Natur(en): Interdisziplinäre Perspektiven auf einen vieldeutigen Begriff
Die interdisziplinäre Tagung der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften hat nach dem Verhältnis von Mensch und Natur gefragt. Ein Denkpfad soll zum Thema entstehen.
Es ist heiß auf dem Campus der FernUniversität in Hagen. Die Auswirkungen der Klimakrise sind nicht nur Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen, sondern auch unmittelbar körperlich zu spüren. Passend dazu stand die vierte interdisziplinäre, universitätsinterne Tagung der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften unter dem Thema „Natur(en)“. Diskutiert wurde die Frage, wie Menschen Natur wahrnehmen, nutzen und gestalten – und wie ein zukunftsfähiger Umgang mit ihr aussehen kann.
Die Vorbereitung der Tagung hatte das Lehrgebiet Allgemeine Bildungswissenschaft von Prof. Dr. Christian Grabau übernommen. Das Thema knüpft an aktuelle Entwicklungen in der Fakultät an: Derzeit entstehen vielfältige neue Inhalte, die sich mit dem Verhältnis von Menschen mit der Natur beschäftigen. „In allen Bachelorstudiengängen der Fakultät sind Module in Arbeit, die das Thema Natur unterschiedlich aufgreifen“, erläuterte Grabau. Sein Lehrgebiet entwickelt zum Beispiel mit dem Lehrgebiet Erwachsenen- und Weiterbildung von Prof. Dr. Eva Cendon ein neues Modul zur transformativen Bildung. Dabei geht es um die Frage, wie gesellschaftlicher Wandel mitgestaltet werden kann und welche Rolle Bildung für nachhaltige Entwicklung dabei spielt.
Zwischen Klimakrise, Katastrophen und gesellschaftlichem Wandel
Von der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl bis zu aktuellen Herausforderungen durch Waldbrände, Starkregen und den fortschreitenden Klimawandel: Immer wieder stand die Frage im Raum, wie Gesellschaften angesichts ökologischer Krisen mit bisherigen Lebensweisen umgehen und wie sich ein anderes Verhältnis zur Natur entwickeln lässt. Dabei wurde im disziplinübergreifenden Dialog deutlich: Natur ist nicht nur Gegenstand naturwissenschaftlicher Forschung, sondern der Umgang des Menschen mit seiner Lebenswelt hat auch eine kulturelle, soziale, historische und politische Dimension.
Interdisziplinärer Austausch als Perspektivwechsel
Vertreter:innen aus unterschiedlichen Disziplinen und Statusgruppen diskutierten, was die jeweiligen Fachrichtungen einbringen – und wo sie voneinander lernen können. Welche historischen Perspektiven brauchen die Soziologie, die Literatur- und die Politikwissenschaft? Welche Fragen entstehen, wenn Bildungswissenschaft, Philosophie oder Geschichte miteinander ins Gespräch kommen? „Wir lernen den eigenen Standort im Kontrast anderer Disziplinen kennen“, betonte Bildungswissenschaftlerin und Mitorganisatorin Johanna Profft.
Denken in Bewegung: Ein Forschungspfad als Inspirationsquelle
Ein besonderer Teil der Tagung führte die Teilnehmenden hinaus in den Fleyer Wald. Unter dem Motto „Denken im Gehen“ wurde der Austausch in Bewegung fortgesetzt. Beim gemeinsamen Spaziergang entstanden neue Gedanken zu Forschung und Lehre. Das Format überzeugte: Einige Forschende um Prof. Dr. Martin Kiel (Literatur- und Medienwissenschaft) möchten einen dauerhaften Denkpfad in Campusnähe entwickeln – angelehnt an einen Fitnesspfad, jedoch mit wissenschaftlichen Impulsen rund um das Verhältnis von Mensch und Natur.
Impulse für Forschung, Lehre und zukünftige Zusammenarbeit
Die Tagung bleibt nicht als Einzelveranstaltung stehen. Der intensive Austausch zwischen den Fachdisziplinen wird fortgesetzt und soll in zukünftige Forschungsprojekte, Publikationen sowie in die Weiterentwicklung der Lehre und Studiengänge einfließen. „Die verschiedenen Disziplinen hatten sich viel zu sagen und einander viel zu bieten. Man lernt die Kolleg:innen aus den anderen Instituten nochmal neu kennen“, zog Christian Grabau Bilanz. „Wir können und wollen auch in Zukunft noch viel interdisziplinärerer zusammenarbeiten.“
Die Tagung „Natur(en)“ zeigte damit: Die Auseinandersetzung mit Natur braucht viele Perspektiven. Gerade der interdisziplinäre Dialog kann dazu beitragen, neue wissenschaftliche Zugänge zu entwickeln und gesellschaftliche Transformationsprozesse kritisch zu begleiten.
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