Judith Preuß: „Datensalat macht mir richtig Spaß“

Der besondere Bildungsweg von Judith Preuß führte von der Hotelrezeption zum Campus. Passend dazu fragt ihre Doktorarbeit nach guten Studienbedingungen, egal woher man kommt.


Web-promo-judith-preuss-8543 Foto: FernUniversität
Prof. Dr. Andreas Mokros, Dekan der Fakultät für Psychologie, gratulierte Dr. Judith Preuß zu ihrer Promotion.

„Ich mag das Zweigleisige an meinem Job sehr“, sagt Dr. Judith Preuß mit Blick auf ihre Aufgaben als Wissenschaftlerin – in der Forschung wie in der Lehre. An der FernUniversität hat die Psychologin jetzt ihre Promotion mit summa cum laude abgeschlossen. Geahnt, dass sie einmal Doktorin in Hagen sein würde, hätte sie vor 20 Jahren sicher nicht. Typisch FernUni, wies ihr Karriereweg erst einmal in eine ganz andere Richtung als in die wissenschaftliche: Nach einer Ausbildung zur Hotelfachfrau arbeitete sie am Empfang und im Personalbüro des Essener Mövenpick-Hotels. Im Dortmunder Golfclub war sie stellvertretende Restaurantleitung. Schließlich landete sie nach einer Weiterbildung als Filialleiterin bei Tchibo. Während einer ersten Elternzeit mit ihrem Sohn zwischen 2009 und 2012 kam der erste Kontakt mit der FernUniversität: „Ich habe einfach mal reingeguckt – und angefangen Psychologie zu studieren“, erinnert sich Preuß. Als Mama eines Kleinkinds und nach dem Wiedereinstieg bei Tchibo entpuppte sich das flexible Studienmodell der FernUni als genau richtig. „Und so bin ich geblieben.“

Nahtlos in die Wissenschaftskarriere

Zwischen 2013 und 2016 ging Judith Preuß in eine zweite Elternzeit mit ihrer Tochter. Inzwischen mit einem Psychologie-Bachelorabschluss im Rücken, orientierte sie sich 2017 neu und begann eine Tätigkeit als studentische Hilfskraft bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. „Ich habe dort die Datenaufbereitung im Bereich Arbeitszeitberichtserstattung gemacht und gemerkt, dass mir Statistik und all das eigentlich richtig viel Spaß macht – nicht nur die praktische Anwendung von Psychologie.“ Doch mit zwei kleinen Kids entpuppte sich der eher präsenzorientierte Berufsalltag in der Bundesanstalt als kompliziert. Neue Pläne mussten her: volle Kraft voraus Richtung Psychologie-Master an der FernUni. 2018 begann sie zudem als studentische Hilfskraft im Lehrgebiet Bildungspsychologie wissenschaftlich zu arbeiten. „Ich habe die Ausschreibung für das Projekt Campus International“ von Dr. Julia Zimmermann gesehen und mich beworben.“

Daten aufbereiten, Abschlussberichte schreiben, lektorieren – Judith Preuß bekam im Forschungsvorhaben und seinen Folgeprojekten immer tiefgreifendere Aufgaben. „Die Forschung macht mir einfach richtig Spaß“, sagt Preuß, „vor allem der ‚Datensalat’, also das Aufbereiten und Analysieren von komplexen Datensätzen.” Kein Wunder, dass ihr nach dem Masterabschluss 2021 der nahtlose Übergang in die Wissenschaftswelt gelang, mit einer Stelle als Doktorandin im Lehrgebiet von Prof. Dr. Kathrin Jonkmann. „Eins kam zum anderen, obwohl ich anfänglich gar nicht aktiv eine Promotion angestrebt habe“, sagt die Psychologin mit einem Lächeln. Aber mit der Doktorandenstelle im Projekt InterMINT von Dr. Julia Zimmermann stand eine thematisch an die Hiwi-Tätigkeit anknüpfende Option offen. Zwischen Forschung und Lehre fühlt sie sich pudelwohl: „Ich bin einfach immer dem Herzen gefolgt, und den familiären Bedingungen.“

Symbolbild-internationales-studium Foto: golero/E+/Getty Images
Deutschland ist auf internationale Fachkräfte angewiesen – in ihrer Forschung fragt Judith Preuß danach, was Studierende aus dem Ausland bewegt.

Forschung rund um InterMINT

Nach rund 15 Jahren FernUni-Erfahrung hat sie nun ihre Promotion in der Tasche – worum ging es inhaltlich? „Der rote Faden ist das Projekt InterMINT – ‚Internationale Studierende in Deutschland‘“, erklärt Judith Preuß. „Es wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Förderlinie „Studienerfolg und Studienabbruch II“ gefördert, die darauf abzielt, Gründe für den Fachkräftemangel schon in der Studierendenzeit zu identifizieren und abzupuffern.“ Im Zentrum die Frage: Welche Interventionen bieten sich an, um internationale Studierende gut durchs Studium in Deutschland zu führen – und im besten Fall dazu zu bewegen, hier zu bleiben und zu arbeiten? Der zugrundeliegende Datensatz entstand im Rahmen des ebenfalls vom BMBF geförderten Vor­gänger­projekts „Studienerfolg und Studienabbruch bei Bildungsausländern in Deutschland im Bachelor- und Masterstudium (SeSaBa)“. Assoziiert ist InterMINT unter anderem mit dem Forschungszentrum CATALPA an der FernUni. Die Leitung beider Projekte lag bei Dr. Julia Zimmermann, die auch die erfolgreiche Promotion von Judith Preuß gemeinsam mit Prof. Dr. Kathrin Jonkmann betreute.

„Ich erinnere mich noch sehr gut daran, vor welchen Herausforderungen man als Fernstudentin mit Job und Familie oft steht.“

Judith Preuß

Lehre auf Augenhöhe

Passend zu ihrer Forschung rund um Studienbedingungen für eine von Diversität geprägte Studierendenschaft ist es Judith Preuß wichtig, auch in der eigenen Lehre mitzudenken – die jeweiligen Voraussetzungen der Studierenden zu beachten und auch empathisch zu sein, wenn mal jemand etwas in der Klemme steckt, etwa aus Zeitgründen. „Manchmal ermögliche ich später abends Beratungsgespräche“, nennt Preuß ein Beispiel. „Ich erinnere mich noch sehr gut daran, vor welchen Herausforderungen man als Fernstudentin mit Job und Familie oft steht.“

Campus international

Auch nach der Promotion bleibt Judith Preuß in Hagen: Seit Oktober 2025 arbeitet sie sich neben Aufgaben in der Lehre an der inzwischen vierten Auflage des DAAD-Projekts „Campus international“ von Dr. Julia Zimmermann mit – arbeitet also wieder in ebenjenem Projekt, das am Anfang ihrer FernUni-Karriere stand. „Hier schließt sich ein Kreis.“ Die Stelle läuft bis Sommer 2026. Und danach? „Es geht immer irgendwie weiter, man muss sich eben immer wieder reinfuchsen“, lacht Preuß. „Ich glaube, ich bin wohl ein ziemlich gutes Beispiel für lebenslanges Lernen.“ Fest steht für sie: „Wenn ich denn darf und sich unsere Förderung fortsetzt, bleibe ich gerne auch weiterhin an der FernUni – das wäre natürlich ein Sechser im Lotto.“

Benedikt Reuse | 30.01.2026