Wie können wir digital und nachhaltig lernen?

Bei der BNE-Messe auf dem Campus der FernUniversität ging es um das Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und wie diese in und rund um Hagen umgesetzt werden kann.


Im November 2025 fand an der FernUniversität die zweite BNE-Messe statt, eine zentrale Plattform für das Bildungskonzept in der Region. Die Veranstaltung wurde vom Arbeitskreis BNE Hagen, der Stadt Hagen und der FernUniversität gemeinsam ausgerichtet. Sie bot ein vielfältiges Programm aus Vorträgen, Workshops und Austauschformaten.

Zwei Männer stehen vor Teilnehmer:innen eines Workshops Foto: FernUniversität
Prof. Christian Grabau (links) und Frank Wistuba erfuhren bei ihrem Workshop die vielfältigen Perspektiven der Workshop-Teilnehmenden.

Ziel war es, lokale Initiativen, Projekte und Akteur:innen vorzustellen sowie Impulse für eine langfristige Verankerung von nachhaltigkeitsorientierten Bildungsansätzen in Schulen, Hochschulen, Verwaltung sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen zu setzen. Prof. Dr. Christian Grabau (Lehrgebiet Allgemeine Bildungswissenschaft) und Frank Wistuba beteiligten sich mit dem Workshop „BNE als transformative Bildung: zwischen Anspruch und gelebter Praxis“. Wistuba leitet an der FernUniversität das Projekt „bne:digital.nrw“, das während der BNE-Messe zusätzlich mit einem Stand vertreten war.

Projekt an der FernUni angesiedelt

Das Projekt wird vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert mit dem Ziel, die Hochschulen dabei zu unterstützen, BNE systematisch in die Studiengänge zu integrieren und dabei Fragen der Digitalisierung mitzudenken. Seit Oktober 2022 ist das Projekt am Zentrum für Lernen und Innovation (ZLI) an der FernUniversität angesiedelt. „Es geht darum, wie wir Lehrende dabei unterstützen können, Nachhaltigkeit in der Bildung zu verankern. Unsere Aktivitäten reichen von der Erstellung digitaler Bildungsmaterialien über Fort- und Weiterbildungsangebote bis hin zur hochschulübergreifenden Netzwerkarbeit“, sagt Frank Wistuba. Besondere Schwerpunkte bilden der reflektierte Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz sowie die didaktischen Potenziale von Virtual Reality im Kontext von BNE.

Workshop zur Perspektivenvielfalt in der Bildungspraxis

An der FernUni wirkten Frank Wistuba und seine Kollegin Silke Newig in den letzten Jahren an einigen Projekten mit. Das Angebot der Beratung durch Wistuba und Newig nahmen zahlreiche Lehrende der FernUni an, darunter auch Christian Grabau. Er entwickelt momentan ein neues Modul. Dieses soll zum nächsten Wintersemester im Bachelor Bildungswissenschaft an den Start gehen und trägt momentan den Arbeitstitel „Transformative Bildung in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter“. Durch die gemeinsame Arbeit mit Frank Wistuba kam der Workshop im November auf der BNE-Messe zustande. „Wir wollten die vielfältigen Perspektiven der Workshop-Teilnehmenden kennenlernen: Wie gestalten sich ihre Erfahrungen in den unterschiedlichen pädagogischen Kontexten und wo sehen sie konkrete Ansatzpunkte für eine transformative Nachhaltigkeitsbildung in ihrer Praxis?“, berichtet Christian Grabau.

Theorie und Praxis zusammenbringen

Im Mittelpunkt des neuen bildungswissenschaftlichen Moduls steht das Ziel, theoretische Konzepte transformativer Bildung mit der pädagogischen Praxis zu verbinden. Es geht darum, gemeinsam mit den Studierenden darüber nachzudenken, wie transformative Bildung konkret in ihrem beruflichen Alltag umgesetzt werden kann. „Nachhaltigkeit“ erschöpft sich nicht in punktuellen Aktionen wie einen „veganen Tag“ in der Kantine – vielmehr sollen Impulse für eine tiefgreifende gesellschaftliche Veränderung gesetzt werden. Sowohl Wistuba als auch Grabau betonen, dass BNE grundlegende individuelle sowie strukturelle Veränderungen voraussetzt und zugleich solche Veränderungsprozesse weiter hervorbringen soll. Ihr Anliegen ist es, Menschen dazu zu befähigen, gemeinsam ins Handeln zu kommen.

