FernUni als Motor für nachhaltige Entwicklung
Wie lassen sich die UN-Nachhaltigkeitsziele regional umsetzen? Teilnehmende aus Wissenschaft, Stadt und Wirtschaft erarbeiteten konkrete Ansätze zur Kooperation und Transformation.
Foto: FernUniversität
Nachhaltigkeit wird oft global diskutiert. In Hagen ging es jetzt um die konkrete Umsetzung vor Ort. Wie gelingt klimaneutrale Energieversorgung? Wie wird Bildung chancengerechter? Und wie können Stadt, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft besser zusammenarbeiten? Mit diesen Fragen haben sich 60 Vertreterinnen und Vertreter aus der Region beim Workshop „Hochschulen und regionale Transformation“ an der FernUniversität in Hagen beschäftigt. Das Vorhaben war klar: Die globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen sollen nicht abstrakt bleiben, sondern in Städten wie Hagen wirksam werden.
Schon zu Beginn machten Prof. Dr. Karsten Kieckhäfer, Direktor des Forschungsschwerpunktes Energie, Umwelt & Nachhaltigkeit (E/U/N), und Dr. Anne Caplan, wissenschaftliche Referentin am Wuppertal Institut, deutlich, worum es geht. „Die FernUniversität versteht sich als Plattform, die vorhandene Ideen bündelt und Menschen an einen Tisch bringt“, so Kieckhäfer. Nachhaltige Transformation brauche Vernetzung und einen Ort, an dem Wissen zusammengeführt werde. Caplan verwies auf die besondere Ausgangslage Nordrhein-Westfalens. „Kein anderes Bundesland hat eine vergleichbare Hochschuldichte und Forschungsstärke.“ Dieses Potenzial müsse stärker miteinander verbunden werden, um Innovation in die Region zu tragen.
Nachhaltigkeit braucht Kooperation statt Symbolpolitik
Die inhaltliche Einordnung lieferte Prof. Dr. Henning Wilts, Professor für Circular Society am Wuppertal Institut und an der FernUniversität. Seine Doppelrolle steht exemplarisch für die angestrebte Vernetzung zwischen außeruniversitärer Forschung und Hochschule. Er machte deutlich, dass Nachhaltigkeit derzeit politisch unter Druck gerate, obwohl sich ökologische Belastungsgrenzen weiter verschärften. Gerade deshalb brauche es regionale Allianzen. Am Beispiel der Kreislaufwirtschaft zeigte Wilts, dass Transformation weit über Recycling hinausgeht. Produkte müssten anders designt, Geschäftsmodelle neu gedacht und Lieferketten kooperativ organisiert werden. „Das funktioniert nicht innerhalb einzelner Institutionen“, so Wilts. „Es braucht abgestimmtes Handeln zwischen Unternehmen, Politik und Wissenschaft.“
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Wie das praktisch aussehen kann, zeigte der Workshop von Prof. Dr. Michael Bucksteeg zur Urban Data Plattform der Stadt Hagen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie kommunale Energie und Klimadaten so genutzt werden können, dass sie konkrete Entscheidungen unterstützen. Ziel ist es, die bestehende Plattform strategisch weiterzuentwickeln, damit sie nicht nur Daten sammelt, sondern aktiv Innovation ermöglicht und die Grundlage für eine klimaneutrale Planung bildet.
Diskutiert wurden verbesserte Schnittstellen zwischen Verwaltung, Energieversorgern und Planung sowie Maßnahmen, die für Bürgerinnen und Bürger unmittelbar spürbar sind. Etwa eine effiziente Straßenreinigung mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI), oder ein intelligentes Beleuchtungskonzept für ein höheres Sicherheitsempfinden in Teilen der Innenstadt. Dazu gehörten aber auch eine optimierte Verkehrssteuerung und datenbasierte Ansätze für Luftreinhaltung.
Bildung als langfristiger Schlüssel
Auch in weiteren Workshops wurde an regionalen Stellschrauben gearbeitet. Mit Bildungsakteuren vor Ort, dem BNE-Regionalzentrum Marienhof, der VHS, dem städtischen Bildungsbüro, außerschulischen Bildungsakteuren und Lehrkräften diskutierte eine Arbeitsgruppe rund um Bildungsforscherin Prof. Dr. Julia Schütz, wie chancengerechte Grundbildung von der Kita bis zur Sekundarstufe I in der Region gestärkt werden kann. Als eine Idee wurde eine regionale digitale Plattform besprochen, die Expertinnen und Expertinnen besser vernetzt und Fachkräfte in Schulen und anderen Einrichtungen gezielt unterstützt.
Gemeinsam mit den Vertreterinnen und Vertretern der Effizienz-Agentur NRW am Standort Hagen dem Energieversorger Enervie, dem Umweltamt und Hagener Nachhaltigkeitsinitiativen ging es um Wege zu einer klimaneutralen Energie- und Wärmeversorgung vor Ort (Dr. Julia Reinermann, Hannah Müller). Hagens Europabeauftragter Pascal Putsch brachte Perspektiven zur kommunalen Umsetzung der Agenda 2030 ein, während eine weitere Arbeitsgruppe (Landeszentrale für politische Bildung NRW, Freiwilligenzentrale, AllerWeltHaus Hagen und Fachbereich Kultur) die Stärkung demokratischer Institutionen und gesellschaftlicher Teilhabe in der Region in den Fokus rückte (Prof. Dr. Christian Grabau).
Auftakt für einen langfristigen Prozess
Anschließend präsentierten die Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse in einem offenen Gallery Walk. Doch neben den konkreten Ergebnissen stand vor allem eines im Mittelpunkt: Vernetzung. Viele Teilnehmende betonten, wie wichtig der direkte Austausch zwischen Hochschule, Stadt, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sei. Der Workshop versteht sich als Auftakt. Die entwickelten Ideen sollen nun weiter konkretisiert und in bestehende Netzwerke eingespeist werden. Die FernUniversität sieht ihre Aufgabe darin, nachhaltige Entwicklungen in der Region anzustoßen und Akteure dauerhaft zu vernetzen.
Hochschulen und regionale Transformation
Die Veranstaltung war eine Kooperation der FernUniversität in Hagen mit der Stadt Hagen, der Fachhochschule Südwestfalen, dem Europabüro der Stadt Hagen in der VHS, der Volkshochschule Hagen, dem AllerWeltHaus sowie der Nachhaltigkeitsinitiative Humboldtn. Sie alle machten deutlich, dass nachhaltige Transformation in der Region kein Einzelprojekt ist, sondern ein längerfristiger Prozess.
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