges Jahr in einem Krankenhaus in Tansania und machte anschließend in Deutschland eine Ausbildung zur Krankenpflegerin, nachdem sie 2019 dem Orden der Vinzentinerinnen beigetreten war.
„Gerade während der Corona-Pandemie bin ich an meine ethischen Grenzen gestoßen“, erinnert sie sich. Sie entschied sich, Rechtswissenschaften zu studieren und schrieb sich zunächst an einer Präsenzuniversität ein. Im Orden ist jede Schwester beruflich tätig, zugleich bleibt die Arbeit dem Gemeinschaftsleben untergeordnet. „Ich bin Teil einer gemeinsamen Vision und doch Individuum mit eigenen Zielen“, beschreibt Weixler. Ihr individueller Weg verbindet Pflege, internationale Arbeit und juristische Ausbildung.
Erste Prüfung für Staatsexamen steht bevor
Inzwischen studiert Sophia Weixler im achten Semester Rechtswissenschaften an der FernUniversität. Den Bachelor of Laws hat sie bereits erfolgreich abgeschlossen, ebenso den Schwerpunktbereich und damit den universitären Teil des Staatsexamens. Auch das Masterstudium steht kurz vor dem Abschluss. Im Juni folgt der schriftliche Teil des ersten Juristischen Staatsexamens. „Dass ich in einem solchen akademischen Turbo studieren konnte, verdanke ich wesentlich der institutionellen Freiheit unserer Universität, insbesondere durch die diversen digitalen Angebote.“
Alltag zwischen Pflege, Auslandseinsatz und Studium
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Ihr Alltag ist geprägt von unterschiedlichsten Anforderungen: Sie pflegt als Krankenschwester ihre Mitschwestern, begleitet junge Menschen bei einem Auslandsjahr in Tansania und dolmetscht für Ordensschwestern vor Ort aus dem Kisuaheli. Als eine Versetzung innerhalb der Ordensgemeinschaft anstand, stellte die ihren bisherigen Studienweg an einer Präsenzuni infrage. Sie wechselte 2024 an die FernUniversität. Rückblickend beschreibt sie diese Entscheidung als Glücksfall: Die Hochschule sei für sie „mehr als nur ein Ort des Lernens“ – sie ist „eine Brücke, die es mir erlaubt, meine Berufung als Ordensschwester zu leben und gleichzeitig einen akademischen Weg zu gehen. Die Flexibilität der FernUniversität ist die notwendige Bedingung dafür, dass mein Studium und meine Verpflichtungen in der Gemeinschaft vereinbar sind.“
Lernen mit eigenem Fokus
Als Vollzeitstudentin plant sie ihre Modulbelegung eigenständig, strukturiert ihr Studium selbst und nutzt Lernzeiten zwischen ihren zahlreichen Verpflichtungen. Klassische Lerngruppen sind unter diesen Bedingungen schwer zu organisieren; für die Examensvorbereitung arbeitet sie deshalb gezielt mit einer Lernpartnerin zusammen.
„Die FernUniversität bietet ein hohes Maß an Eigenverantwortung und fördert eine intensive, fokussierte Auseinandersetzung mit dem eigenen Fach.“Sophia Weixler
Die Distanz des Fernstudiums empfindet sie dabei nicht als Nachteil. Im Gegenteil: „Sie lässt den Wert persönlicher Begegnungen steigen“, sagt Weixler und schiebt nach: „Außerdem hatte ich WG-Leben und Party während der Ausbildung.“ Fernstudierende erlebt sie als besonders fokussiert und zielorientiert. Im Vergleich zum Präsenzstudium hebt sie die Atmosphäre hervor: „Jura gilt häufig als Ellbogenstudium, doch an der FernUniversität habe ich vor allem gegenseitige Unterstützung erlebt.“
Individuelle Pläne – in Gemeinschaft gedacht
Wie es nach dem Studium weitergeht, ist noch offen. Möglicherweise geht sie ins Referendariat, über ein postgraduales Studium im Kirchenrecht denkt sie ebenfalls nach. Fest steht für sie vor allem eines: Ihr beruflicher Weg bleibt eingebettet in das Leben der Ordensgemeinschaft. „Jede kann sich beruflich selbst verwirklichen und so leben wir unsere gemeinsame Vision.“
Stand: Mai 2026
Foto: privat
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