100 Quellen, 100 Orte – wo der Kolonialismus Spuren hinterlässt

Was im November 2018 als studentisches Seminar anlief, entwickelte sich zu einem Forschungsprojekt mit Strahlkraft: „Hagen postkolonial“.


Fernglas-quellensammlung-schulwandbild Foto: FernUniversität
Mit Schulwandbildern wie diesem aus einem Gymnasium im damaligen Haspe (heute ein Stadtteil von Hagen) sollten kolonialistische Themen im Unterricht Einzug halten.

Es geht um Spuren des Kolonialismus in der eigenen Straße, dem Nachbarhaus und in Familien. Mission, Welthandel, Migration und Rassismus – dazu entstanden ein umfassender Seminarband, kleine wie große Ausstellungen, verschiedene Aufsätze, ein Stadtplan mit Audiowalk und nun die digitale Sammlung „100 Quellen – 100 Orte“. Das Ziel bis Frühjahr: 100 historische Texte, Abbildungen und Objekte erzählen konkret, wie koloniale Spuren und Bezüge bis heute wirken, in ganz Westfalen-Lippe.

Koloniale Strukturen zeigen sich oft an unvermuteten Orten.

Dr. Fabian Fechner, Historiker

„Koloniale Strukturen zeigen sich oft an unvermuteten Orten.“ Historiker Dr. Fabian Fechner treibt die Forschung und Sammlung gemeinsam mit Barbara Schneider und Dr. Dennis Schmidt im Lehrgebiet Geschichte Europas in der Welt voran. Die didaktische Konzeption sowie die digitale Umsetzung erfolgt durch Frank Wistuba und Silke Newig vom Projekt „bne:digital.nrw“ an der FernUni. „Wir sehen darin eine moderne Form des Wissenserwerbs und der Wissensvermittlung – niederschwellig und wissenschaftlich präzise zugleich –, die Impulse setzt.“ Die digitale Plattform, die die LWL-Kulturstiftung mit 40.000 Euro fördert, richtet sich an Lehrkräfte, Museen, Geschichtsvereine und die politische Bildungsarbeit. Die Arbeitsmaterialien sind (kosten)frei und langfristig zugänglich.


Fernglas-2025-2026

Beitrag aus dem Wissenschaftsmagazin fernglas 2025/2026.
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„Das Projekt bietet die Chance, breite Kreise der örtlichen Geschichtsszene und Museen einzubinden. In Hagen arbeiten wir eng mit dem Heimatbund und dem Stadtarchiv zusammen“, schildert Fechner. Damit werden auch neue Themen in der Region gesetzt oder bekannte Zusammenhänge aus anderer Perspektive beleuchtet – und vor allem kommentiert und eingeordnet. Das Projekt macht dadurch auch Leerstellen in der Erinnerungskultur sichtbar. „100 Quellen, 100 Orte“ lädt ein, sich mit dem historischen und wandelbaren Phänomen Kolonialismus zu beschäftigen – und aktiv mitzuwirken.

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Anja Wetter | 09.01.2026