Gemeinsam Lösungen finden

„Partizipation“ bedeutet, demokratische Mitgestaltungsräume zu eröffnen, die Selbstwirksamkeit erfahrbar machen. Die Menschen sollen nicht Instruktionen erhalten, sondern selbst an Veränderungen beteiligt sein. Dabei ist beiden klar, dass es in der Realität an Schulen oder Hochschulen oft andere Herausforderungen gibt, die nicht immer zulassen, dass die Nachhaltigkeitsperspektive einen Platz findet. „Daher war es mir ein Anliegen, BNE mit Franks Beratung aufzugreifen, damit zumindest Anknüpfungspunkte für ein nachhaltiges Lernen gefunden werden können“, sagt Christian Grabau. Frank Wistuba ergänzt: „Es geht auch nicht nur darum, jeden Einzelnen zu befähigen, sondern das Bildungskonzept zielt darauf ab, gemeinschaftlich Lösungen zu finden.“ Doch wie findet man im Fernstudium gemeinsame Lösungen? Eine Herausforderung, denn der Großteil des Studiums spielt sich digital ab und viele Studierende sind berufstätig. „Gemeinsam mit dem Team der Fachmediendidaktik KSW möchten wir für das Modul partizipative Formate schaffen, um kollaborative Arbeitsformen zu ermöglichen. Aber auch Kolleginnen und Kollegen aus der Fakultät liefern uns hierfür wertvolle Impulse“, so Grabau. Dazu werden die Erfahrungen aus dem Workshop mit einbezogen.

Zwei weitere Beispiele der Arbeit von Frank Wistuba und Silke Newig verbindet BNE mit einer kritischen Auseinandersetzung mit (post-)kolonialen Kontinuitäten. In diesem Zusammenhang ist zum einen die Website „How-to Straßennamen? Handreichung zur Erkundung örtlicher Erinnerung“ und zum anderen die Website „100 Quellen – 100 Orte. Koloniale Spuren in Westfalen Lippe“ in Kooperation mit Dr. Fabian Fechner und Barbara Schneider aus dem Lehrgebiet Geschichte Europas in der Welt entstanden. Beide Websites sind von Newig nach Kriterien nachhaltiger Gestaltung entwickelt und umgesetzt worden, sodass ökologische Verantwortung mit sozialer Zugänglichkeit verbunden wird. Aktuell kooperiert das Projektteam auch mit dem Lehrstuhl von Prof. Dr. Stefan Smolnik (Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebliche Anwendungssysteme), um VR-Inhalte mit einer Nachhaltigkeitsperspektive für die Lehre zu entwickeln.

bne:digital.nrw an der FernUniversität

Im Oktober 2022 startete das Projekt an der FernUniversität in Hagen. Es wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert und ist im Zentrum für Lernen und Innovation der FernUniversität angesiedelt. Ausgangspunkt des Vorhabens ist die globale Agenda 2030 und das damit verbundene Weltrahmenprogramm BNE 2030, das die Rolle von Bildung für die Verwirklichung aller 17 Nachhaltigkeitsziele hervorhebt.

Die FernUniversität in Hagen leistet mit dem Projekt einen direkten Beitrag zur Umsetzung der landesspezifischen Nachhaltigkeitsstrategien und den entsprechenden Verpflichtungen in der Hochschulvereinbarung NRW 2026 unter Berücksichtigung der Strategie für das digitale Nordrhein-Westfalen 2.0 für den Hochschulbereich. Das Projekt läuft bis zum 31. März 2026.

 

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