Zehn Jahre Regionalzentrum Berlin

2009 setzte die FernUniversität in Hagen ein neues Konzept zur wohnortnahen Betreuung von Studierenden auf. In der Hauptstadt ging das erste Zentrum an den Start.


Ansicht des Gebäudes Neues Kranzler Eck in Berlin Foto: Thomas Rosenthal
Das Neue Kranzler Eck an Berlins trubeligem Ku'damm beherbergt das Regionalzentrum.

Mit einer Feier für Studierende und Menschen aus Politik und Gesellschaft eröffnete die FernUniversität in Hagen am 18. September 2009 in Berlin ihr erstes Regionalzentrum, das als „Bindeglied zwischen den Studierenden in der Region Berlin und den wissenschaftlichen Bereichen sowie der Verwaltung in Hagen“ dient und es den Studierenden ermöglicht, „die Angelegenheiten ihres Studiums direkt vor Ort zu regeln“. So lautete eine damalige Pressemitteilung zum neuen Regionalisierungskonzept der FernUniversität. Bis dahin gab es bundesweit Kooperationen mit anderen Hochschulen für Studienzentren.

Pionier an zentralem Standort

Zunächst untergebracht im SpreePalais in Berlin-Mitte, wenige Meter entfernt von Berliner Dom und Museumsinsel, trug das Regionalzentrum Berlin dazu bei, die vor allem berufstätigen Studierenden im gesamten Verlauf des Studiums zu unterstützen. Berlin hatte Pionierfunktion: Die hier gesammelten Erfahrungen flossen in das bundesweite Regionalisierungskonzept an weiteren Standorten ein.

Aus dem Pionier ist eine Institution geworden; als Pilotstandort kommt Berlin seit seiner Gründung immer noch zum Einsatz, etwa für neue Lehrszenarien oder Prüfungsverfahren. Kontinuität bleibt gewährleistet: In den Regionalzentren erhalten Studieninteressierte Informationsmaterialien rund um die FernUni­versität. Die Teams vor Ort bieten per­sönliche Beratung sowie individuelle Betreuung an. Außerdem finden hier studienbegleitende Ver­anstaltungen statt und die Regionalzentren bieten ihre Räume an, in denen sich Lern- oder lokale Alumnigruppen treffen.

7000 Studierende zugeordnet

2017 ist das Regionalzentrum von der Spree an den Kudamm gezogen, ins Neue Kranzler Eck, die Zahl der betreuten Studierenden stieg über die Jahre stetig an. „Uns sind aktuell über 7000 Studierende aus dem Raum Berlin, Brandenburg sowie anteilig aus Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zugeordnet“, sagt Dr. Heike Holtgrewe, kommissarische Leiterin des Regionalzentrums Berlin.

Pro Semester übernehmen rund 20 Mentorinnen und Mentoren die modulspezifische Betreuung. In Berlin werden Mentoriate insbesondere von den Fakultäten Mathematik und Informatik, Wirtschaftswissenschaft sowie auf der Rechtswissenschaftlichen Fakultät angeboten. Flankierend hinzu kommen Präsenzveranstaltungen aus den Kultur- und Sozialwissenschaften sowie der Psychologie.

„Dank der intensiven Unterstützung durch das Regionalzentrum, das die Infrastruktur bietet und die Vernetzung unter den Studierenden forciert, bin ich zum Abschluss gekommen.“

Claudia Nürnberg, Absolventin

Grundsätzlich bietet das Zentrum ein Dach für Lehre und Wissenschaft. Als Standort für wissenschaftliche Tagungen, Konferenzen und Netzwerktreffen wird das Regionalzentrum gern gewählt. Ein wissenschaftliches Projektteam der FernUni hat Büros im Regionalzentrum. Darüber hinaus besucht das Team aus dem Regionalzentrum externe Veranstaltungen wie Hochschul- und Bildungsmessen.

Im Laufe der Jahre hat sich der Einsatz der Technik verändert: hin zu hybridem Lehren und Lernen. Mentoriate und Seminare kombinieren Präsenz mit Online, Studierenden sind physisch vor Ort oder schalten sich virtuell zu. Was zunächst mit mehreren Laptops und Kameras bewerkstelligt werden musste, ist heute fest in einem Raum mit hochwertigen technischen Anlagen installiert. „Es trägt dem Konzept der Flexibilität Rechnung“, unterstreicht Holtgrewe. „So können Präsenzveranstaltungen oder Mentoriate auch nach Hause oder von Hagen in die Zentren übertragen werden.“ Berlin war Pilotstandort für die neue Technik, die bis Jahresende in allen Regionalzentren eingebaut sein wird.

Lernen im Zentrum

„Wir initiieren Lerngruppen über Gründungstreffen“, skizziert Holtgrewe weiter. Zehn feste Gruppen kommen pro Woche ins Zentrum. „Vor Prüfungen lernen manche Studierende den ganzen Tag bei uns – und nutzen die technische Infrastruktur wie Whiteboard, Beamer oder Laptop.“ Bei den Prüfungen selbst ermöglicht das Zentrum Videoprüfungen und in Ausnahmefällen für Schwangere oder Studierende mit Einschränkungen Klausurtermine außerhalb der regulären Klausurstandorte.

2011 hat sich eine lokale Alumnigruppe etabliert, die sich regelmäßig zu einem Stammtisch treffen und gemeinsam Exkursionen unternehmen. „Wir laden Mitglieder daraus auch in Veranstaltungen des Zentrums ein, etwa in Start it up zu Studienbeginn. Es motiviert die Erstsemester ein gutes Vorbild vor Augen zu haben.“, beschreibt Heike Holtgrewe die Kooperation mit Absolventinnen und Absolventen.

Inzwischen Tradition geworden sind die Alumnifeiern in den Regionalzentren, auf denen in einem Zweijahresturnus die Absolventinnen und Absolventen der zurückliegenden vier Semester sowie die Promotionsabschlüsse geehrt werden.

Zukünftige Rolle

Die Rolle der Regionalzentren wird weiter gestärkt: Künftig wird der Austausch insbesondere zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit ausgeweitet. Die FernUniversität möchte an Standorten von Regionalzentren Formate einführen, in denen Wissen­schaftlerinnen und Wissenschaftler Ergebnisse ihrer Forschungsprojekte vorstellen. Darüber hinaus intensiviert die Universität ihr Engagement als regionaler Vernetzungsort zwischen Wirtschaft und Politik – insgesamt wichtige Beiträge zur Durchlässigkeit im Bildungssystem. Berlin spielt dann sicher als Pilot wieder eine Rolle…


Weitere Stimmen zum Regionalzentrum

mehr Infos

„Ich habe im Bachelor- und Masterstudium alle angebotenen Veranstaltungen wahrgenommen. Dadurch habe ich einen persönlichen Kontakt zum Team des Regionalzentrums aufgebaut. Das hat zur Unterstützung beigetragen.“

Kristian Engler, Absolvent

„Meine Mitstreiterinnen und Mitstreiter für die Abschlussarbeit habe ich im Regionalzentrum getroffen. Aus der gemeinsamen Studienzeit sind Freundschaften und Bekanntschaften geworden.“

Susanne Schulz, Absolventin

Anja Wetter | 26.09.2019